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"Sie wollen alle versklaven" Ist Michael Wendler reif für die Klapse?

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Über bloße Kritik an den Corona-Maßnahmen geht er inzwischen weit hinaus: Michael Wendler.

(Foto: imago images/Future Image)

Sein Ex-Manager Markus Krampe glaubt, Michael Wendler sei krank. Nach dem jüngsten Auftritt des Sängers mag man da kaum noch widersprechen. Jedenfalls ist nun klar, dass er bis zum Hals im Verschwörungssumpf steckt. Da könnte ihm vermutlich nicht mal sein Superheld Donald Trump raushelfen.

Die Posse um Michael Wendler strebt ihrem Höhepunkt zu. Und ihrem Ende. Denn künftig tut man wohl gut daran, mit dem Sänger umzugehen wie mit Xavier Naidoo, Attila Hildmann oder ähnlichen Wirrköpfen - und ihn zu ignorieren. Denn spätestens seit einem knapp halbstündigen Instagram-Livestream am Dienstagabend steht fest: Wendler ist tief ins Reich der Verschwörungsmythen abgetaucht. Noch viel tiefer, als man es in den vergangenen Wochen erahnt hätte.

Der Musiker hatte sein neuerliches Statement tagelang mit einem Foto-Hinweis auf seiner Instagram-Seite angekündigt. Zugleich ließ er darüber abstimmen, ob er sich denn überhaupt mal wieder zu Wort melden solle. Das Ergebnis sprach an und für sich Bände. Mehr als 80 Prozent meinten: "Ach nö, Micha, lass es mal lieber sein."

Das hielt Wendler jedoch selbstredend nicht davon ab, sich trotzdem die Handykamera zu schnappen und draufloszuquatschen. Aber an einem wirklichen Austausch mit seinen Zuschauern war er dabei offenbar nicht interessiert. Jedenfalls deaktivierte er bei seinem Vortrag lieber mal die Kommentarfunktion. Umso mehr freute er sich, dass ihm in der Spitze trotz des Umfrageergebnisses mehr als 33.000 Menschen zusahen.

Mit gutem Beispiel voran

Psst, verraten Sie es Wendler bitte nicht! Es könnte sonst sein Weltbild erschüttern. Aber unter den Zuschauern waren bestimmt nicht nur Fans, die an seinen Lippen kleben, sondern auch so einige interessierte Journalisten. Sie wissen schon: Die, die laut Wendler und seinen Gesinnungsgenossen ja eigentlich alles verschweigen und unter den Teppich kehren, was die Erleuchteten an angeblichen Wahrheiten in die Welt hinaus posaunen.

Gehen wir also doch mal mit gutem Beispiel voran (oder schlechtem? Man weiß ja nicht mehr so ganz genau, was einem nachgesagt wird) - und berichten, was Wendler in seiner Ansprache an seine Jünger und solche, die es werden wollen, so alles vom Stapel gelassen hat.

"Alles lächerlich", lautete eine seiner ersten grundsätzlichen Botschaften. Gemeint hat er damit die Berichterstattung über ihn in den vergangenen Wochen und die verbreitete Annahme, dass er seine Karriere soeben zu Grabe getragen hat. Medienverträge wurden gekündigt, Werbedeals sind geplatzt, der Manager ist weg, nur die Schulden sind noch da. Trotzdem scheint Wendler davon überzeugt zu sein, eine strahlende Zukunft im Rampenlicht zu haben. Oder freut er sich nur auf seine neue Rolle als potenzieller Telegram-Star? Für seinen Kanal in dem Messengerdienst rührte er zumindest wieder mal kräftig die Werbetrommel.

"Das ist kriminell"

Wirklich ans Eingemachte ging es jedoch, als sich Wendler die Maßnahmen im Kampf gegen die Corona-Pandemie vorknöpfte. "Das ist kriminell", konnte er gar nicht oft genug betonen und verstieg sich dabei in regelrechte Tiraden gegen die Bundesregierung und die Medien im Allgemeinen, aber auch gegen einzelne Personen. Diese würden die "Wahrheiten" von "ganz, ganz vielen" Ärzten und Wissenschaftlern, "die eine komplett andere Sicht haben als die Bundesrepublik oder die Bundesregierung", bewusst unterdrücken, ist Wendler überzeugt.

"Ich bin ganz sicher, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis diejenigen, die weiter diese Lügen verbreiten, auch dementsprechend zur Rechenschaft gezogen werden. Und das ist Spahn, Merkel, Drosten, Wieler, Lauterbach und Söder und viele andere", reihte sich Wendler in die Riege derer ein, die in der Corona-Krise regelrechte Rachegedanken schmieden. "Das wird richtig ernst für diese Personen, die so was mit Deutschland gemacht haben. Und das ist keine Verschwörung, sondern ihr erfahrt es jetzt am eigenen Leib. Die Regierung, die Bundesregierung, auf die wir uns so sehr verlassen haben, die meint es nicht gut mit uns", fügte der Sänger weiter an.

Aufruf zum Widerstand

Für Wendler bleibt es inzwischen jedoch nicht mehr nur dabei, dass durch die Corona-Maßnahmen "das Grundgesetz mit Füßen getreten" und "praktisch zerfetzt" werde. Er fantasiert auch von einer nie ernsthaft diskutierten Zwangsimpfung gegen das Virus und hat den vermeintlichen Grund für den ganzen Aktionismus ausgemacht: "Die Wirtschaft soll komplett zerstört werden. Niemand soll mehr Reserven haben. Man soll abhängig werden vom Staat. Und wenn ihr abhängig seid vom Staat und nur von dem Geld leben müsst und dürft, was der Staat euch gibt, dann diktiert auch der Staat."

Klar, dass aus der Sicht des Sängers auch die Medien Teil dieses perfiden Plans sind. "Die Medien filtern alles raus. Alles. Wissenschaftler werden nicht gehört, die sagen, dass die ganze Pandemie eine Fake-Pandemie ist. Die nur ein Ziel hat, euch alle zu versklaven. Die nur ein Ziel hat, euch eure Rechte wegzunehmen", erklärte er und rief zum Widerstand auf. Jeder in Deutschland müsse nun aufstehen.

Auch die Bundesregierung sollte sich nach Wendlers Meinung erheben. Das jedoch aus einem komplett anderen Grund. "Das Virus ist nicht so ernst und nicht so schlimm, dass man dafür diese Maßnahmen rechtfertigen kann", so der Hobby-Virologe. Und der Hobby-Revolutionär fügte an: "Deswegen macht sich die Bundesregierung strafbar. Und deswegen fordere ich die Bundesregierung auf, zurückzutreten, und zwar sofort."

Wer jedoch glaubt, dies sei es schon an hartem Tobak gewesen, den Wendler in der in seiner Wahlheimat USA gehaltenen Rede an die Deutschen weggeschnupft hat, sieht sich getäuscht. Schließlich machte der bekennende Donald-Trump-Fan noch ein weiteres Fass auf. "Wie sehr die Medien lügen, sieht man schon alleine daran, dass jetzt hier bei mir in der Heimat ein angeblicher Präsident gewählt worden zu sein scheint, der er überhaupt nicht ist", erklärte der 48-Jährige. Er sei "fest davon überzeugt, dass Biden fast niemand hier in den USA gewählt hat, und dass Donald Trump einen Erdrutschsieg hier in den USA erreicht hat".

"Dem kann man nicht helfen"

In den USA finde derzeit "ein Wahlbetrug sondergleichen" statt, ist sich Wendler sicher. Die Medien würden dies nicht transportieren, weil Trump dem "Deep State" im Weg stehe, "weil man die Agenda dann nicht umsetzen kann". Der Demokrat Joe Biden dürfe und werde nicht gewinnen, denn "durch Biden wird es schlimmer", lautete Wendlers Conclusio, die darin gipfelte: "Donald Trump wird die Wahlen gewinnen und Donald Trump wird alle diejenigen, die diese Verbrechen begangen haben, zur Rechenschaft ziehen."

Mit anderen Worten: Wer bislang noch einen letzten Funken Hoffnung hatte, der Sänger habe sich womöglich nur mal eben geistig verlaufen und werde irgendwann schon wieder zur Vernunft kommen, muss auch diesen wohl endgültig fahren lassen. Sein Ex-Manager Markus Krampe mutmaßte bereits, sein einstiger Schützling sei krank. "Wer das jetzt immer noch nicht verstanden hat, dem kann man nicht helfen", ließ Wendler irgendwo in seinem ganzen Redeschwall verlauten. Worte, die man nun mit Blick auf seinen Zustand wohl eher auf ihn anwenden kann.

Quelle: ntv.de