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"Erstunken und erlogen" Leipziger Hotel knöpft sich Gil Ofarim vor

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Nach der Anklageerhebung geht der Hotel-Chef auf ihn los: Gil Ofarim.

(Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress)

Gegen Gil Ofarim wird Anklage wegen Verleumdung und falscher Verdächtigung erhoben. Die Ermittlungen gegen den Hotelmitarbeiter, dem der Sänger eine antisemitische Beleidigung vorwarf, sind dagegen eingestellt. Nun holt dessen Chef die Keule gegen Ofarim raus.

Eines bleibt immer wieder festzuhalten: Solange Gil Ofarim nicht verurteilt ist, gilt für ihn die Unschuldsvermutung. Gleichwohl hat der aufsehenerregende Fall rund um seine Antisemitismusvorwürfe gegen den Mitarbeiter eines Leipziger Hotels eine dramatische Wendung erfahren. Die Ermittlungen gegen "Herrn W.", wie der Beschuldigte nur genannt wird, wurden eingestellt. Stattdessen wird jetzt Anklage gegen Ofarim erhoben - wegen Verleumdung und falscher Verdächtigung.

Andreas Hachmeister, Chef des Leipziger Westin-Hotels, in dem "Herr W." beschäftigt ist, geht nun in einem Interview mit der "Leipziger Volkszeitung" (LVZ) auf Ofarim los. Von der Anklage gegen den Sänger habe auch er erst durch die entsprechende Presseerklärung der Staatsanwaltschaft erfahren, sagt er zunächst. "Es war insgesamt über all die Monate nahezu unmöglich, an Informationen über den Stand der Ermittlungen zu kommen", führt er aus.

Die Erleichterung über die jüngste Entwicklung sei bei allen in seinem Haus "riesengroß", erklärt Hachmeister und ergänzt: "Ich freue mich vor allem für unseren zu Unrecht beschuldigten Mitarbeiter, für den über Nacht eine Welt zusammengebrochen ist, der schlimme Monate durchmachen musste."

Auch Schadenersatzklage möglich

Natürlich werde "Herr W." an seinen Arbeitsplatz zurückkehren, macht der Hotelchef deutlich und holt zur Breitseite gegen Gil Ofarim aus: "Für uns war immer klar, dass Ofarims Anschuldigungen erstunken und erlogen waren, aber wir mussten unseren Mitarbeiter auch schützen. Ich hatte ihn zwischenzeitlich in eines unserer Hotels in Süddeutschland einquartiert. Zum Luftholen und Ausruhen. Danach hat er bei uns im Backoffice-Bereich gearbeitet."

Auch ihn selbst habe die Angelegenheit schwer belastet, gibt Hachmeister zu. "Ich bin abends ins Bett mit dem Gedanken an die Ermittlungen und morgens damit aufgewacht", erläutert er im LVZ-Interview.

Mit einer Entschuldigung von Politikerinnen und Politikern wie dem sächsischen Wirtschaftsminister Martin Dulig oder der Justizministerin des Bundeslandes, Katja Meier, die sich frühzeitig für Ofarim positioniert hatten, rechnet er nicht. "Wäre schön und auch passend, aber ich erwarte von dieser Seite nicht viel", so Hachmeister. Ob das Hotel eine Schadenersatzklage gegen Ofarim anstrengen werde, werde "zu gegebener Zeit" entschieden, erklärt er zudem.

Kretschmer fordert Entschuldigungen

Justizministerin Meier hatte im Oktober getwittert, der "offene Antisemitismus im Hotel Westin" sei unsäglich und unerträglich. Mittlerweile versuchte sie sich mit einem weiteren Tweet an einer Rechtfertigung. Die Bekämpfung von Antisemitismus bleibe ein enorm wichtiges gesellschaftliches Thema, "gerade auch hier in Sachsen", teilte sie mit. Zur "Einordnung" ihrer Worte aus dem Oktober fügte sie an, vorschnelle öffentliche politische Bewertungen in einer so schwierigen Angelegenheit seien fehl am Platz. Sie habe damals auf die Notwendigkeit einer breiten gesellschaftlichen Debatte zur Bekämpfung des Antisemitismus hinweisen wollen.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer äußerte unterdessen offene Kritik an Ofarim. Der Musiker habe "nicht nur den Mitarbeiter, das Hotel, die Stadt und Sachsen in Misskredit gebracht, sondern auch Schaden an der jüdischen Gemeinschaft angerichtet", erklärte der Politiker und ergänzte: "Das Mindeste, was man nun erwarten kann, ist eine Entschuldigung - auch von denen, die vorschnell ihre Schlüsse gezogen und vorverurteilt haben."

Der Zentralrat der Juden wiederum erklärte, man habe die Anklageerhebung gegen Ofarim zur Kenntnis genommen. "Im Vertrauen auf unseren Rechtsstaat gilt es, keine Vorverurteilungen vorzunehmen", sagte Präsident Josef Schuster. Der Zentralrat werde das weitere Verfahren am Landgericht Leipzig mit Interesse verfolgen.

Quelle: ntv.de, vpr/dpa

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