Fußball

Der Pokalkampf im Schnellcheck FC Bayern beherrscht sein Handwerk

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Kingsley Coman traf für die Bayern zum zwischenzeitlichen 2:0.

(Foto: imago images / Jan Huebner)

Den ganz großen Fußball spielt der FC Bayern nicht. Aber ein sehr seriöser Auftritt beim rührend leidenschaftlichen FC Energie in Cottbus reicht, um in die zweite Runde des DFB-Pokals einzuziehen. Und am Ende dürften alle Beteiligten zufrieden sein.

Was ist im Stadion der Freundschaft passiert?

Der FC Bayern steht in der zweiten Runde des DFB-Pokals. Nach dem 3:1 (1:0) beim Regionalligisten FC Energie Cottbus ist der Titelverteidiger nur noch vier Siege vom Endspiel entfernt, das am 23. Mai kommenden Jahres im Berliner Olympiastadion stattfindet. Nicht, dass der Münchner Auftritt vor 20.602 Zuschauern im ausverkauften Stadion der Freundschaft unbedingt eines Pokalsiegers würdig gewesen wäre. Aber erstens interessiert das bald schon niemanden mehr, und zweitens hat es am Ende für das Team von Trainer Niko Kovac ja gereicht. Und die Bayern durften sich immerhin darüber freuen, mehr als 80 Prozent der Zeit den Ball gehabt zu haben. Nur ins Tor schossen sie ihn nur drei Mal.

Und die Cottbuser? Die Mannschaft von Claus-Dieter Wollitz gab alles, und das war für einen Viertligisten gar nicht so wenig. Die recht begeisterungsfähigen Zuschauer waren zufrieden, nur die Forderung des immergrünen Klassikers, den sie vor dem Anpfiff sangen, erfüllte sich nicht: "Zieht den Bayern die Lederhosen aus!" Dafür durften sie es ganz zum Schluss noch einmal singen, nachdem Berkan Taz in der dritten Minute der Nachspielzeit per Elfmeter den Ehrentreffer erzielt hatte. Am Samstag geht es dann zum Ligaspiel zum 1. FC Lokomotive nach Leipzig.

Teams & Tore

Tore: 0:1 Lewandowski (32. Minute), 0:2 Coman (65.), 0:3 Goretzka (85.), 1:3 Taz (90.+3)

FC Energie Cottbus: Moser - Hasse, Gehrmann, Koch, Hoppe - F. Geisler (63. Beyazit), N. Geisler (58. Raak), Eisenhuth, Brügmann - Taz, Rangelov (73. Broschinski). - Trainer: Wollitz

FC Bayern München: Neuer - Kimmich, Süle (69. Hernandez), Pavard, Alaba - Thiago - Müller, Tolisso, Renato Sanches (63. Goretzka), Coman (70. Gnabry) - Lewandowski. - Trainer: Kovac

Schiedsrichter: Patrick Ittrich (Hamburg)

Zuschauer: 20.602 (ausverkauft) im Stadion der Freundschaft

Hier geht's zum Spielbericht.

Der Spielfilm

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Der Einsatz stimmte.

(Foto: imago images / eu-images)

1. Minute: Nach 54 Sekunden hat Felix Brügmann genug gesehen, er stellt seinen Körper vor den Körper von Joshua Kimmich. Es ist die erste Ballberührung eines Energie-Spielers. Der Ballbesitz-Anteil der Gastgeber erhöht sich schlagartig auf 1,851 Prozent.

14. Minute: Noch während sich das Stadion der Freundschaft an einem Doppelpass von Marcel Hoppe und Berkan Taz tief in der bayrischen Hälfte berauscht, rauscht Kingsley Coman auf der Gegenseite an Aushilfsrechtsverteidiger Tobias Hasse vorbei. Coman flankt, Robert Lewandowski schießt und Lennart Moser lenkt den Schuss an die Latte.

25. Minute: Es ist die vielleicht längste Grätsche der DFB-Pokalgeschichte. Felix Geisler rutscht Renato Sanches mit einem Monsteranlauf den Ball vom Fuß. Es ist übrigens gut, dass Geisler den Ball sehr deutlich spielt, denn sonst wäre das womöglich karrieregefährend für Sanches geworden. Auch wenn das Tackling nichts einbringt, die Szene gefällt.

31. Minute: TOR FÜR DEN FC BAYERN, 0:1 Lewandowski. Unzählige ihrer 428 Pässe in der ersten Halbzeit spielen die Bayern binnen Sekunden auf dem rechten Flügel. Aus Platzgründen hier nur das Ende: Sanches auf Joshua Kimmich. Kimmich auf Thomas Müller. Müller auf Sanches, Sanches auf Müller, Müller auf Kimmich, Kimmich hoch auf Coman - Kopfball, Parade Moser, Tor Lewandowski.

40. Minute: Huch, wo kommt dieser Ball her? Nun, für Freunde der Heatmap: Er kommt von der rechten Seite, geschlagen aus dem Fußgelenk von Corentin Tolisso, er landet auf Comans Kopf und von dort aus elf Metern mal wieder an der Latte.

65. Minute: TOR FÜR DEN FC BAYERN, 0:2 Coman. Die plötzlich ekstatischen Jetzt-geht's-los-Rufe der Nordwand hatte Coman offenbar falsch verstanden. Nicht er war gemeint, sondern die Mannschaft der Gastgeber. Nun ja, Coman ging trotzdem los, zog von seinem linken Flügel in die Mitte und von dort ab. Flachschuss. Tor.

81. Minute: Die Cottbusser kontern weiter mit rührender Leidenschaft, über drei schnelle Kontakte landet der Ball beim eingewechselten Moritz Broschinski. Der fackelt sofort drauf los und zwingt Manuel Neuer aus 16 Metern zu seiner dessen erster Streckübung. Es ist eine tüchtige.

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Energie-Coach Claus-Dieter Wollitz herzt den Torschützen Berkan Taz.

(Foto: imago images / Matthias Koch)

85. Minute: TOR FÜR DEN FC BAYERN, 0:3 Goretzka. Der eingewechselte Leon Goretzka gewinnt den Ball gegen seinen fahrigen Gegenspieler. Er spielt auf den eingewechselten Serge Gnabry, der spielt zurück auf Goretzka. Der war derweil in den Strafraum getrabt, hatte sich in Schussposition gebracht und getroffen.

93. Minute: TOR FÜR DEN FC ENERGIE COTTBUS, 1:3 Taz. Ein Elfmeter, weil Goretzka Berkan Taz im Strafraum festgehalten hatte. Und der Ehrentreffer! Da freuen sie sich in Cottbus - ein schöner Abschluss für den Regionalligisten.

Was war gut?

Eine Pokalblamage, die ließ der FC Bayern nie zum Thema werden. Und ja, dass beide Mannschaften nicht in derselben Liga spielen, war deutlich zu erkennen. Das ist eine ziemlich gute Nachricht für eine Mannschaft wie den FC Bayern, so früh in der Saison. Denn diese Nachricht ist ein starkes Indiz dafür, dass die Münchener ihre Aufgabe seriös angegangen sind. Ein Maximum an Ballbesitz, Mitte der ersten Halbzeit waren es zeitweise 84 Prozent. Ein hohes Maß an Passsicherheit, wenngleich ohne große kreative Momente. Und ein klares Plus an gewonnenen Zweikämpfen. So gerät ein haushaushoher Favorit gegen einen von rührender Leidenschaft und immer größerem Mut getriebenen Außenseiter nicht in Gefahr. Das war sehr solides Handwerk. So wie's der Trainer mag. Tatsächlich kamen die nie aufgebenden Cottbuser nur zu einem einzigen Abschluss, der zumindest Elemente eines gefährlichen Torschusses enthielt. Für die Bayern waren dagegen einige zu notieren. Und fast immer beteiligt: Renato Sanches als Taktgeber, Coman als Vorbereiter - sein Linksrechtswackler ist für Regionalliga-Fußballer offenbar nicht zu verteidigen - und Lewandowski als Abnehmer.

Was war nicht gut?

Nun, was soll all das Kritisieren: Der FC Energie Cottbus ist ein Regionalligist. Die Mannschaft befindet sich nach dem Abstieg aus der dritten Liga im Neuaufbau. Die meisten Spieler sind knapp unter oder knapp über 20 Jahre alt. Nur Dimitar Rangelov fällt mit seinen 36 Jahren aus dem Rahmen. Woher soll also der Mut, das Zutrauen kommen, den Doublesieger so aggressiv anzulaufen, ihn so zu zermürben, wie 2008, als Energie am 24. Spieltag der Bundesliga eines der besten Heimspiele der Vereinsgeschichte zeigte. So jedenfalls steht es im Stadionmagazin. Die Mannschaft arbeitete an diesem Montagabend in der Abwehr - in dieser Saison mit neun Gegentoren in drei Spielen eher nicht so stabil  - durchaus beeindruckend. Sie versuchte sich im Umschaltspiel, agierte dabei aber zu hektisch und zu unpräszise. Und dass es am Ende gegen den FC Bayern dann halt nicht gereicht hat - geschenkt.

Wo war Ivan Perisic?

In München (Anmerk. d. Red. mit Verweis auf die "Bild"-Zeitung: beim Medizincheck). Das durfte Coach Kovac bestätigen. Ansonsten darf er ja so viel über gehandeltes Personal beim FC Bayern nicht mehr verraten. Und weil Perisic noch in diese Kategorie fehlt, beließ Kovac es auch bei diesen wenigen Worten. Allerdings ermahnte er die Öffentlichkeit noch, nicht immer so negativ über einen Spieler zu urteilen. Tatsächlich war darüber diskutiert worden, um was für eine x,y,z-Lösung es sich bei Perisic handle.

Der Tweet zum Spiel

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Quelle: n-tv.de

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