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Remake des Fritz-Lang-Klassikers "M - Eine Stadt sucht einen Mörder" als Mini-Serie

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Kuschelt lieber mit Schaufensterpuppen als mit Groupies: Bela B als hellsehender Esoteriker.

(Foto: picture alliance/dpa)

1931 schreibt Fritz Lang mit einer der ersten deutschen Tonfilmproduktionen Filmgeschichte. Jetzt gibt es "M - Eine Stadt sucht einen Mörder" als düsteren Sechsteiler und erste Serie beim RTL-Streamingdienst TVnow.

Regisseur David Schalko haucht dem Klassiker "M - Eine Stadt sucht einen Mörder" von Fritz Lang neues Leben ein, indem er die Geschichte eines Kindermörders und seiner Verfolger in eine sechsteilige Mini-Serie verpackt. Statt im Berlin der 1930er-Jahre spielt das Ganze im Wien von heute. Die 6,2 Millionen Euro teure Koproduktion von ORF und RTL wird zum einen im österreichischen TV ausgestrahlt und läuft zum anderen als erste Serie im RTL-eigenen Streamingportal TVnow.de.

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Es ist Winter. Die Straßen von Wien sind nicht nur vereist, sondern häufig auch verwaist und so kann ein Kindermörder nahezu unbehelligt sein Unwesen treiben. Traumatisierte Eltern und Geschwister bleiben hilf- und sprachlos zurück. 

Nicht nur die Boulevardpresse in Person eines rechtsverstrahlten Medienmoguls (Moritz Bleibtreu) stürzt sich auf die Geschichte, um Stimmung zu machen. Auch die Politik macht sie sich mit seiner Hilfe zu Eigen. Ob die Medien die Politik oder die Politik die Medien steuern, ist dabei oft fraglich. Der junge und aalglatte Innenminister (Dominik Maringer) strebt jedenfalls den Posten des Kanzlers an und geht dafür auch über Kinderleichen, darunter die eines Flüchtlingsmädchens. Endlich kann er sein lange geplantes Sicherheitskonzept umsetzen, soll es nun doch augenscheinlich die Bevölkerung schützen. Zudem formt sich eine Art Bürgerwehr, als ausgerechnet in diesen schwierigen Zeiten mitten in der Stadt eine Anlaufstelle für Sexualstraftäter eröffnet, bei der sogar der schnell unter Generalverdacht stehende Bonbonverkäufer (André Pohl) Hilfe sucht.

Episodenhafter Alptraum

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Mal nur ein Opfervater, kein Psychopath: Lars Eidinger

(Foto: picture alliance/dpa)

In einem weiteren Erzählstrang übt die Politik Druck auf die Unterwelt aus, um den Anschein zu erwecken, nicht bloß untätig zuzusehen. Deren krummen Geschäfte liegen nach mehreren Razzien alsbald brach, was eine diabolische Zuhälterin (Sophie Rois) erzürnt und eine rumänische Bettlertruppe zu Menschenjägern macht. Und natürlich sucht naturgemäß auch die Polizei in Gestalt eines saufenden Kommissars (Christian Dolezal) mit einer Tochter im entführungsfähigen Alter aus einer selbstverständlich gescheiterten Ehe nach dem Mörder. An seiner ermittelnden Seite steht seine hochmotivierte und hartnäckige Kollegin (Sarah Viktoria Frick).

Und so hat jeder in diesem Ort sein ganz persönliches Motiv, sich auf die Suche nach dem Mann zu machen, der der Stadt ihre Kinder stiehlt. Ergänzt wird das wilde Ensemble unter anderem durch einen fotografierenden Fremden im Pelzmantel (Udo Kier), einen bleichen Hellseher (Bela B), einen fremdgehenden Vater (Lars Eidinger), einen Volksschullehrer mit zweifelhafter Vergangenheit (Michael Fuith) und einen Luftballons an Kinder verteilenden Clown. Und über allem schwebt die gepfiffene Peer-Gynt-Suite von Edvard Grieg.

Entsättigt und erschreckend

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Wenn die Bordellchefin (Sophie Rois) mit der Polizeipräsidentin (Johanna Orsini-Rosenberg) ...

(Foto: picture alliance/dpa)

Schalko gelingt es mithilfe seines Kameramannes Martin Gschlacht, in einer Art Hommage die beklemmende und surreale Atmosphäre voller Schatten zu erzeugen, die schon Langs Film als eine der ersten deutschen Tonfilmproduktionen zu etwas Besonderem machte. Farben werden gezielt einsetzt, oft wirkt die Welt dagegen entsättigt, kalt und leer. Und trotzdem wirken viele Einstellungen wie eine optische Liebeserklärung eines Wieners an seine Heimatstadt.

Die politischen Parallelen zwischen 1930, wenige Jahre vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten unter Hitler, und heute sind so evident wie erschreckend. Dass nur die toten Kinder beim Namen genannt werden, sämtliche anderen Figuren der Geschichte aber ohne auskommen müssen, untermauert deren Rolle als Prototypen. Sie stehen für viele, sie stehen für alle.

Bis heute gilt das Original von Fritz Lang übrigens als eine Vision vom aufkommenden Nationalsozialismus. Nur Goebbels sah das damals offenbar anders. Er soll in sein Tagebuch über den Film geschrieben haben: "Fabelhaft! Gegen Humanitätsduselei. Für die Todesstrafe!" Es kommt eben immer auf den persönlichen Blickwinkel an.

"M - Eine Stadt sucht einen Mörder" ist ab dem 23. Februar bei TVnow.de abrufbar.

Quelle: n-tv.de

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