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Horror kommt auf leisen Sohlen "Alien" lässt in "A Quiet Place" grüßen

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Stille ist das oberste Gebot: Evelyn Abbott (Emily Blunt) und ihre Tochter Regan (Millicent Simmonds) in "A Quiet Place".

Jonny Cournoyer / Paramount Pictures

Neue Horrorfilme gibt es viele. Und die meisten sind schlecht. Oder abgedroschen. Umso erfreulicher, wenn mal wieder ein Streifen mit Gruselfaktor heraussticht. "A Quiet Place" ist so einer.

Nein, komplett originell ist "A Quiet Place" auch nicht. In dem Film erinnert schon einiges irgendwie an "Alien". Insbesondere die fiesen Kreaturen, die mordend durch die Gegend marodieren, muten an, als wären sie direkt der persönlichen Fantasie von "Alien"-Schöpfer HR Giger entsprungen. Da der Schweizer Künstler jedoch schon seit rund vier Jahren tot ist, kann das getrost ausgeschlossen werden. Aber sein abgedrehter Geist weht definitiv durch den "ruhigen Ort", der im Filmtitel beschrieben ist.

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Der Ort, um den es geht, ist die Erde. In allernächster Zukunft ist sie ein von eben jenen Kreaturen heimgesuchter Planet, auf dem die noch verbliebenen Menschen gegen sie ums Überleben kämpfen. Wann genau, weshalb und wie die Biester auf die Erde gelangt sind, wird nicht erklärt und tut auch nichts zur Sache. Es geht einzig darum, Familienvater Lee Abbott (John Krasinski), seiner Frau Evelyn (Emily Blunt) und seinen Kindern Marcus (Noah Jupe), Regan (Millicent Simmonds) sowie Beau (Cade Woodward) bei ihren verzweifelten Versuchen, irgendwie am Leben zu bleiben, zuzusehen.

Mach keinen Mucks!

Ein scheinbar aussichtsloses Unterfangen. Denn die Monster haben sprichwörtlich Ohren wie ein Luchs. Ach was, wie ein ganzes Rudel Luchse. Anders ausgedrückt: Schon das kleinste Geräusch ruft sie auf den Plan. Die Abbott-Familie und die wenigen Menschen, die außer ihr noch nicht in die Fänge der Killer-Kreaturen geraten sind, haben sich darauf eingestellt. Alles, was sie tun, ist darauf ausgerichtet, keinen Mucks zu machen. Jeder Schritt, jede Bewegung, jede Kommunikation.

Doch wie soll menschliches Dasein ohne jeglichen Laut möglich sein? Erst recht, wenn man wie die Abbots Kinder hat? Und noch dazu ein weiteres Baby erwartet?

Simpel und genial

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John Krasinski spielt die Hauptrolle des Lee Abbott und führte Regie.

(Foto: Jonny Cournoyer / Paramount Pictures)

Die grundsätzliche Idee von "A Quiet Place" ist so simpel wie genial. Tatsächlich läuft der Film über weite Strecken praktisch geräuschlos ab - jedenfalls, was Geräusche seitens der menschlichen Protagonisten angeht. Sequenzen, die aus der Sicht von Regan erzählt werden, sind sogar komplett ohne Ton. Denn die Filmtochter ist taub - ebenso wie ihre Darstellerin Millicent Simmonds im richtigen Leben.

Vor diesem Hintergrund fährt es einem umso mehr eiskalt den Rücken herunter, wenn plötzlich ein ungewollter Krach die Stille durchdringt. Umso bedrohlicher wirken das Rascheln, das Trippeln, das Fiepen und schließlich das Trampeln, das Poltern und lautstarke Morden der blutrünstigen Bestien. Und umso effektvoller kommt die Musik von Horrorspezialist Marco Beltrami ("Scream") zum Tragen, um das allgegenwärtige Grauen noch einmal doppelt und dreifach zu unterstreichen.

Popcorn sollte draußen bleiben

John Krasinski, der in "A Quiet Place" nicht nur die Hauptrolle spielt, sondern auch Regie führt, gelingt es so allein mit dem Mittel der Stille, bewährte Gruselmechanismen auf die Spitze zu treiben. Ein einfacher Kniff - mit durchschlagender Wirkung. Allein deshalb verzeiht man dem Filmemacher, den man bislang vor allem als Schauspieler in Streifen wie "Promised Land", "13 Hours: The Secret Soldiers of Benghazi" oder "Detroit" wahrgenommen hatte, auch so manche Logiklücke auf der Leinwand. Das fängt damit an, dass in so einer Situation wohl niemand noch lauter schöne kleine Bilderahmen an der Wand hängen haben würde, die jederzeit runterzufallen drohen. Und es hört damit auf, dass Geräuschempfindlichkeit und Reaktionsschnelligkeit der Kreaturen je nach dramaturgischer Notwendigkeit schon auch mal variieren.

Dennoch: "A Quiet Place" ist für Horrorfreunde absolut sehenswert und sticht aus dem sonst oftmals faden Einheitsbrei dieses Genres klar heraus. Nur einen Nachteil gibt es: Sie sollten während des Films nicht allzu laut an Ihrer Cola schlürfen und auf das Popcorn am besten gleich komplett verzichten. Ansonsten könnte es so manche Beschwerde der anderen Kinogänger geben, die sich beim wohligen Gruseln auf leisen Sohlen gestört fühlen.

"A Quiet Place" läuft ab sofort in den deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de

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