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Karriereende von Arjen Robben Ein Erfolgsbesessener zollt dem Körper Tribut

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Vaarwel: Arjen Robben beendet seine Weltkarriere.

(Foto: imago images / Sven Simon)

Arjen Robben ist Dribbling, Spektakel, Tore. Aber er ist auch Besessenheit und akribische Arbeit. Eine Nacht in Südafrika vergisst er bis heute nicht. Eine Nacht in London macht ihn zum Mr. Wembley. Nun will der Körper nicht mehr. Vaarwel, Arjen.

Powerdribbling. Den Ball eng geführt am linken Fuß. Jeder weiß, was jetzt kommt. Jeder Verteidiger, jeder Zuschauer. Aufhalten kann ihn keiner. Arjen Robben macht diese kleine, unglaublich schnelle Bewegung nach links innen, der Gegenspieler guckt, tritt und rennt ins Leere. Dann der Torabschluss, mit links vom rechten Strafraumeck fulminant in den linken Torwinkel. Unhaltbar.

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Die Nummer 10 macht "den Robben". Jeder Fußballfan weiß, was gemeint ist, hat doch jeder schon einmal über eines dieser vielen Robben-Tore jener Art gejubelt, den Kopf geschüttelt, geflucht. Jetzt beendet der Flügelflitzer seine Karriere - einer der wenigen Weltstars, die die Bundesliga je hatte. Es sei "eine Entscheidung, bei der "Herz" und "Verstand" kollidierten", sagt der Niederländer. Robben, der Erfolgsbesessene, will eigentlich weiter machen. Will noch mehr gewinnen. Er kämpft mit seinem Ego, das gibt er offen zu: "Spitzensportler sind bekannt für ihre egoistische Haltung, und ich war da keine Ausnahme."

Mr. Wembley

Gewinnen macht Robben besonders gerne. Und er kann es besser als die meisten anderen. 2009, in seiner Debüt-Saison beim FC Bayern, schafft er auf Anhieb 16 Tore und sieben Assists (alle 111 Minuten ein Tor, alle 77 Minuten ein Scorer-Punkt!). Insgesamt knipst der Holländer in 308 Spielen für den Rekordmeister 144 und assistiert 101 Mal. In seiner gesamten Profikarriere macht er 602 Spiele, schießt 209 Tore und legt 158 mal auf. Er ist damit in mehr als der Hälfte seiner Spiele direkt an einem Tor beteiligt. Und klar, die meisten Tore fallen durch seinen patentierten "Robben".

Aber unvergessen bleibt auch der Volley-Schuss von der Strafraumkante zum 2:3 gegen Manchester United (der FCB erreicht dadurch das CL-Halbfinale 2010), bei dem selbst United-Fans mit der Zunge schnalzen mussten. Und natürlich diese 89. Minute im Finale der Champions League 2013. Durch seinen Treffer gegen den BVB krönt sich Robben zum König von Europa und zum Mr. Wembley.

Drei Jahre vorher gilt er fast als international Unvollendeter. Im Champions-League-Finale 2010 verliert er mit Bayern gegen Inter Mailand, im Endspiel der Weltmeisterschaft in Südafrika mit Holland gegen Spanien. Robben läuft in der 62. Minute des WM-Finals alleine auf Torhüter Iker Casillas zu und scheitert am Keeper. Das nagt an dem Perfektionisten. Selbst vier Jahre später bei der WM in Brasilien gibt er zu: "Diese Szene sucht mich noch immer heim."

Er arbeitet weiter akribisch an seinem Können und seinem Körper. Oft ist er als erster und letzter auf dem Trainingsplatz. Auch wenn der große Triumph mit der Nationalmannschaft (37 Tore in 96 Länderspielen) nicht gelingen will, der Niederländer gewinnt fast alles in seiner Weltkarriere: Acht Meisterschaften in der Bundesliga, zwei in der Premier League mit dem FC Chelsea, eine in La Liga mit Real Madrid und eine in Holland mit PSV Eindhoven, wohin er 2002 als 18-Jähriger von seinem Heimatverein FC Groningen wechselt. Jeweils fünf DFB-Pokal- und Supercupsiege nimmt der Gewinn-Gierige nebenbei auch noch mit.

"Robbery" prägt den FC Bayern

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Geschlagen haben Robben wenn dann Verletzungen. Der Körper des Niederländers macht schon in jungen Jahren nicht so schnell mit, wie seine Powerdribblings es fordern. Immer wieder fällt er aus, auch beim FC Bayern. Nun zollt die Fußball-Ikone seinem Körper endgültig Tribut.

Es laufe körperlich nicht mehr ganz so, wie er es möchte, und er sei "nicht mehr der 16-jährige Junge, der keine Ahnung hat, was eine Verletzung bedeutet", sagt Robben. Jetzt trifft er die "ohne Zweifel schwierigste Entscheidung, die ich in meiner Karriere treffen musste." Schließlich habe er "19 Jahre lang für meine Leidenschaft gelebt und versucht, das Beste daraus zu machen." Wer ihn hat spielen sehen, weiß, wie weh ihm das tut.

Eine Dekade bildet Robben mit Franck Ribéry beim FC Bayern die Flügelzange und prägt eine Ära beim Rekordmeister. "Robbery" ist lange mit das Beste, was Europa zu bieten hat. Aber nicht jeder ist ein Fan des Holländers. Gerne fällt er "zu" leicht für neutrale Beobachter - und für Anhänger der gegnerischen Mannschaft erst recht. Auch das ist Robben: Gewinnen mit allen Mitteln.

Sein kongenialer Partner Ribéry sagt nun via Twitter, "Robbery" werde "nie vergessen" werden. Er wünscht Robben, jetzt die Zeit abseits des Platzes zu genießen. Auch der Niederländer verkündigt, er möchte "all die Schönheit zu genießen, die vor mir liegt." Vor ein paar Wochen erst wird Arjen Robben mit seiner Familie gesichtet. Beim Basketball-Bundesliga-Finale als das Team aus München den Titel holt. Ohne Sport geht's nicht für Robben. Ohne Gewinnen sowieso nicht.

Bedankt, Arjen.

Quelle: n-tv.de

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