Politik

"Shame on you" Melnyk kontert Gabriel in wütenden Tweets

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Andrij Melnyk wirft Gabriel eine "jahrelange Putin-freundliche Politik" vor.

(Foto: IMAGO/Christian Spicker)

In einem Gastbeitrag springt Ex-Außenminister Gabriel Bundespräsident Steinmeier im Streit mit der ukrainischen Regierung bei. Botschafter Melnyk will dies nicht so stehen lassen und wettert gegen den Ex-Parteichef und seine "SPD-Kumpane". Er schreibt: "Die Aufarbeitung kommt noch."

Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, hat mit Empörung auf einen Gastbeitrag von Ex-Außenminister Sigmar Gabriel im "Spiegel" reagiert. Darin hatte der SPD-Politiker seinen Parteifreund Frank-Walter Steinmeier im Streit um den geplatzten Besuch des Bundespräsidenten in Kiew verteidigt. Steinmeier habe als früherer Außenminister gemeinsam mit der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel "mehr als alle anderen in Europa" dafür getan, die Ukraine zu unterstützen, schrieb Gabriel in einem Gastbeitrag für den "Spiegel".

Melnyk hatte Steinmeier in einem Interview unter anderem vorgeworfen, "seit Jahrzehnten ein Spinnennetz der Kontakte mit Russland geknüpft" zu haben. "Spinnennetze dienen bekanntlich dem Fang und der anschließenden Verwertung der Beute", schrieb dazu Gabriel. "Auf den Punkt gebracht insinuiert dieser Vergleich, dass der frühere Kanzleramts- und Außenminister die Interessenvertretung Russlands in Deutschland mitorganisiert habe. Das ist wahrheitswidrig und bösartig."

Melnyk griff dieses Zitat auf und schrieb auf Twitter: Bösartig sei vor allem die "jahrelange Putin-freundliche Politik" gewesen, die Gabriel und seine "SPD-Kumpane" geführt hätten, schrieb er auf Twitter. Diese habe "den barbarischen Vernichtungskrieg" gegen die Ukraine "erst herbeigeführt", fügte Melnyk hinzu. "Die Aufarbeitung kommt noch. Shame on you" ("Schämen Sie sich").

In einem weiteren Tweet zeigte Melnyk Ausschnitte russischer Medien, die über Gabriels Äußerungen berichteten. Dazu schrieb er: "Na, jetzt bekommen Sie sogar Beifall von den alten Vertrauten aus Moskau! Alle russischen Propaganda-Schleudern preisen Ihr Narrativ über ukrainische 'Verschwörungstheorien' in den höchsten Tönen. Alte Freundschaft rostet nicht. Volltreffer zum Osterfest."

Damit nimmt Melnyk Bezug auf eine bestimmte Passage in Gabriels Gastbeitrag. Der SPD-Politiker schrieb, es sei zwar verständlich, wenn der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj "seiner Wut und seinem Unverständnis gegenüber Politikern aus Deutschland und anderen EU-Staaten für ihre frühere Russland- und Energiepolitik Ausdruck verleihen wollte". Hier müsse man Selenskyj häufig sogar zustimmen. "Was wir allerdings nicht hinnehmen sollten, sind Verschwörungstheorien über die Politik unseres Landes und seine Verantwortungsträger", fügte Gabriel hinzu. Melnyks "Spinnennetz"-Äußerung bezeichnete er als "gefährlichere Variante der Verschwörungstheorien".

Melnyk hielt Gabriel in einem dritten Tweet seine Rolle beim Bau der mittlerweile auf Eis gelegten Erdgas-Pipeline Nord Stream 2 vor. "Danke, dass Sie den Gedanken über das Spinnennetz Steinmeiers präzisiert haben. Nur: Sie verschweigen dabei "IHRE PERSÖNLICHE POLITISCHE Verantwortung für das Putinsche Projekt Nord Stream 2, das Sie als Vizekanzler 2015 ins Leben riefen."

Quelle: ntv.de, jog/AFP

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