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"Öko-Test" prüft Räucherlachs Welchen Fisch soll man essen?

Beim Thema Massentierhaltung denkt man an Hühner oder Schweine. Doch auch Fische vegetieren unter beengten Bedingungen dahin. Welchen Lachs kann man guten Gewissens kaufen? Das "Öko-Test"-Magazin hat nachgeforscht.

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Lachskäfige in Norwegen: Hier und in Schottland sind die Zuchtbedingungen normalerweise besser als auf chilenischen Farmen.

(Foto: imago stock&people)

Zum gediegenen Sonntagsfrühstück, auf dem Kanapee oder abends auf Schwarzbrot – Räucherlachs geht immer, wenn es etwas Besonderes sein soll. Doch schon länger ist klar, dass man den Fisch nicht bedenkenlos genießen kann. Das "Öko-Test"-Magazin hat 20 Sorten Räucherlachs überprüft und die Ergebnisse sind geeignet, einem den Appetit zu verderben. Lachs aus Aquakulturen wird demnach oft unter schlechten Haltungsbedingungen und mit umstrittenen Futtermitteln gemästet. Bei Wildlachs moniert das Verbrauchermagazin die teils fragwürdigen Fangmethoden.  

In der freien Natur ist der Lachs ein Wandertier. Er lebt im Meer und zieht zum Ablaichen ins Süßwasser zurück, oft tausende Kilometer. In Aquakulturen kann er nicht einmal 50 Meter ungehindert geradeaus schwimmen. In kreisförmigen Netzkäfigen im Meer sind oft Hunderttausende Tiere eingepfercht. Idealerweise sollten auf einen Kubikmeter Wasser nicht mehr als zehn Kilo Fisch kommen, das sind zwei bis drei ausgewachsene Tiere. Tatsächlich drängen sich aber oft mehr als doppelt so viele auf diesem Platz.

Eng ist ungesund

Die beengten Verhältnisse erhöhen die Verletzungsgefahr und senken die Wasserqualität. Entsprechend anfälliger werden die Tiere für Krankheiten, Ausschläge und Parasiten. Die Züchter reagieren, indem sie Pestizide und andere Chemikalien ins Wasser kippen, die dann natürlich nicht nur in den Fischen landen, sondern auch im Meer. Immerhin zeigt die Prophylaxe Wirkung: Bedenkliche Keime fand das Labor in keinem der getesteten Produkte, übrigens auch nicht im Wildlachs. "Der Fisch ist sauber, das Meer trüb", bilanziert "Öko-Test".

Wobei "sauber" auch nur eingeschränkt gilt. Übers Futter nehmen die Tiere Stoffe auf, die dann später auch im Fleisch nachzuweisen sind. Farbstoffe, die für das typische Lachsrosa sorgen, sind dabei weniger problematisch. Die meisten Hersteller sind inzwischen auf das harmlose Astaxanthin ausgewichen, das in der Natur auch Krebstieren ihre rosa Farbe verleiht.

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Lachs ist ein Buffet-Klassiker.

(Foto: imago/CHROMORANGE)

Kritisch ist laut "Öko-Test" aber der Einsatz von Ethoxyquin zu sehen, einem Konservierungsmittel, das Futter länger haltbar macht. Es steht in Verdacht, die Erbsubstanz zu schädigen und krebserregend zu sein. Der Hersteller Monsanto hat nie nachgewiesen, dass es unbedenklich ist. Als Pestizid ist Ethoxyquin deshalb seit einigen Jahren in der EU verboten, als Futtermittel allerdings weiterhin erlaubt. Fast alle konventionellen Züchter setzen auf den billigen Konservierungsstoff, bei den meisten ist er später aber nicht mehr im Fisch nachweisbar. In drei Fällen wurde das Labor aber fündig, unter anderem im teuren Schottischen Lachs von Wechseler. Das ist insofern verwunderlich, als der Hersteller auf Nachfrage angegeben hat, das Mittel nicht zu verwenden. Dafür wurde der Fisch als "mangelhaft" abgewertet.  

Biolachse haben mehr Platz

Am besten unter den konventionellen Zuchtlachsen schnitt der Quality Räucherlachs von Real ab – trotz eines groben Fehlers bei der Deklaration. Das Labor fand fast 60 Prozent mehr Fett als auf der Packung angegeben. Wer auf eine vernünftige Aufzucht Wert legt, ist hier aber noch am besten bedient. Im Schnitt kommen hier nämlich nur 8,7 Kilo Lachs auf einen Kubikmeter Wasser. Bei den Konkurrenten sind es oft weit über 20 Kilo. Von ihnen schaffte dann auch keiner ein besseres Gesamturteil als "ausreichend", für das Real-Produkt gibt es immerhin ein "befriedigend".

Besser sieht es bei den Bio-Lachsen im Test aus. Hier haben die Fische deutlich mehr Bewegungsfreiheit und das Futter ist frei von kritischen Farb- und Konservierungsstoffen. Wechseler steht hier mit seinem "Bio Mare" Lachs mit einer "sehr guten" Gesamtwertung an der Spitze der Tabelle, die anderen vier Anbieter im Test wurden durchweg "gut" bewertet – trotz eines etwas erhöhten Quecksilber-Gehaltes bei Friedrichs und Rewe Bio.

Ist Wildlachs besser?

Die Alternative zur Käfighaltung ist Wildlachs. Der ist in aller Regel fettärmer und wächst ohne chemische Hilfsmittel heran. Trotzdem finden sich bisweilen Dinge, auf die man lieber verzichten würde. In drei der fünf Wildlachsprodukte im Test entdeckte das Labor Larven von Fadenwürmern, sogenannte Nematoden. Die Parasiten sterben beim Einfrieren zwar ab, sind aber dennoch etwas unappetitlich. Die betreffenden Marken wurden um eine Stufe abgewertet, sind aber immer noch "gut".

Ob Wildlachs ökologisch die bessere Alternative zur Aquakultur ist, hängt davon ab, wie und wo er gefangen wurde. Alle Produkte im Test stammen aus dem Nordostpazifik vor Alaska, wo die Bestände relativ stabil sind. Zum Teil arbeiten die Fischer aber mit Kiemen- oder Wadennetzen. Wegen der höheren Beifangquoten ist das nicht optimal. Besser sind Schleppangeln, wie sie oft auch verwendet werden. Das weit verbreitete MSC-Siegel ist laut "Öko-Test" noch kein Qualitätskriterium für nachhaltigen Fischfang. Die Vorgaben seien zu lasch, kritisieren die Tester. Der Wildlachs von Friedrichs ist frei von Fadenwürmern und wird mit Schleppangeln gefangen und kommt deshalb als einziger auf die Testnote "sehr gut".

Quelle: n-tv.de, ino

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