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"Menschen, Bilder, Emotionen" So war der Jahresrückblick mit Günther Jauch

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Präsentierte zum letzten Mal den Jahresrückblick: Günther Jauch.

(Foto: RTL)

Bushido, Wolfgang Schäuble, Boris Becker und viele andere Gäste: Zum "allerletzten Mal" präsentiert Günther Jauch die Momente des scheidenden Jahres. Am Ende wird er sehr emotional. Das liegt nicht an den ersten Spekulationen um seinen Nachfolger.

"Viele meiner Freunde haben gar kein Fernsehen mehr", sagt der 13 Jahre alte ZDF-Kinderreporter Alexander zu Günther Jauch. Und manchmal ist es eben an der Zeit, nach vorn und nicht mehr zurückzublicken. Denn "zum allerletzten Mal" präsentiert der beliebte Showmaster 2021 "Menschen, Bilder, Emotionen". Mehr als ein Vierteljahrhundert war Jauch das Gesicht dieser Show, die im Dezember das Jahr noch einmal Revue passieren lässt. Nun soll ein anderer ran.

Und fast erschrickt man, als tatsächlich sein Kumpel Thomas Gottschalk mit neuer Frisur und im Kaschmir-Anzug im Studio erscheint und einem der Gedanke kommt: Moment! Hat der nicht gerade mit fast 15 Millionen Zuschauern einen wahnsinnigen Quotenerfolg für die Neuauflage seiner "Wetten, dass..?"-Show hingelegt? Hat der etwa schon wieder Blut geleckt und will jetzt auch noch Mister "Wer wird Millionär?" beerben?

Ganz so ist es dann doch nicht - Gottschalk ist nur unterstützend in den ersten Minuten an Jauchs Seite, denn er ist sich "nicht sicher", ob sein Freund Günther "in diesem Alter eine Dreieinhalb-Stunden-Sendung überhaupt noch durchhält".

Die beiden TV-Haudegen schenken sich nichts und piesacken sich gegenseitig in gewohnter Manier. Doch der letzte Rückblick auf das Jahr ist auch ein Rückblick auf 25 Jahre "Menschen, Bilder, Emotionen" und all die Gäste, die der Showmaster in dieser Zeit begrüßte. Wir können das hier gern abkürzen: "Günther der Große" hatte sie alle - Angela Merkel, Adele, Joe Cocker, Udo Jürgens, Harald Juhnke, Robbie Williams und, und, und.

Dankbarkeit und ein Appell für die Rechte der Frauen

Einer der ersten Gäste neben Gottschalk ist Lukas Podolski, von dem Jauch eine Autogrammkarte hat, auf der Poldis Name falsch geschrieben steht und der ganz deutlich ausspricht, was viele seiner Fußball-Kollegen denken, nämlich, dass Ex-Bundestrainer "Jogi" Löw "einen besseren Abschied verdient hätte".

Es ist aber wie immer nicht nur die Prominenz, die zu Worte kommt. So werden an diesem Abend auch Überlebende der Hochwasserkatastrophe an der Ahr begrüßt, die über die schlimmsten Momente ihres Lebens erzählen und dennoch voller Dankbarkeit sind, vor allem für die vielen Helfer, die anpackten, und auch für die enormen Spenden. Und in der Tat: Es ist "der allerhöchste Spendenstand, den es in Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg gegeben hat".

Zurückblicken und gleichzeitig nach vorn schauen: Das macht auch Aisha Bibi, die Frau, die einst auf dem Cover der "Times" war und der 18-jährig von den Taliban Nase und Ohren abgeschnitten worden waren. Sie entkam der dunklen Herrschaft in ihrem Land, das nun wieder "vergewaltigt wird". Die Bilder der dramatischen Lage in Kabul und die Rückkehr der Taliban, sie haben nicht nur Afghanistan in Angst und Schrecken versetzt. Jenes Land, das nicht in Frieden leben kann, in dem Frauenrechte erneut nichts mehr gelten und wo immer wieder Menschen verschwinden, jeden Tag stirbt es ein Stückchen mehr.

Bushido, Schäuble und kein Bundesverdienstkreuz

Zwischendurch ist man nach zutiefst traurigen Momenten um Auflockerung bemüht, denn wie in allen Jahren zuvor wurde 2021 nicht von freudigen Ereignissen dominiert. Jauch telefoniert via Videokonferenz mit Thomas Müller, Gregor Gysi und Barbara Schöneberger und empfängt dann wieder politische Hochkaräter wie Wolfgang Schäuble. Gewohnt gekonnt jongliert der 65-Jährige, der seinen spitzbübischen Charme nicht zu verlieren scheint, mit den heiklen und unterhaltsamen Themen und Fragen.

So auch bei seinem umstrittenen Gast Bushido. Der Moderator möchte wissen, wer eigentlich für seinen Personenschutz aufkomme? Der einstige Gangster-Rapper legt nahezu eine TV-Beichte ab und scheint nach Jahren "in einer Parallelgesellschaft" und an der Seite seiner ehemaligen Weggefährten geläutert. Heute zählen für den Mann und achtfachen Vater, der wegen Versicherungsbetrugs und Steuerhinterziehung verurteilt wurde, am meisten seine Frau und seine Kinder.

Dass er gegenüber dem Menschen, den er am meisten liebe, "handgreiflich" geworden sei, bereue er zutiefst. Ein erster Schritt in die richtige Richtung: Bushido zahle artig alle Steuern, die man von ihm verlangt. Das Bundesverdienstkreuz sollte er dafür nicht erhalten, sagt Schäuble daraufhin ironisch. Doch wenn Anis Ferchichi, wie Bushidos bürgerlicher Name lautet, nun auf sein Leben zurückblickt und eben auch auf seine frauenfeindlichen und homophoben Texte, dann weiß er: Er hat "viele Fehler" gemacht. Nun wolle er es besser machen. Für seine Familie.

Kopfstand mit einem Nobelpreisträger

Zwischen den Gesprächen mit den Gästen die Bilder des Jahres: das Ende der Ära Merkel, ABBAs Reunion, Corona, "Sofagate" in der Türkei, der Tod von Prinz Philip, der Giftanschlag auf Putin-Gegner Nawalny sowie viele weitere, von denen man einige sehr gern von der geistigen Festplatte löschen würde.

Jauch begrüßt auch Professor Benjamin List, der in diesem Jahr den Nobelpreis für Chemie gewann. Gemeinsam machen die beiden Kopfstand. Auch spielt er mit Olympiasieger Alexander Zverev Tennis und lässt es sich nicht nehmen, nach dessen Freundin Sophia Thomalla zu fragen.

Am Ende wird Günther Jauch dann aber doch noch emotional, denn immerhin sei diese Sendung die gewesen, vor der er "den meisten Bammel" hatte. Comedian Oliver Pocher überrascht ihn und weckt gleichzeitig erste Spekulationen: Wird er etwa Jauchs Nachfolger? Während im Publikum "doppelte Maskenpflicht" herrscht, denn Olli hat für alle Masken mit dem Konterfei des "Wer wird Millionär?"-Moderators mitgebracht, präsentiert der Rapper Eko Fresh für den scheidenden Showmaster einen eigens für ihn geschriebenen Sprechgesang.

721 Gäste begrüßte Jauch in all den Jahren. Er geht mit einem bescheidenen Lächeln und will im Grunde gar kein großes Brimborium um seinen Abschied machen, denn "ich bin nicht aus der Welt, wir sehen uns wieder!"

Quelle: ntv.de

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