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Es geht auch ohne Aktien So profitabel sind grüne Anlagen

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Der Trend zur Nachhaltigkeit hat längst die Börse erreicht.

(Foto: imago images / Panthermedia)

Grün liegt im Trend. Das macht sich auch an der Börse bemerkbar. Jeden zehnten Euro stecken die Deutschen in nachhaltige Finanzprodukte. Erspartes lässt sich aber auch anderswo anlegen. Doch welche Strategie lohnt sich wirklich?

Immer mehr Menschen kaufen Biogemüse im Supermarkt, beziehen grünen Strom und wählen die Grünen. Und auch an der Börse sind nachhaltige Unternehmen besonders attraktiv. Eine Umfrage der Quirin Privatbank hat ergeben, dass Anleger jeden zehnten Euro grün anlegen: In nachhaltige Aktienfonds oder in besonders umweltfreundliche Konzerne.

Finanzprodukte, in die man mit gutem Gewissen investieren kann, sind allgegenwärtig. Besonders beliebt sind nachhaltige Index-Fonds. Die sind aber nicht immer so grün, wie sie scheinen, erklärt Hermann-Josef Tenhagen von Finanztip im ntv-Podcast "Wieder was gelernt": "Die sind nicht besonders streng in ihrer Auswahl, da sind dann oft auch noch Unternehmen wie Siemens oder Nestlé drin, die jetzt nicht gerade für Umweltschutz bekannt sind", sagt der Experte.

Diese Index-Fonds seien trotzdem vor allem für Menschen geeignet, die gerne an der Börse investieren möchten, aber keine Lust haben, sich besonders viele Gedanken darüber zu machen. Vorreiter in Sachen Umweltschutz sind die Unternehmen in diesen vermeintlich nachhaltigen Fonds allerdings nicht. Sie gehören einfach nicht zu den schwarzen Schafen, produzieren zum Beispiel nicht besonders viel Plastikabfall. Wem das nicht reicht, muss tiefer in die Materie einsteigen, sagt Hermann-Josef Tenhagen. Das kostet aber Zeit oder Geld.

Passive Fonds sind günstiger

"Als Anleger kann ich auch die einzelnen Aktien der Unternehmen kaufen, dafür muss ich mich dann aber auch intensiv darum kümmern", stellt Tenhagen klar. Wer die Aufgabe des Fondsmanagers selbst übernimmt, sucht sich die passenden Unternehmen eigenständig aus, spart die Gebühren, aber opfert seine Freizeit. Die Anlagen sollen ja nicht nur dunkelgrün, sondern auch möglichst profitabel sein.

Der Finanzexperte empfiehlt Anlegern außerdem, Investitionen zu streuen, also das Geld in mehreren Ländern und in verschiedenen Branchen anzulegen. Wer sich selbst die Mühe machen möchte, solche Anlagen zu finden und zu prüfen, kann Oekom und Imug nutzen. Das sind zwei Institute, die sich mit der Frage beschäftigen: Welche Unternehmen arbeiten besonders nachhaltig? Wo lohnt sich eine Anlage?

Eine weitere Möglichkeit ist, Erspartes erfahrenen Fondsmanagern zu geben. Die durchforsten Presseartikel, lesen Geschäftsberichte und prüfen, ob die Unternehmen wirklich so umweltfreundlich sind, wie sie angeben. Aber das machen sie natürlich nicht umsonst - die Profis nehmen durchschnittlich zwei bis drei Prozent Gebühren für ihren Dienst. Dabei schneiden sie über einen längeren Zeitraum nur selten besser ab als die passiven Fonds, bei denen die Gebühren meist unter einem halben Prozent liegen.

Wann ist eine Firma nachhaltig?

Eine eindeutige Definition für den Begriff "nachhaltig" gibt es allerdings nicht. Jeder Anleger muss selbst entscheiden, nach welchen Kriterien er sein Geld investieren möchte. Für Tenhagen spielen vor allem drei Punkte eine wichtige Rolle bei der Auswahl. Dass sich die Firmen um einen möglichst kleinen Fußabdruck bemühen, sei für ihn eine Grundvoraussetzung. "Das Unternehmen sollte außerdem ordentlich mit seinen Mitarbeitern und dem Rest der Welt umgehen." Als dritten Punkt führt er die Struktur der Firma an: Als Anleger sollte man wissen, wie das Management funktioniert. Ein gutes Management ist auch für viele Groß-Investoren ein entscheidendes Kriterium dafür, welchem Unternehmen sie ihr Geld geben.

Und genau wie Investoren wollen auch Anleger Geld verdienen. Nur die wenigsten wären wohl dazu bereit, ihre Altersvorsorge für den guten Zweck oder das grüne Gewissen aufs Spiel zu setzen. Grüne Fonds sollten also auch hinsichtlich der Rendite mit herkömmlichen Angeboten mithalten können. Vergleicht man den klassischen MSCI-World Index mit seiner nachhaltigen Version, fällt auf: Der nachhaltige Weltwirtschafts-Index hat sich in den vergangenen fünf Jahren sogar etwas besser entwickelt als sein Bruder.

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Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur des unabhängigen Geldratgebers Finanztip.

(Foto: imago/Müller-Stauffenberg)

"Es gibt Studien, die sich damit beschäftigen, ob nachhaltige Firmen nicht per se besser gemanagt sein müssen als gewöhnliche Unternehmen", stellt Tenhagen fest - neben normalen betriebswirtschaftlichen Entscheidungen müssten sich "grüne" Unternehmen weiteren Fragen stellen: "Wie produzieren wir besonders energieeffizient und wie produzieren wir möglichst wenig Abfall?". Einige Ökonomen prognostizieren deshalb, dass nachhaltige Geschäftsmodelle auf Dauer erfolgreicher sind als die von klassischen Firmen.

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"Das erfolgreichste und nachhaltigste Management nützt jedoch nichts, wenn es sich in einer Branche befindet, die zum Sterben verurteilt ist", gibt Tenhagen zu Bedenken. Welche Branchen das sein werden, kann niemand sicher voraussagen. Wem das Aktiengeschäft deshalb zu unsicher ist, kann aber auch abseits der Börse nachhaltig investieren. In den vergangenen 20 Jahren wurden im deutschen Privatbereich zum Beispiel 1,7 Millionen Solaranlagen gebaut. Die Solarfans konnten Strom generieren und ihn gegen gutes Geld ins Stromnetz einspeisen. Mittlerweile lohnt sich das aber nicht mehr, weil die Anbieter weniger für den Strom zahlen, als er in der Produktion kostet. Deshalb wollen viele Solaranlagenbesitzer den Strom nun für sich selbst nutzen. Nachts geht das aber nur, wenn er auch gespeichert wird.

Die Lösung dafür sind Batteriespeicher. "Das wird oder ist sogar schon der neue große Trend", sagt Tenhagen. Entsprechende Videos von Finanztip haben sich in den vergangenen Monaten mehr als eine halbe Million Menschen angeschaut. "Und manche Leute denken dann auch schon über ein E-Auto nach, das sie vielleicht anschaffen wollen."

Eine eigene Solaranlage auf dem Dach, die Strom produziert. Eine eigene Batterie in der Garage, die diesen auch speichert. Und ein eigenes Elektro-Auto, das diese Energie zum Fahren nutzt. Das könnte die Zukunft sein, glaubt Tenhagen.

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Quelle: ntv.de