Politik

Reaktionen auf das Triell "Der Wahlkampf erreicht seinen Höhepunkt"

Die ersten Umfragen zeigen deutlich, dass die Zuschauer des zweiten Triells Olaf Scholz wieder vorne sehen. Doch Annalena Baerbock kann auch punkten, und Armin Laschet zeigt sich in der Debatte kämpferisch. Ein Überblick über die Reaktionen auf das Triell.

Das zweite Triell ist vorbei - es bleiben weniger als zwei Wochen, bis Deutschland über die Nachfolgerin oder den Nachfolger von Angela Merkel abstimmt. Die ersten Umfragen unter Zuschauern zeigen: Diejenigen, die am Sonntag Triell geschaut haben, sehen Olaf Scholz vorne. Doch während die Umfrageergebnisse recht deutlich für den SPD-Mann ausfallen, sind die öffentlichen Reaktionen auf das Triell etwas differenzierter: Der Wahlkampf kommt endlich richtig in Fahrt, die Moderatoren hätten sich besser sortieren müssen, und das Thema Außenpolitik fehlt in der Debatte - das sagen Journalisten, Verbände und die Opposition über das zweite Kanzler- und Kanzlerin-Triell.

"Nervöse Moderatoren"

Maybrit Illner vom ZDF und ARD-Chefredakteur Oliver Köhr führten die drei Kandidaten durch den Abend. Oder besser gesagt, sie versuchten es. Die beiden Moderatoren unterbrachen sich mehrmals gegenseitig, wirkten unkoordiniert und unstrukturiert - die Reaktionen auf das Moderatoren-Duo sind nicht gerade positiv.

Illner und Köhr konzentrierten sich zum Einstieg weniger auf das, was jetzt im Wahlkampf passiert, sondern mehr auf das, was nach dem 26. September kommt: die Koalitionsverhandlungen. So wie das erste Triell bei RTL und ntv endete - mit der Frage nach einer möglichen rot-rot-grünen Koalition -, so begann das zweite Triell. In der Talkshow mit Anne Will nach dem Triell kritisierte die Politikwissenschaftlerin Ursula Münch die Moderatoren für den "komplexen" Einstieg. Die Zuschauer seien mit einem schwierigen Einstieg in das Triell konfrontiert worden.

Illner und Köhr bleiben auch von der Kritik der Medien nicht verschont. "Überhaupt schien die Nervosität der Fragenden größer zu sein als die der Befragten", schreibt der "Spiegel". Ähnlich fasst die "Süddeutsche" die Reaktionen auf die Moderation zusammen: "Einig waren sich übrigens die meisten, was die Moderatoren Illner und Köhr anging. Die haben für viele den heutigen Abend verloren."

Das "Hamburger Abendblatt" kommt zu dem Schluss: Man habe nicht den Eindruck gehabt, dass Illner und Köhr "ein schlüssiges Konzept" hatten. Der "Tagesspiegel" geht sogar noch weiter und kommentiert: "Ihre Fragen wirken stellenweise wie Kraut und Rüben."

"Endlich eine lebhafte Debatte"

Das Triell begann zwar mit einer komplizierten Frage, kam dann aber schnell in Schwung. Für viele Zuschauer war das endlich der Beginn eines echten Wahlkampfes - Laschet und Scholz stritten teils emotional über die Hausdurchsuchung der Osnabrücker Staatsanwaltschaft im Bundesfinanzministerium in der vergangenen Woche. Laschet ist als Politiker bekannt, der durchaus emotional werden kann. Doch Scholz ist nicht leicht aus der Fassung zu bringen - das Triell hätte es fast geschafft. "Focus" kommt zu dem Schluss, dass Scholz durch die Auseinandersetzung mit Laschet seine "emotionale Seite demonstrieren" konnte.

Für viele war der Schlagabtausch zwischen dem SPD- und dem CDU-Kandidaten das Feuer, das im Wahlkampf bisher gefehlt hatte. Das "Handelsblatt" kommentierte, die Zuschauer hätten endlich "eine lebhafte, teilweise emotional geführte politische Debatte" erlebt. Der "Kölner Stadt-Anzeiger" spricht von der heißen Phase des Wahlkampfes, die "ihren Höhepunkt mit dem Triell auf ARD und ZDF erreicht".

Und Baerbock? Sie steht zwischen Scholz und Laschet und schaut oft einfach zu, sogar wenn es um ihr zentrales Thema, den Klimawandel, geht. Das wird unterschiedlich aufgenommen - viele loben ihre Zurückhaltung. Während Laschet und Scholz über die Vergangenheit streiten, greift sie konkrete Themen auf. "Baerbock versucht, manchmal sogar ganz geschmeidig, ihre zwei Gegenüber als Ancien Régime abzustempeln", schreibt die "Zeit" dazu.

Doch für andere sieht die Zurückhaltung eher so aus, als habe Baerbock aufgegeben. Die Umfragewerte sinken seit Wochen - wenn es nach den Meinungsforschungsinstituten geht, hat Baerbock keine Chance mehr, Kanzlerin zu werden. Das Triell habe noch einmal gezeigt, was für Baerbock jetzt auf dem Spiel steht. "Baerbock punktet mehrmals, aber an diesem Abend wird auch deutlich, dass sie nicht mehr um Platz eins kämpft", schreibt der "Spiegel".

"Wo bleibt die Außenpolitik?"

Die Moderatoren flogen schnell durch die Themen: erst mögliche Koalitionen, dann Wirecard und die Rolle von Scholz bei der Durchsuchung im Bundesfinanzministerium. In 90 Minuten klapperten Illner und Köhr rasant ein Thema nach dem anderen ab: Steuern, Rente, Krankenversicherung, Migration, Miete, Klimaschutz, Corona. Doch ein großer Themenblock fehlte: "Deutschland - ein Kosmos für sich, total autark. Keine. Einzige. Frage. Zur Außenpolitik", kommentiert ein Twitter-Nutzer. Vielen fehlte eine Frage zur Außenpolitik von Baerbock, Scholz und Laschet.

Einige Verbände vermissen auch andere Themen: So hätte sich der Sozialverband VdK beispielsweise eine Frage zur Kinderarmut gewünscht. Auch der Vorstand des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen kritisierte die Fragen: "Im gestrigen Kanzler-Triell ging es leider wenig um Alltagsthemen der Verbraucher:innen", twitterte Klaus Müller.

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Die Opposition äußerte sich ebenfalls enttäuscht über die Themen. So schrieb FDP-Chef Christian Linder auf Twitter: "Es fehlten Ideen, wie wir unsere Wirtschaft nach der Krise stärken." Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch nannte den Schlagabtausch "insgesamt enttäuschend". Themen wie "gute Arbeit, Kinderarmut, Inflationsentwicklung, gleiche Lebensverhältnisse in Ost-West" hätten keine Rolle gespielt, schrieb Bartsch auf Twitter.

Bis zur Bundestagswahl gibt es noch zwei weitere Termine, an denen sich die drei Kandidatinnen und Kandidaten austauschen können. Als Nächstes ist Prosiebens Triell mit der neuen Moderatorin und ehemaligen "Tagesschau"-Moderatorin Linda Zervakis an der Reihe. Und am Donnerstag vor der Wahl kehren die Spitzenkandidaten und -kandidatin zu einer letzten Runde ins öffentlich-rechtliche Fernsehen zurück. Vielleicht sind die Moderatoren dann besser in der Lage, die drei Kandidaten und Kandidatin durch den Endspurt des Wahlkampfes zu führen.

Quelle: ntv.de

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