Unterhaltung

Die "Banalität des Bösen" Wenn deutsche Schauspieler Hitler spielen

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Ulrich Matthes als Adolf Hitler: Viele deutsche Schauspieler wollen keine NS-Verbrecher mehr spielen.

(Foto: picture alliance/dpa/Netflix)

Im Historienfilm "München - Im Angesicht des Krieges" spielt Ulrich Matthes Adolf Hitler und wirft damit erneut die Frage auf: Wie menschlich dürfen NS-Verbrecher dargestellt werden? Darum geht's in der neuen Folge des ntv-Podcasts "Ditt & Datt & Dittrich".

Bruno Ganz, Anthony Hopkins, Armin Mueller-Stahl, Ian McKellen, Alec Guinness, Martin Wuttke und Oliver Masucci - sie alle haben schon Adolf Hitler gespielt. Neu im Bunde ist nun der Berliner Ulrich Matthes, der im Historien-Thriller "München - Im Angesicht des Krieges" des deutschen Regisseurs Christian Schwochow seine ganz eigene Interpretation des Diktators zum Besten gibt.

Ursprünglich sollte Martin Wuttke - der 2009 in Quentin Tarantinos "Inglourious Basterds" Hitler spielte - die Rolle ein weiteres Mal übernehmen. Als er aus den laufenden Dreharbeiten ausschied, sprang Matthes ein. Ohne größere Vorbereitung stürzte sich der 62-Jährige in die Herausforderung. Dabei hatte er einmal erklärt, nie wieder einen Nazi spielen zu wollen, nachdem er 2004 in "Der Untergang" an der Seite von Bruno Ganz bereits den engen Hitler-Vertrauten und Reichsminister für Propaganda Joseph Goebbels gespielt hatte. Und jetzt Hitler selbst.

"All das Monströse, das Entsetzliche, das dieser Mann über Millionen und Abermillionen von Menschen gebracht hat - das kann man natürlich an einem Drehtag im nebligen Berlin oder München nicht unterbringen", sagte Matthes in einem Interview mit der "Allgäuer Zeitung" über die Rolle. "Wie soll man das machen?"

Weder "Dämon" noch "Ungeheuer"

Ditt & Datt & Dittrich

Welcher Promi hat sich mal wieder in die Nesseln gesetzt? Welcher Polit-Talk ging daneben? Welches Trash-TV begeistert selbst Kulturattachés? Willkommen bei "Ditt & Datt & Dittrich" - dem lebhaften Podcast von ntv-Kolumnistin Verena Maria Dittrich und ihrem Hausmeister Ronny aus der Eichhörnchenstraße. Jeden Dienstag gibt es eine lebendige Talkrunde zu aktuellen Themen, die uns alle beschäftigen. Von Reality-TV über Gesellschaftspolitik bis Kultur: Ein kritischer und humorvoller Entertainment-Spagat.

Alle Folgen finden Sie in der ntv-App, bei Audio Now, Amazon Music, Apple Podcasts, Google Podcasts und Spotify. Für alle anderen Podcast-Apps können Sie den RSS-Feed verwenden.

In dem 1963 erschienenen Buch "Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht von der Banalität des Bösen" über den Prozess gegen den SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann schrieb die Philosophin Hannah Arendt in Bezug auf den Angeklagten von einem "normalen Menschen", der weder "Dämon" noch "Ungeheuer" sei. Bis heute hält die Kontroverse darüber an, wie viel Menschlichkeit die Gesellschaft in Nazi-Verbrechern erkennen will. Für viele ist es einfacher, in ihnen sprichwörtlich eine Ausgeburt der Hölle zu sehen.

Aber auch Nationalsozialisten waren eben Väter, Ärzte, Musikliebhaber, waren sympathische Nachbarn und hatten ein freundliches Lächeln. Das Böse sieht es dem Menschen nicht an. Filme und Dokumentationen können bei diesen Themen immer nur die Oberfläche beleuchten. Das ganze Ausmaß der unmenschlichen Brutalität und deren Folgen werden für alle Zeit vor allem die beurteilen können, die diese Schrecken erleben mussten.

In der neuen Folge des ntv-Podcasts "Ditt & Datt & Dittrich" sprechen Verena und Ronny über Matthes' Darstellung, darüber, welches Maß an Normalität man Schauspielern beim Spielen von NS-Verbrechern wie Hitler oder Goebbels zugestehen sollte, und wie wichtig es ist, an unsere Geschichte zu erinnern.

Quelle: ntv.de

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