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25 Jahre Hogwarts Harry Potter existiert auch ohne J. K. Rowling

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Seit 25 Jahren tauchen Leserinnen und Leser in die wunderbare Welt von Harry Potter ein.

(Foto: picture alliance / ZB)

Viele eifrige Leser von Harry Potter sehen in den transphoben Ansichten von J.K. Rowling einen Schatten auf die magische Welt von Hogwarts. Aber das muss nicht so sein. Sie mag die Geschichten von Harry, Ron und Hermine geschrieben haben, aber sie gehören nicht mehr ihr.

Es gibt nicht viele Bücher, die so viele Leben geprägt haben wie Harry Potter. In der magischen Welt von Hogwarts konnten schon immer Jung und Alt eintauchen - und sich im Gegenzug in der realen Welt besser verstehen: Die Geschichten von Harry, Ron und Hermine haben vereint und verbunden. Umso enttäuschender ist es, dass die Autorin hinter diesem Meisterwerk seit einigen Jahren transphobe Ideen in die Welt setzt, die nicht nur gefährlich, sondern auch weitgehend falsch sind.

Begonnen hat alles, wie so oft heutzutage, mit einem Tweet: J. K. Rowling will Transfrauen nicht als Frauen bezeichnen, weil sie nicht menstruieren. Dann kommt ein Blogpost, der "Fünf Gründe, über den neuen Trans-Aktivismus besorgt zu sein" auflistet. Und bei Twitter-Threads und Blogposts wollte sie es offenbar nicht belassen. Also schrieb sie ein ganzes Buch darüber. In "Trouble Blood" geht es um einen Detektiv, der einen männlichen Serienmörder jagt, der sich als Frau verkleidet, um Frauen zu ermorden.

Rowling wurde nicht "gecancelt"

Der Rückschlag gegen die Autorin war groß. Fast die gesamte Harry-Potter-Riege, darunter Daniel Radcliffe, Emma Watson und Rupert Grint, hat sich inzwischen von Rowling distanziert. Wenige Leute sprangen der Autorin im Zuge ihrer Äußerungen zur Seite - bis sich der russische Präsident Wladimir Putin zu dem Fall äußerte: In einer Rede im März dieses Jahres beklagte er, dass die westlichen Eliten die Harry-Potter-Autorin "gecancelt" hätten (auf Deutsch: abgesagt oder vernichtet). Und nun sei der Westen damit beschäftigt, Russland zu "canceln".

Erstens: Wenn einem der russische Präsident in diesen Zeiten plötzlich zur Seite springt, kann man ziemlich sicher sein, dass man nicht auf der richtigen Seite der Geschichte steht. Zweitens: Dass Rowling "gecancelt" wurde, darf bezweifelt werden. Denn die Autorin hat nach wie vor eine riesige Plattform und Reichweite und verdient immer noch Millionen mit den Büchern. Mitte 2020 stiegen die Verkaufszahlen wieder um rund 27 Prozent, nachdem die Autorin angeblich "gecancelt" wurde.

Hogwarts gehört nicht mehr J. K. Rowling

Dennoch kommt oft die Frage auf, ob es unter den neuen Umständen noch möglich ist, die magische Welt von Hogwarts zu lieben. Die Antwort: Ja. Denn diese Welt gehört schon lange nicht mehr der Autorin. Sie mag sie erfunden, erschaffen und geschrieben haben. Aber die Bedeutung der Geschichten, die Erfahrungen und Erinnerungen, die jeder Einzelne mit diesen Büchern gemacht hat, existieren auch ohne J. K. Rowling.

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Ganz gleich, ob man sich an den Geruch frisch gewaschener Bettdecken erinnert, während Papa oder Mama einem zum ersten Mal vom Sprechenden Hut vorgelesen haben; ob die Liebesgeschichte zwischen Ginny und Harry einem in den schlimmen Jahren der Pubertät einen kurzen Moment der Realitätsflucht beschert hat; oder ob man als Erwachsener von der Stimme Rufus Becks, wie er im Hörbuch den Raum der Wünsche beschreibt, nach einem langen Tag in den Schlaf gewiegt wird - damit hat J. K. Rowling nichts zu tun. Diese Erinnerungen kann sie nicht wegnehmen.

Und wer der Verfasserin dieses Textes nicht glauben will, kann Harry Potter selbst zuhören. Denn Daniel Radcliffe schrieb nach dem ersten Tweet von J. K. Rowling: "An alle, die das Gefühl haben, dass ihre Erfahrungen mit den Büchern getrübt oder geschmälert worden sind: Ich bedaure zutiefst den Schmerz, den diese Kommentare verursacht haben", schrieb er. "Ich hoffe wirklich, dass ihr das, was euch an diesen Geschichten wertvoll war, nicht völlig verliert ... Meiner Meinung nach kann niemand daran rütteln."

Quelle: ntv.de

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