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Autofahrer, die nach der Zeitumstellung in der Abenddämmerung von der Arbeit kommen, müssen mit Wildwechsel rechnen.
Autofahrer, die nach der Zeitumstellung in der Abenddämmerung von der Arbeit kommen, müssen mit Wildwechsel rechnen.(Foto: dpa)
Dienstag, 05. Dezember 2017

Sichern und dokumentieren: Richtig handeln nach Wildunfällen

Wenn Unfälle mit Tieren passieren, ist die Unsicherheit groß: Einfach wegfahren, das Reh zum Tierarzt bringen oder doch die Polizei rufen? Dabei ist ein überlegtes Vorgehen sehr wichtig, um nicht Ärger mit der Versicherung zu bekommen.

"Achtung Wildwechsel" - wenn Autofahrer das dreieckige Gefahrzeichen mit dem von rechts nach links springenden Reh sehen, müssen sie vor allem am frühen Morgen und bei einsetzender Dämmerung vorsichtig fahren. Besonders dann könnten Wildtiere die Fahrbahn queren. "Dann suchen die Tiere ihre Futtergründe auf beziehungsweise kehren in die Nachquartiere zurück", erklärt der Biologe Torsten Reinwald vom Deutschen Jagdverband (DJV).

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Zu Kollisionen mit Wildtieren kommt es immer wieder. Die Zahlen bewegen sich seit Jahren auf einem sehr hohen Niveau, so Reinwald. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) registrierte 2015 mit knapp 263.000 Unfällen sogar einen neuen Höchststand. Noch nicht berücksichtigt sind hierbei Wildunfälle, die von Autofahrern nicht gemeldet wurden. Die Dunkelziffer liegt dem DJV zufolge vermutlich fünfmal so hoch.

Gemeldet werden sollte aber jeder Unfall mit einem Wildtier, sagt Reinwald. Es könne beispielsweise sein, dass ein Reh zwar geflüchtet, aber dennoch stark verletzt ist. "Das kann vom zuständigen Jäger nur gefunden werden, wenn der Unfall auch gemeldet wurde."

Vorsicht, Ansteckungsgefahr

Grundsätzlich empfiehlt der DJV folgende Vorgehensweise nach einer Kollision mit einem Tier: Warnweste überziehen, die Unfallstelle durch ein Warndreieck absichern und die Polizei informieren. Diese kontaktiert dann den Jäger oder Förster. Keinesfalls sollten Autofahrer ein verletztes Tier eigenmächtig zum Tierarzt bringen. "Wildtiere sind den Kontakt mit Menschen nicht gewohnt, sie erleiden Todesängste und das Verletzungsrisiko für den Autofahrer ist ebenfalls enorm hoch", sagt Reinwald. Ist das Tier tot, könne der Autofahrer es aber von der Fahrbahn auf den Seitenstreifen befördern. "Allerdings nur mit Handschuhen, denn eine Ansteckungsgefahr kann nie ausgeschlossen werden", sagt Reinwald.

Allerdings sollte die Polizei nicht nur gerufen, sondern auch auf sie gewartet werden. "Das ist auch deshalb wichtig, um Zeugen für den Schaden zu haben und sich für die Versicherung die notwendige Wildunfallbescheinigung ausstellen zu lassen", sagt Tobias Goldkamp, Fachanwalt für Verkehrsrecht. Wer sich einfach vom Unfallort entfernt, könne sich strafbar machen. "Außerdem kann es unterlassene Hilfeleistung sein oder den Bußgeldtatbestand der Tierquälerei erfüllen, wenn ein verletztes Tier einfach liegengelassen wird."

Auch der Deutsche Tierschutzbund weist darauf hin, dass jeder Fahrzeugführer die ethische und gesetzliche Verpflichtung habe, sich um ein angefahrenes Tier zu kümmern. "Ein verletztes Tier einfach liegenzulassen, ist grobe Tierquälerei. Das gilt auch für Personen, die den Unfall nicht selbst verursacht haben", sagt Lea Schmitz vom Tierschutzbund.

Daneben rät Reinwald dazu, den Schaden gut zu dokumentieren, beispielsweise durch Fotos. "Wenn ein Unfall passiert, ist der Fahrer erst einmal in der Beweispflicht." Es sei daher auch nicht ratsam, Spuren am Auto gleich durch eine Autowäsche zu beseitigen: "Die Versicherung sollte die Möglichkeit haben, einen Unfallschaden auch noch selbst zu begutachten".

Beweisstücke sichern

Goldkamp rät, möglichst Beweisstücke wie Tierhaare zu sichern. Denn über die Teil- oder Vollkasko sind in der Regel nur Wildunfälle mit Haarwild wie Rehen, Wildschweinen oder Füchsen abgedeckt - für Hunde, Kühe oder Pferde gilt das hingegen nicht. "Es kommt immer wieder vor, dass Versicherungen einen Wildunfall anzweifeln. Dann ist eine umfassende Dokumentation sehr hilfreich." Persönlich haftbar gemacht werden kann durch einen Wildunfall in der Regel niemand. "Wildtiere gelten als herrenlos, auch der Jagdpächter oder der Förster kann daher bei Unfällen nicht in die Haftung genommen werden", sagt Goldkamp.

Anders sieht es laut Goldkamp bei Haustieren wie Hunden oder Pferden aus. "Hier muss in der Regel der Tierhalter für den Schaden haften. Viele Tierhalter sind haftpflichtversichert, so dass auch hohe Schadenssumme eingetrieben werden können." Hat das Tier einen Eigentümer, sollte der Autofahrer mindestens eine halbe Stunde am Unfallort auf den Halter warten. "Ansonsten liegt eine Fahrerflucht vor, die auch den Führerschein kosten kann", warnt der Jurist.

Um Unfallschwerpunkte zu erkennen und sicherer zu machen, hat der DJV in Zusammenarbeit mit der Universität Kiel im Rahmen eines Forschungsprojekts ein Tierfund-Kataster eingerichtet. Unter tierfund-kataster.de oder der dazugehörigen App kann jeder Autofahrer einen Wildtierunfall eintragen. "Von der Polizei werden bislang Wildunfälle nur als solche erfasst, wenn es auch einen Personenschaden gibt", sagt Reinwald. "Daher fehlt es bundesweit an verlässlichen Zahlen, auf deren Basis zum Beispiel Wildtierbrücken oder Schutzzäune errichtet werden müssten." Für seltene Arten wie Wildkatzen seien Wildunfälle unter Umständen sogar bestandsbedrohend.

Sieht ein Autofahrer plötzlich ein Wildtier vor sich auftauchen, rät der DJV davon ab, auszuweichen. "Eine kontrollierte Kollision mit dem Tier ist allemal besser als ein unkontrollierter Zusammenstoß mit einem Baum", sagt Reinwald. Zuvor sollte der Autofahrer durch Hupen auf sich aufmerksam machen und auf keinen Fall aufblenden. "Die Augen von Wildtieren funktionieren wie Restlichtverstärker und sehen in der Dämmerung viel besser." Bei Fernlicht seien die Tiere daher besonders stark geblendet. Sie rennen dann meist orientierungslos direkt vor das Auto, so Reinwald.

Die Gefahr für Wildunfälle steigt noch einmal mit dem Ende der Sommerzeit. "Dann fällt der Berufsverkehr weitestgehend in die Dämmerung und somit in die Zeit, in der viele Wildtiere unterwegs sind", sagt Tierschützerin Schmitz. Eine vorausschauende Fahrweise sei dann besonders wichtig.

Quelle: n-tv.de

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