Politik

"Er sollte sich das ansehen" Selenskyj ruft Biden zu Kiew-Besuch auf

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Die USA lieferten bereits Waffen im Wert von insgesamt 2,5 Milliarden US-Dollar an die Ukraine.

(Foto: dpa)

EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen war schon da, der britische Premier Johnson ebenfalls - nun will der ukrainische Präsident Selenskyj, dass auch US-Präsident Biden Kiew besucht. Doch der Demokrat dürfte wohl eher seinen Außenminister schicken.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat US-Präsident Joe Biden zu einem Besuch der Ukraine aufgerufen. "Ich denke, er ist der Anführer der Vereinigten Staaten und deshalb sollte er kommen und sich das ansehen", sagte Selenskyj in einem Interview mit dem Sender CNN auf Englisch. Es sei natürlich Bidens Entscheidung und hänge von der Sicherheitssituation ab, sagte Selenskyj weiter. Er gehe aber davon aus, dass Biden kommen werde.

Biden hatte zuletzt erklärt, nach den jüngsten hochrangigen politischen Besuchen in Kiew ebenfalls zu erwägen, einen ranghohen Vertreter zu Gesprächen in die Ukraine zu schicken. US-Medien hatten berichtet, die US-Regierung denke darüber nach, womöglich Verteidigungsminister Lloyd Austin oder Außenminister Antony Blinken zu einem Besuch in die Ukraine zu entsenden. Berichten zufolge sei es unwahrscheinlich, dass Biden selbst in die Ukraine reist.

Selenskyj berichtete auch, er habe seinen französischen Kollegen Emmanuel Macron in die Ukraine eingeladen, um sich ein Bild des von russischen Soldaten begangenen "Völkermordes" zu machen. "Ich habe ihm gesagt, dass ich will, dass er versteht, dass dies kein Krieg ist, sondern nichts anderes als ein Völkermord", sagte er. In einem Telefonat am Donnerstag habe er Macron eingeladen, in die Ukraine zu kommen, "wenn er die Gelegenheit hat", sagte Selenskyj. "Er wird kommen und sehen, und ich bin sicher, er wird es verstehen."

Mit Blick auf die Militärhilfe aus den USA sagte Selenskyj, dass diese niemals ausreichend sein werde. Genug sei aber auch nicht möglich, so Selenskyj laut englischer Übersetzung. Die Ukraine brauche immer noch mehr, als das, was sie jetzt habe.

Die USA hatten der Ukraine zuletzt weitere Waffen und Munition im Wert von bis zu 800 Millionen Dollar (740 Millionen Euro) zugesagt. Die US-Regierung hat der Ukraine seit Beginn des russischen Angriffskrieges Ende Februar damit bereits Waffen im Wert von 2,5 Milliarden US-Dollar zugesagt oder geliefert.

In dem Interview verdeutlichte Selenskyj abermals die Position, dass die Ukraine die von Separatisten besetzten Gebiete im Osten des Landes nicht aufgeben wolle, um den Krieg zu beenden. Kiew habe keine Garantie, dass Russland nicht erneut versuchen würde, die Hauptstadt einzunehmen, wenn es den Donbass erst einmal besetzt hat.

Selenskyjs Regierung wirft der russischen Armee vor, in der Ukraine einen "Völkermord" zu begehen. Auch US-Präsident Joe Biden sprach in dieser Woche von einem "Genozid" an den Ukrainern. Ähnlich äußerten sich Kanadas Regierungschef Justin Trudeau und Großbritanniens Premierminister Boris Johnson. Zurückhaltender mit Blick auf die Bewertung mutmaßlicher russischer Gräueltaten in der Ukraine zeigten sich die Regierungen Deutschlands und Frankreichs. Macron warnte am Donnerstag vor einer "Eskalation der Worte", die der Ukraine nicht helfen werde. "Das Wort 'Völkermord' hat eine Bedeutung", betonte der französische Präsident. Es sei an Juristen und nicht an Politikern, diesbezüglich zu einer Einschätzung zu kommen. Selenskyj erklärte daraufhin, Macrons Äußerungen seien "sehr schmerzhaft" für die Ukraine.

Quelle: ntv.de, jog/dpa/AFP

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