Ratgeber
(Foto: imago/xim.gs)
Donnerstag, 05. Oktober 2017

Netflix, Spotify und Co.: Darf man Streaming-Accounts teilen?

Von Isabell Noé

Streamingdienste wie Netflix, Spotify oder Google Music lassen sich mit entsprechendem Abo auf mehreren Geräten gleichzeitig nutzen. Da liegt es nahe, sich die Kosten mit Freunden oder Fremden zu teilen. Aber ist das überhaupt erlaubt?

Netflix in Ultra-HD-Qualität für drei Euro im Monat? Das geht. Zwar kostet der Basic-Account schon 7,99 Euro. Doch wenn sich vier Nutzer den Premium-Account teilen, dann zahlen sie insgesamt nur 11,99 Euro – drei Euro pro Person. Da liegt es nahe, sich mit Freunden, Nachbarn oder Fremden zusammenzutun und Kosten zu sparen. Die Frage ist nur: Ist das überhaupt erlaubt? Und sie stellt sich nicht nur bei Netflix, auch bei Spotify, Apple Music, Google Music, Maxdome und anderen Anbietern streamt es sich im Team deutlich billiger.

Spotify

Manche dieser Dienstleister sprechen ausdrücklich von Familien-Abos, wenn sie Accounts mit mehreren Konten anbieten. Spotify zum Beispiel. Das normale Premium-Abo für werbefreies Musikhören kostet 9,99 Euro, für Studenten 4,99 Euro. "Premium Family" vereint dagegen bis zu sechs Konten für 14,99 Euro. Im besten Fall zahlen die Nutzer also nur 2,50 Euro. Da könnten auch Gelegenheitsnutzer schwach werden, die bislang dachten, ein Account lohne sich für sie nicht.

Das Problem: Das Ganze funktioniert nur, wenn die Nutzer die gleiche Anschrift haben. Und das kontrolliert Spotify nun auch, indem es die Postleitzahlen der Account-Inhaber überprüft. Bei bestehenden Konten mit abweichenden Postleitzahlen werden die Nutzer angeschrieben und gebeten, ihre jeweiligen Adressen zu bestätigen. Ändern lassen sich die einmal getätigten Angaben nicht mehr. Wer nicht reagiert oder eben eine andere Adresse bestätigt, wird auf Spotify Free zurückgestuft. Das kann dann natürlich auch Familien betreffen, etwa wenn sich der getrennt lebende Vater und seine Kinder einen Account teilen. Dafür können Wohngemeinschaften oder Nachbarn im gleichen Haus vom Familientarif profitieren.

Google Play Music

Google Play Musik bietet im Grunde die gleichen Leistungen wie Spotify: Musik, Musik, Musik, und das für 9,99 Euro im Monat auch ohne nervige Werbeunterbrechungen. Auch hier gibt es einen Familientarif für bis zu sechs Mitglieder und auch hier kostet er 15 Euro im Monat. Doch Google scheint es mit der Definition von "Familie" nicht so genau zu nehmen wie Spotify. Von Adressen ist bei Google jedenfalls nichts zu lesen, die Mitglieder der "Familiengruppe" müssen lediglich im selben Land leben wie der Administrator der Gruppe. Außerdem dürfen sie keiner anderen Familiengruppe angehören. Daraus lässt sich folgern, dass Google unter "Familie" nicht unbedingt die Verwandtschaft begreift. Wer sich mit Freunden, Nachbarn oder Fremden zusammentun will, sollte keine Probleme haben.

Apple Music

Auch bei Apple Music gibt es ein Gemeinschaftsabo für 15 Euro. Über die Familienfreigabe kann der sogenannte Familienorganisator bis zu fünf weitere Personen in die Gruppe einladen. Die müssen nicht unbedingt am selben Ort wohnen, Voraussetzung ist nur eine eigene Apple-ID. Trotzdem ist die Familienfreigabe bei Apple in erster Linie für echte Familien interessant. Abgerechnet wird nämlich nur über eine einzige Kreditkarte. Wenn die einzelnen Gruppenmitglieder im iTunes Store, iBook Store oder App Store shoppen, muss der Familienorganisator zahlen. Nur bei Minderjährigen muss der Kreditkarteninhaber den einzelnen Käufen zustimmen, ansonsten hat er keine Kontrolle. Da dürfte den meisten Nutzern das Teilen  mit Freunden oder Fremden zu riskant sein.

Netflix

Netflix ist zum Synonym für Videostreaming geworden. Die App lässt sich auf beliebig vielen Geräten installieren, die aber nicht alle gleichzeitig in Betrieb sein können. Beim Standard-Abo für 9,99 Euro können die Nutzer auf zwei Geräten parallel streamen, beim Premium-Abo für 11,99 Euro auf bis zu vier und in Ultra-HD-Qualität. Dabei lassen sich bis zu fünf Einzelprofile anlegen, unter denen beispielsweise die kürzlich angesehenen Titel aufgelistet sind. Außerhalb des eigenen Haushalts wird das Account-Sharing von Netflix aber nicht gern gesehen. In den Nutzungsbedingungen heißt es dazu ausdrücklich: "Um die Kontrolle über das Konto zu bewahren und den Zugriff durch Unbefugte zu verhindern […] muss der Kontoinhaber immer die Kontrolle über die für den Zugriff auf den Dienst genutzten Netflix-kompatiblen Geräte haben und darf das Passwort beziehungsweise die Kontoangaben zur gewählten Zahlungsart nicht mit Dritten teilen." Bislang ist aber nicht bekannt, dass Netflix gegen die Weitergabe von Passwörtern vorgehen würde.

Maxdome

Maxdome hat nur eine Film- und Serien-Flatrate, und die kostet 7,99 Euro im Monat. Insgesamt kann der Kontoinhaber fünf Geräte für das Streaming registrieren, gleichzeitig nutzen lassen sich aber immer nur zwei. Und auf denen darf man dann nicht die gleichen Inhalte zur selben Zeit streamen. Account-Sharing ist in den AGB aber auch explizit verboten: "Kennwörter/Passwörter dürfen nicht an Dritte weitergegeben werden."   

Amazon Prime

Amazon Prime bietet nicht nur Versandvorteile, sondern für 7,99 Euro im Monat auch Zugriff auf Amazon Prime Music und Video. Wer sich gleich ein ganzes Jahr bindet, zahlt nur 69 Euro, also 5,75 Euro pro Monat. Doch während man sich die Versandkonditionen mit anderen Haushaltsmitgliedern teilen kann, stehen die Streamingdienste nur den jeweiligen Accountinhabern zur Verfügung. Bei Prime Music bricht der Stream ab, wenn sich ein Nutzer auf einem Zweitgerät anmeldet. Der Video-Stream funktioniert auf zwei Geräten gleichzeitig, allerdings dürfen nicht die gleichen Inhalte parallel laufen.   

Quelle: n-tv.de