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Unzufrieden beim FC Bayern Der undurchsichtige Plan mit Renato Sanches

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Renato Sanches ist mit seiner Rolle beim FC Bayern sehr, sehr zufrieden. Das sieht man nicht nur, das sagt er auch.

(Foto: imago images / eu-images)

Renato Sanches will den FC Bayern verlassen. Doch dann folgt eine Aussprache mit Trainer Niko Kovac - und das Versprechen auf mehr Spielzeit. Beim Bundesliga-Auftakt gegen Hertha folgt die erste Ernüchterung: Sanches spielt wenig. Und dann gibt's da noch einen kuriosen Transfer.

Es dauert in München ja meist ein paar Minuten, bis die Bosse des FC Bayern die Kabine erreichen. Dort loben sie, manchmal tadeln sie auch. Nach außen dringt eher selten etwas. So auch an diesem Freitagabend nicht, nachdem der deutsche Fußballmeister mit einem 2:2 (1:2) gegen Hertha BSC in die Saison gestolpert war. Einer der so oder so nichts zur Kabinenanalyse beitragen konnte, war Renato Sanches. Denn er hatte den Raum bereits verlassen. Weil er wütend war. Mal wieder. Nur acht Spielminuten hatte ihm Trainer Niko Kovac gegönnt. Acht Minuten, in denen der 22-Jährige elf Mal am Ball war, neun Pässe spielte und nur einen nicht zum Mitspieler brachte.

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Schafft Renato Sanches noch den Durchbruch beim FC Bayern?

"Die Situation ist nicht gut für mich - weil es zum zweiten Mal in Folge dasselbe ist bei mir", schimpfte der Portugiese. "Ich habe den Klub erneut gebeten, zu einem anderen Verein wechseln zu dürfen. Doch sie haben mich nicht gehen lassen." Tatsächlich soll ihm ein sehr lukratives Angebot vorgelegen haben. Die Münchener aber hatten ihn überzeugt zu bleiben. Sie hatten ihm erklärt, warum er in der vergangenen Saison so wenig gespielt hatte. Sie hatten ihm gesagt, dass in der neuen Spielzeit alles besser werden würde. Sie hatten ihm wohl verziehen, dass er zum Ende der vergangenen Saison während eines Testspiels in der Kabine gebrüllt haben soll: "Danke Gott, noch 45 Minuten FC Bayern, dann Urlaub und dann nie, nie wieder!"

Und in der Vorbereitung sah alles danach aus, als könnte sich der Mittelfeldspieler endlich durchsetzen. Mit seiner Dynamik und Wucht lieferte er im Zentrum gleich mehrfach überzeugende Spiele. Besonders auffällig spielte er beim 3:1 gegen Real Madrid. Der meinungsfreudige Rechtsverteidiger Joshua Kimmich lobte während der USA-Reise: "Bei Renato sehe ich extremes Potenzial. Wenn man einen Spieler mit den Qualitäten holen möchte, muss man sicher in der heutigen Zeit 60 Millionen Euro dafür bezahlen."

Und jetzt kommt auch Cuisance

35 Millionen Euro hatte Sanches gekostet, als er im Sommer 2016 von Benfica Lissabon nach München gewechselt war. Eine wuchtige Investition in Europas begehrtesten Nachwuchsspieler. Eine Investition, die sich sehr schnell refinanzieren werde. Davon waren sie beim FC Bayern überzeugt. Selbst Josep Guardiola, der den Verein in dem Sommer verließ, in dem Sanches kam, sagte: "Er ist bei Weitem einer der besten jungen Spieler in Europa. Er hat viel Qualität und Persönlichkeit. Er hat eine große Zukunft vor sich."

Wie diese beim FC Bayern aussehen kann? Auch drei Jahre später ist das immer noch undurchsichtig. Im Supercup bei Borussia Dortmund (0:2), dem ersten Pflichtspiel der Saison, wurde er eingewechselt. Und musste sich auf Linksaußen beweisen. Im DFB-Pokal gegen Viertligist Energie Cottbus (3:1) durfte er zwar beginnen, musste aber nach etwas mehr als einer Stunde trotz guter Leistung als dynamischer und mutiger Antreiber vom Feld. Schon darüber war er nicht glücklich, der Handschlag mit Trainer Kovac wirkte eher missmutig denn zustimmend. Und nun der erneut maximale Frust. Ersatzbank. Obwohl Konkurrent Leon Goretzka verletzt war. Obwohl Konkurrent Corentin Tolisso bislang nur sehr mäßig agiert hatte. Obwohl Konkurrent Thomas Müller ebenfalls zuletzt keine Unverzichtbarkeitsleistungen gezeigt hatte.

Die laute Klage des Portugiesen kam wenig überraschend, nicht gut an. So mahnte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge: "Es ist nicht angebracht, wenn man nach dem ersten oder zweiten Spiel gleich erbost davonläuft. Er wird seine Chancen bekommen, wir sind alle von ihm überzeugt." Zunächst einmal bekam er laut "Bild"-Zeitung eine Geldstrafe über 10.000 Euro, dann zwei Tage später ein Plädoyer von Abwehrchef Niklas Süle. Bei Sport1 sagte er: "Renato hatte bislang keine einfache Zeit hier. Aber er hat sich unglaublich gesteigert, ist im Training oft der beste Mann. Er ist ein Spieler, der den Unterschied machen kann." Sanches müsse so auftreten, dass der Trainer bei aller Konkurrenz nicht an ihm vorbeikomme.

Das gelang einmal, mehr nicht. Denn Kovac bekannte nach dem Auftakt gegen Berlin, dass er eigentlich gar nicht wechseln wollte. Die Mannschaft habe das gut gemacht, über niemanden ließe sich etwas Negatives sagen. Was der meinungsfreudige Kimmich offenbar anders sah. Lautstark soll das geäußert haben. Die "Bild" sprach gar vom "Kabinen-Knall." Der "Kicker" vergab derweil in seiner Einzelkritik an Thiago - auch auf seiner Position, der Sechs, kann Sanches spielen - eine 4,5. Auch für Müller gab's nur die maue Defizit-Note. Und Tolisso war mit einer 3,5 auch nicht der Fußballer, der das Spiel im Zentrum prägte. Für mehr Kreativität hat der FC Bayern nachgebessert. Mit Philippe Coutinho. Und mit Michaël Cuisance. Der kommt von Borussia Mönchengladbach. Dort war er sehr unglücklich -  weil er keinen Stammplatz bekam.

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Quelle: n-tv.de

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