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"A Quiet Place 2" Der Horror kehrt auf leisen Sohlen zurück

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Stille ist das oberste Gebot: Regan (Millicent Simmonds) und Lee Abbott (John Krasinski) in "A Quiet Place 2".

(Foto: Jonny Cournoyer / Paramount Pictures)

Das Kino ist zurück! Darüber dürften sich alle freuen. Und darüber, dass gleich mal "A Quiet Place 2" am Start ist, zumindest die Horror-Fans. Nur dass es sich um eine Fortsetzung handelt, könnte für Skepsis sorgen. Kann sie dem Original das (stille) Wasser reichen?

"A Quiet Place" war so etwas wie die Kino-Überraschung des Jahres 2018. Und das noch nicht einmal, weil der Streifen unter den Überfliegern der Marke "Bohemian Rhapsody", "A Star Is Born" oder "Green Book" in diesem Jahr besonders herausgestochen wäre. Nein, er war es, weil er einem ganzen Genre neues Leben eingehaucht und zu einem Befreiungsschlag verholfen hat. Nach unzähligen dämlichen Slasher-, Exploitation- und paranormalen Found-Footage-Variationen gelang dem Film unter der Regie von John Krasinski kein geringeres Kunststück, als Horror mal eben neu zu definieren.

Und das ganz still und leise - im wahrsten Sinne des Wortes. Schließlich drohte in dem Film nur dann Ungemach, wenn die Protagonisten irgendwie zu lärmen begannen. Allzu geräuschempfindliche Monster, die aus bis dahin unbekannten Gründen die Erde bevölkerten, reagierten darauf nämlich ziemlich spaßbefreit und kompromisslos. Spaß hatten dafür die, die Freude am Grusel empfinden. Während sie um das Wohl und Wehe von Familie Abbott auf der Leinwand bangten, gaben sie im Kinosessel ebenfalls am besten keinen Mucks von sich. Schließlich drohte sonst auch ihnen Ungemach - vom Sitznachbarn, der sich in seinem lautlosen Mitfiebern gestört fühlte.

Über ein Jahr Verspätung

Nun ist das mit guten und originellen Horrorfilmen also an sich schon so eine Sache. Erst recht heikel wird es aber, wenn es um Fortsetzungen geht. Bei ihnen kommt dann allzu oft nur noch ein mieser Abklatsch heraus. Und ein billiger. Mit kostengünstigen Produktionen soll aus der Beachtung, die das Original womöglich erfahren hat, noch größtmögliches Kapital geschlagen werden.

Die Vorzeichen für "A Quiet Place 2", der nun mit über einjähriger Verspätung in die Kinos kommt, stehen somit eigentlich nicht zum Besten. Eigentlich. Denn die gute Nachricht lautet: Regisseur und Lee-Abbott-Darsteller Krasinski hat mit einer knappen Verdreifachung des Budgets, dem weitgehend identischen Cast und einem Drehbuch, das der Geschichte einen neuen Spin verleiht, anstatt sie nur lauwarm aufzukochen, abermals ein Meisterwerk abgeliefert.

Prequel und Sequel in einem

Inhaltlich ist "A Quiet Place 2" dabei so etwas wie Prequel und Sequel in einem. Zunächst einmal dürfen wir endlich erfahren, wie die Biester mit ihrem ausgeprägten Hörsinn auf die Erde gelangt sind. Der Rest der Story setzt unterdessen am Ausgang des ersten Teils an. Familienvater Lee Abbott ist tot. Seine Frau Evelyn (Emily Blunt), seine annähernd taube Tochter Regan (Millicent Simmonds), sein Sohn Marcus (Noah Jupe) und sein soeben erst neugeborenes Baby müssen sich ohne ihn durch die apokalyptisch anmutende Welt schlagen.

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Gelingt es Evelyn (Emily Blunt) ihre Familie durchzubringen?

(Foto: Jonny Cournoyer / Paramount Pictures)

Das jedoch wollen sie nicht alleine. Also begeben sie sich auf die Suche nach anderen Menschen, die auch noch keinem Lauschangriff der Monster zum Opfer gefallen sind. Wen sie finden, ist Emmett (Cillian Murphy). Eigentlich ein alter Freund von Lee Abbott, zeigt er sich im Angesicht der bei jedem Geräusch lauernden Gefahr zunächst jedoch wenig begeistert von der Ankunft der vierköpfigen Familie. Auch Regans geradezu irrwitzig anmutender Plan, das Monster-Übel ein für alle Mal an der Wurzel zu packen, anstatt ihm immer nur mit Feuer und Flinten zu begegnen, schmeckt ihm natürlich erst einmal überhaupt nicht.

Das Mädchen hat sich in den Kopf gesetzt, sich zu einer alten Radiostation durchzukämpfen. Schließlich hat Regan festgestellt, dass die mörderischen Kreaturen hochfrequente Rückkopplungsgeräusche, die sie mit ihrem defekten Hörgerät erzeugt, so gar nicht abkönnen. Was würde wohl passieren, wenn man die Geräusche in die gesamte Umgebung senden könnte ...?

Double oder Triple?

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"A Quiet Place 2" erweitert den Horror-Kosmos des Originals. Das intensive Kammerspiel der Familie weicht ein Stück weit dem Bild vom großen Ganzen. Das Mittel, zwischen völlig lautlosen Szenen aus Regans Perspektive und Szenen mit Normalton zu wechseln, wird reduzierter eingesetzt, jedoch nicht aufgegeben. Der Fokus rückt stärker von den Erwachsenen weg hin zu den Kindern. An der schaurigen Anmutung der Monster, die an "Alien" erinnert, hat sich dagegen nichts geändert.

Krasinski soll bereits die Idee für eine weitere Fortsetzung vor sich herschieben. Ob ihm womöglich sogar ein grandioses Triple gelingt, wird die Zukunft zeigen. Jetzt aber reicht es erstmal, zu konstatieren, dass ihm ein furioses Double geglückt ist. Gerade aufgrund seines Spiels mit dem Ton gehört "A Quiet Place 2" zu den Filmen, die fürs Kino gemacht sind. Fast ist es ein bisschen ironisch, dass es just diesem Streifen obliegt, die Stille der Corona-Zeit in den Lichtspielhäusern zu durchbrechen. Aber zugleich könnte es viel besser auch nicht sein.

Quelle: ntv.de

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