Musik

Steinharter Sound aus den Bergen Thomas Huber lässt die Boxen beben

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In eisigen Höhen: Der Aufstieg durch die Nordwestwand des Cerro Kishtwar nahm mehrere Tage in Anspruch.

© Thomas Huber

Wie fühlt es sich an, an den Fingerspitzen in einer vereisten Felswand zu hängen? Thomas Huber, der wildere der beiden "Huberbuam", weiß, wovon er singt: Mit seiner Band öffnet er wuchtige Einblicke in die Gefühlsstürme der Gipfel.

Der Sound des Abenteuers beginnt mit rohem Verstärker-Rauschen in dünner Alpenluft - und einem wuchtigen E-Bass-Riff, der Fans von Band-Legenden wie "Kyuss" oder "Queens of the Stone Age" gleich klarmacht, in welche Richtung diese Reise gehen wird: Mitten hinein in die von wütenden Gitarren und wuchtigen Drums beherrschten Grenzregionen zwischen wüstem Stoner-Rock und wilden Erinnerungen an die unwirtlichsten Felswände der Welt.

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"Wir spielen, wie es uns gefällt": Thomas Huber, hier bei der Erstdurchsteigung der Nordwestwand am Cerro Kishtwar mit Stephan Siegrist und Julian Zanker.

(Foto: © Thomas Huber)

"Desire" heißt das neue Album der Berchtesgadener Fünfer-Seilschaft "Plastic Surgery Disaster" rund um Ausnahmealpinist und Spitzenkletterer Thomas Huber, der für dieses Herzensprojekt Klettergurt und Seil gegen das Mikro eintauscht und sich dabei voll ins Zeug legt. Die Band, das sind: Manfred Rödel und Peter Schweiger an den beiden Gitarren, Andreas Brandner am Bass, Wolfgang Seiberl am Schlagzeug und Frontmann Huber. Mit ihren musikalischen Vorbildern aus den USA halten die Musiker aus den bayerischen Kalkalpen nicht hinterm Berg. Fünf Jahre nach ihrem Debüt "Endless" haben sie daraus jedoch einen ganz eigenen Stil geformt.

Aufgenommen in einer Berghütte auf 1400 Metern Höhe kreisen die zwölf Tracks des neuen Albums mit Titel wie "Somewhere", "Haze" oder "Lost" um die Euphorie des Aufbruchs, um die Zweifel beim Einstieg und auch um die Abgründe auf dem Weg nach oben. "Die Texte stammen aus den Bergen", sagt Lead-Sänger Thomas Huber im Gespräch mit n-tv.de. "Das Album basiert auf meinen Erfahrungen und auf meinen Ansichten zum Bergsteigen."

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Wer loslegt, macht er keine halben Sachen: Thomas Huber von den "Huberbuam".

(Foto: © Thomas Huber, Fotograf: Christof Mattes)

Extreme Erfahrungen kann Thomas Huber reichlich beisteuern: Zusammen mit seinem Bruder Alexander setzte der ältere der beiden "Huberbuam" nicht nur als Speedkletterer im kalifornischen Yosemite Valley neue Maßstäbe, als sich die beiden Brüder aus Deutschland - wie in Pepe Danquarts Film "Am Limit" zu sehen - in einer 1000-Meter-Wand aus Granit ein schwindelerregendes Rennen gegen die Uhr lieferten. In zahlreichen Expeditionen, wie zuletzt zum Cerro Kishtwar im Himalaya, wagten sie sich in die "höchsten und kältesten Berge" der Welt vor.

Ungewöhnliche Ausdauer und akrobatische Kraft stellten sie dabei auch als Höhenbergsteiger unter Beweis: Frei gekletterte Erstbegehungen der "Huberbuam" sind in "Big Walls" der Arktis, der Alpen und in der Antarktis ebenso zu finden wie in Patagonien, dem Karakorum oder im Himalaya. Für die Besteigung des 6500 Meter hohen Shivling über den direkten Nordpfeiler erhielt Thomas Huber im Jahr 2000 den Piolet d'Or, die wohl wichtigste Auszeichnung in der Welt des Bergsteigens.

Welche Rolle die "Huberbuam" in der internationalen Kletterszene spielen, zeigt ein kleines Detail am Rande: Jene Route, die der Nachwuchs-Star Alex Honnold in einer Aufsehen erregenden Aktion im vergangenen Jahr als erster Mensch überhaupt vollkommen ungesichert "Free Solo" durchstieg, heißt "Free Rider". Erstbegangen und auf diesen Namen getauft wurde das Stück Klettergeschichte am El Capitan von Alexander und Thomas Huber.

"Bergsteigen ist rau, dreckig und echt"

Das alles und noch viel mehr ist eingeflossen in die Produktion von "Desire": Mit der Aufnahme in der Berghütte über Berchtesgaden nahmen Huber und seine Band einen rohen, kantigen Klang bewusst in Kauf. "Wir wollen nicht gefallen", lautet das Motto der fünf Musiker. "Wir spielen, weil es uns gefällt." Diese Botschaft spiegelt auch Hubers Ansichten wider: "Bergsteigen ist in Wirklichkeit nicht so sauber und geleckt wie es in vielen Bergvideos aussieht. Bergsteigen ist in Wirklichkeit rau, dreckig und echt."

Für Kletterer und alle jene, die Fernweh haben oder Lust auf ein Abenteuer verspüren, bietet Hubers Expedition in die Gefilde des Wüstenrocks die seltene Gelegenheit, sich die emotionale Rucksackausstattung eines Profibergsteigers in die eigene Anlage zu packen. Thomas Huber selbst empfiehlt dabei allerdings unbedingt, das neue Album - das es übrigens auch auf Vinyl gibt - in voller Lautstärke zu hören. Wer empfindliche Nachbarn hat oder schlafende Kleinkinder hütet, muss deswegen nicht auf die volle Wirkung verzichten. "Setz' dir den Kopfhörer auf", rät er, "und dreh' voll auf."

Die Leidenschaft der Alpenrocker wirkt so schnell ansteckend. "Die Musik ist wie eine Walze", schwärmt Huber. "Wir haben uns als Band weiterentwickelt, und ich habe als Sänger meine eigene Stimme gefunden", fasst er das Ergebnis zusammen. Und: "Das ist nicht John Garcia, der da singt. Das ist Thomas Huber von den Huberbuam."

Desire
EUR 16,99
EUR 21,77
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Quelle: n-tv.de

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