Fußball

Kovac mahnt zur Sicherheit Kimmich beklagt Naivität im Bayern-Spiel

imago41499095h.jpg

So geht's nicht: Joshua Kimmich ist mit dem Supercup-Auftritt des FC Bayern nicht einverstanden.

(Foto: imago images / ULMER Pressebildagentur)

Zwei haarsträubende eigene Abspielfehler, zwei höchst effiziente Konter des Gegners: Der FC Bayern bringt sich im Supercup gegen Borussia Dortmund selbst aus dem Tritt. Allerdings haben die Münchener auch offensiv ein überraschendes Problem offenbart.

Reden wollten die meisten Fußballer des FC Bayern nicht. Mit angesäuertem Blick (Renato Sanches), mit trauriger Leere (Thiago), mit den Frust überspielender Lässigkeit (Thomas Müller) oder mit der maximalen Gleichgültigkeit (Jérôme Boateng) schlenderten die Spieler des Rekordmeisters am späten Samstagabend durch die Mixed Zone des Signal-Iduna-Parks. Mit 0:2 (0:0) hatten sie gerade den ersten offiziellen Titel der neuen Saison vergeigt - den Supercup. Von Borussia Dortmund waren die Münchener durch Paco Alcacer (48.) und Jadon Sancho (69.) vor 81.365 Zuschauern höchst effizient ausgekontert worden. Ihnen, den Bayern, war genau das passiert, was sie auf gar keinen Fall passieren lassen wollten: Sie machten Fehler und Dortmund die Tore.

Einer der reden wollte, das war Joshua Kimmich. Von Gespräch zu Gespräch rannte er, niemand sollte uninformiert nach Hause gehen. Den Ungeduldigsten erklärte er zwischen seinen ständigen Mikrofonwechseln höflich, dass er gleich zurück komme. Und er kam zurück. Und er wiederholte, was er schon zuvor gesagt hatte. Dass der BVB zwar verdient gewonnen habe, aber nicht die bessere Mannschaft war. Das kam der Wahrheit schon sehr nah. Zwei Drittel der Spielzeit war der FC Bayern in Ballbesitz. Seine Angestellten pressten früh, erkämpften sich so einige Bälle. Sie passten auch viel besonders von der linken zur rechten Seite und wieder zurück. Das nennt man Breite.

Dynamisch ja, konsequent nein

Sie flankten mal hoch in den Strafraum der Dortmunder, oft aber schoben sie die Bälle flach hinein. Da fehlte die Tiefe. Dennoch wirkte das phasenweise durchaus dynamisch, aber selten so konsequent wie bei den Doppelchancen von Coman (23. und 23.) sowie erneut Coman und Robert Lewandowski (58.). Oder auch beim aberwitzigen Solo von Kimmich, der sich durchs Zentrum erst über den halben Platz dribbelte, schließlich aber kurz vor Torwart Marwin Hitz die Kontrolle über den Ball verlor. Es fehlten dem Spiel der Bayern zu oft Schärfe, Präzision - und wieder und wieder auch Konzentration und Abstimmung.

Und dieser rote Faden sponn sich schon mit dem Anpfiff. Bereits nach 40 Sekunden hatte Niklas Süle einen Ball gegen Alcacer an der Seitenlinie übertrieben lässig vertendelt. Eigentlich eine gute Gelegenheit für den Abwehrchef und seine Münchener Kollegen, sich direkt den Ernst der Lage - wenn man den Supercup denn als Ernst der Lage sehen möchte - klarzumachen und folglich zusammenzureißen. Manuel Neuer hatte die über Raphael Gurreiro und Marco Reus sehr schnell und schön zu Ende gespielte Szene und die sofort aufkommende Euphorie bei den BVB-Fans mit einem sensationellen Reflex beendet. Minimal verspätet auf Titelkampf-Höhe? Eher nicht. Denn das mit der Fahrigkeit, dass bekamen die Münchener an diesem Abend nämlich nie so recht aus ihren roten Leiberl.

Sicherheitsrisiko Thiago

imago41500134h.jpg

Spätestens an BVB-Torwart Marwin Hitz scheiterten die Offensiv-Bemühungen der Münchner.

(Foto: imago images / Newspix)

Vor allem Thiago nicht, der sich mit seinem Laissez-Faire zum akuten Sicherheitsrisiko hochstufte. Vor dem 0:1 spielte er den Ball im Anflug totalen Wahnsinns in den Lauf von Sancho. Der fummelte sich an vier Dortmundern vorbei, eher Alacacer von der Strafraumgrenze platziert und flach einschoss. Auch das 0:2 leitete Thiago, der als einziger Sechser im Zentrum aufgeboten war, ein. Abermals mit einem schlechten, wenngleich weniger wahnsinnigen Pass.

Der muntere Guerreiro fing den Ball ab, trat durchs Zentrum an, spielte im Stolpern einen spektakulären und weiten Außenristpass auf Sancho, der rannte, rannte, rannte - und traf. "Solche Fehler dürfen wir bei Ballbesitz nicht machen, das nutzen die Dortmunder mit ihrer Stärke beim Kontern einfach aus", urteilte Neuer. Mit einem eher missratenen Herauslaufen nach einem sehr missratenen Rückpass von Boateng hätte der Titan beinahe auch ein Tor verursacht. Allerdings schoss Alcacer aus rund 40 Metern kann neben den langen Pfosten.

Kovac, der Handwerker

Ein Muster das sich wiederholt. Ein Muster, das Kimmich extrem ärgert. Ein "stückweit naiv" verurteilte er das Bayern-Verhalten vor den Gegentoren. "Klar, die Konterabsicherung ist ein Thema. Aber du kannst auch nicht jeden Ballverlust absichern. Sonst spielst du irgendwann mit 'ner Achterkette", sagte der entnervte Rechtsverteidiger, der in der 77. Minute nur mit viel Glück um eine Rote Karte wegen einer vermeintlichen Tätlichkeit gegen Sancho herumkam. "Du musst schon auch Vertrauen in die Qualität deiner Mitspieler haben. Aber wenn so viele Fehler passieren wie heute, kannst du das auch im Kollektiv nicht mehr auffangen." Eine falsche, taktische Ausrichtung gegen das brutal schnelle Umschaltspiel der Dortmunder erkannte er nicht. Auch Kapitän Manuel Neuer sah das System mit nur einem Sechser und zwei Achtern (Leon Goretzka und Corentin Tolisso) nicht als Kernproblem der teilweise gravierenden Lücken im Zentrum. Aus denen aber entzündeten sich die Raketenkonter des BVB.

Niko Kovac, dem das Handwerk (die Abwehr) ja bekanntlich nähersteht als die Kunst (der Angriff) - was in München nicht jedem gefällt - mahnte nun: "Man kann schon sehen, dass wir hoch angreifen und hoch verteidigen und teilweise die Bälle auch gewinnen. Aber wir müssen hinten mehr aufpassen. Wir werden das analysieren."

Quelle: ntv.de