Politik

Der Kriegstag im Überblick Mariupol kämpft "bis zum Ende" - Selenskyj ruft Biden zu Kiew-Besuch auf

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Mariupol "existiert nicht mehr", sagt der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba.

(Foto: REUTERS)

Russland droht den in Mariupol verbleibenden ukrainischen Soldaten mit Vernichtung, sollten sie sich bis zum Mittag nicht ergeben. Doch die Ukrainer lassen das Ultimatum verstreichen. Die ukrainischen Soldaten würden "bis zum Ende kämpfen", sagt Regierungschefs Denys Schmyhal. Nach seinen Angaben ist die Stadt nicht gefallen. Die russischen Streitkräfte reagieren auf das verstrichene Ultimatum mit Raketen- und Bombenangriffen auf die Hafenstadt. Luftschläge gibt es auch Charkiw und in der Nähe der Hauptstadt Kiew.

Derweil bestätigt Russland den Tod eines weiteren Generals. In Deutschland geht der Streit zwischen dem ukrainischen Botschafter Melnyk und dem Ex-Außenminister Gabriel in die nächste Runde. Und im Vatikan ruft Papst Franziskus in seiner Osterbotschaft zu Frieden für die "leidgeprüfte Ukraine" auf.

Ukraine meldet weitere Raketenangriffe auf Mariupol

Der Kampf um die belagerte südukrainische Hafenstadt Mariupol dauert auch nach dem Verstreichen eines russischen Ultimatums an. Der ukrainische Generalstab berichtete von russischen Raketen- und Bombenangriffen auf die Stadt mit früher mehr als 400.000 Einwohnern. Besonders in der Nähe des Hafens und des Stahlwerks Asowstal gebe es Angriffsversuche. Regierungschef Denys Schmyhal sagte dem US-Sender ABC, die Stadt sei nicht gefallen. Die ukrainischen Soldaten würden in Mariupol "bis zum Ende kämpfen".

Außenminister Dmytro Kuleba berichtete im US-Sender CBS, die eigenen Truppen seien "im Grunde eingekreist" von russischen Truppen, die Mariupol dem Erdboden gleichmachen wollten. Wörtlich sagte Kuleba: "Die Stadt existiert nicht mehr." Russland hatte den ukrainischen Truppen in Mariupol zuvor mit Vernichtung gedroht. Die Einheiten sollen sich nach russischen Angaben in dem Stahlwerk verschanzt haben. Ein Ultimatum, die Waffen bis zum Sonntagmittag niederzulegen und sich zu ergeben, ließen die Ukrainer verstreichen.

Charkiw unter Beschuss, Raketenangriff nahe Kiew

Bei einer Reihe von Raketenangriffen in der nahe der russischen Grenze gelegenen Millionenstadt Charkiw wurden laut Rettungskräften mindestens fünf Menschen getötet und 13 weitere verletzt. Infolge der Angriffe breiteten sich in Wohnvierteln im Zentrum Charkiws mehrere Brände aus, die Dächer einstürzen ließen.

Im Ort Browary in der Nähe der Hauptstadt Kiew zerstörte die russische Armee nach eigenen Angaben eine Munitionsfabrik. Es handelte sich um die dritte Attacke dieser Art in der ukrainischen Hauptstadtregion seit Freitag. Bei dem Angriff wurden auch Teile der Infrastruktur getroffen.

Weiterer russischer General getötet

Russland hat den Tod eines weiteren Generals bestätigt. Generalmajor Wladimir Frolow, stellvertretender Befehlshaber der 8. Armee, wurde am Samstag in Sankt Petersburg mit militärischen Ehren beigesetzt, wie russische Staatsmedien berichteten. Ukrainische Medien berichten von nun insgesamt acht russischen Generälen, die seit dem Beginn des Krieges in der Ukraine getötet wurden. Russland bestätigte bislang nur den Tod des stellvertretenden Kommandeurs der 41. Armee, Andrei Suchowetzki.

Alle weiteren Entwicklungen können Sie in unserem Live-Ticker nachlesen.

Melnyk teilt gegen Gabriel aus

Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, reagierte empört auf einen Gastbeitrag von Sigmar Gabriel im "Spiegel", in dem der Ex-Bundesaußenminister dem Diplomaten vorgeworfen hatte, mit "Verschwörungstheorien" Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zu diskreditieren.

In einem Tweet zeigte Melnyk Ausschnitte russischer Medien, die über Gabriels Äußerungen berichteten. Dazu schrieb er: "Na, jetzt bekommen Sie sogar Beifall von den alten Vertrauten aus Moskau! Alle russische Propaganda-Schleuder preisen Ihr Narrativ über ukrainische 'Verschwörungstheorien' in den höchsten Tönen. Alte Freundschaft rostet nicht. Volltreffer zum Osterfest."

Selenskyj ruft Biden zu Kiew-Besuch auf

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj rief US-Präsident Joe Biden zu einem Besuch der Ukraine auf. "Ich denke, er ist der Anführer der Vereinigten Staaten und deshalb sollte er kommen und sich das ansehen", sagte Selenskyj in einem Interview mit dem Sender CNN. Es sei natürlich Bidens Entscheidung und hänge von der Sicherheitssituation ab, sagte Selenskyj weiter. Er gehe aber davon aus, dass Biden kommen werde. US-Medien hatten berichtet, die US-Regierung denke darüber nach, womöglich Verteidigungsminister Lloyd Austin oder Außenminister Antony Blinken zu einem Besuch in die Ukraine zu entsenden. Berichten zufolge sei es unwahrscheinlich, dass Biden selbst in die Ukraine reist. Mehr dazu lesen Sie hier.

Papst betet für die Ukraine

Papst Franziskus rief in seiner Osterbotschaft zu Frieden für die "leidgeprüfte Ukraine" auf. "Wir haben zu viel Blutvergießen, zu viel Gewalt gesehen", sagte er in seiner traditionellen Ansprache vor rund 50.000 Gläubigen auf dem Petersplatz in Rom. "Man höre auf, die Muskeln spielen zu lassen, während die Menschen leiden."

Der Pontifex rief alle dazu auf, sich für den Frieden einzusetzen und wandte sich auch direkt an Staats- und Regierungschefs. "Diejenigen, die für die Nationen Verantwortung tragen, mögen auf den Schrei der Menschen nach Frieden hören", mahnte er. Die Ukraine habe "durch die Gewalt und die Zerstörung des grausamen und sinnlosen Krieges, in den sie hineingezogen wurde, so sehr gelitten".

Medwedew warnt Europäer vor eigener Zahlungsunfähigkeit - und ukrainischen Flüchtlingen

Russlands Ex-Präsident Dmitri Medwedew warnte Europa davor, bei einer Zahlungsunfähigkeit seines Landes selbst in große wirtschaftliche Schwierigkeiten zu geraten. "Die Zahlungsunfähigkeit Russlands könnte zur Zahlungsunfähigkeit Europas werden", schrieb der Vizechef des russischen Sicherheitsrats bei Telegram. Zugleich warf er EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen vor, sein Land in den Bankrott treiben zu wollen. Das sei die "geheime Absicht der Masochisten aus Brüssel".

Medwedew warnte die Europäer zudem vor weiteren Folgen der Sanktionen, die wegen des Angriffskriegs auf die Ukraine gegen sein Land verhängt wurden. Als Beispiele nannte er eine Hyperinflation, die dann "nicht länger den bösen Russen zugeschrieben werden" könne, sowie einen Mangel an Grundnahrungsmitteln. Die vielen Flüchtlinge aus der Ukraine könnten zudem eine "Welle von Gewaltverbrechen" zu Folge haben.

Polens Grenzschutz: Mehr Einreisen in die Ukraine als Ausreisen

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Am gestrigen Samstag hat Polens Grenzschutz mehr Einreisen in die Ukraine als Ausreisen aus dem östlichen Nachbarland gezählt. Rund 22.000 Menschen hätten Polen Richtung Ukraine verlassen, teilte der Grenzschutz am Sonntag per Twitter mit. Dagegen kamen im gleichen Zeitraum aus der Ukraine 19.200 Menschen nach Polen - fast ein Viertel weniger als am Vortag. Bei den Ukraine-Rückkehrern handelte es sich nach Angaben der Behörden zum Großteil um ukrainische Staatsbürger. Sie reisen meist in Gebiete, die die ukrainische Armee zurückerobert hat.

Seit Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine haben sich UN-Angaben zufolge mehr als 2,8 Millionen Menschen von dort ins Nachbarland Polen in Sicherheit gebracht. Insgesamt haben bereits mehr als 4,8 der ehemals 44 Millionen Einwohner das Land verlassen.

Quelle: ntv.de, uzh/AFP/dpa

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