Sport
"Sie liebt mich halt, was soll ich machen?" Thomas Müller.
"Sie liebt mich halt, was soll ich machen?" Thomas Müller.(Foto: imago/MIS)
Sonntag, 04. November 2018

Wenn die Spielerfrau stichelt: FC Bayern weit entfernt von Superliga-Form

Von Elisabeth Schlammerl, München

Beim FC Bayern liegt einiges im Argen - nicht nur spielerisch. Nach fadem Unentschieden gegen den SC Freiburg stichelt auch noch die Frau von Thomas Müller gegen Trainer Niko Kovac. Hat der wirklich noch alles im Griff?

Christian Streich hielt sich nicht lange auf mit Gratulationen. Der Trainer des SC Freiburg hatte noch zu tun. Er ging schnurstracks auf Manuel Neuer zu, dem Torwart des FC Bayern. Nicht, um ihm Trost zu spenden, weil er, der deutsche Rekordmeister, zum ersten Mal seit mehr als 21 Jahren im eigenen Stadion nicht gegen die Breisgauer gewonnen hat. Er war am Trikot des Kapitäns interessiert und der gab es ihm bereitwillig, so freundlich, wie zuvor seine Abwehr dem Freiburger Lucas Höler den Ausgleichstreffer zum 1:1-Endstand kurz vor Schluss ermöglicht hatte. Streich sah in diesem Moment ein bisschen nach einem Fußball-Fan aus, der sich noch ein Andenken sichern wollte. Man weiß ja nie, wie lange der FC Bayern noch in der Bundesliga spielt. Aber der Freiburger Trainer hat dies nur für seinen "Buben", wie er sagt, getan, für den Neuer "ein großes Vorbild auf und neben dem Platz" sei.

Ein freundlicher Torhüter: Manuel Neuer.
Ein freundlicher Torhüter: Manuel Neuer.(Foto: dpa)

Im Moment dürfte es aber nicht nur dem Sohn von Christian Streich schwer fallen, sich am Spiel der Bayern zu erfreuen. Abgesehen von den ersten zehn, fünfzehn Minuten bewegten sich die Münchner träge und ideenlos über den Platz. Anders als zuletzt, als die Münchner zwar auch schlecht spielten, aber immerhin gewannen, gelang ihnen das dieses Mal nicht. Und das kurz nachdem bekannt wurde, dass der deutsche Rekordmeister sich an der Forcierung einer europäischen Superliga beteiligt haben soll. Die Münchner dementierten wiederholt. "Wir stehen total zu unserer Mitgliedschaft in der Bundesliga", bekräftigte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge vor der Partie.

Dass dort die Bayern derzeit auch besser aufgehoben sind und im Moment in einer Eliteliga nichts zu suchen haben, mussten die Verantwortlichen nach tristen 90 Minuten einsehen, der wieder ein Rückschlag im Duell mit Dortmund um die Tabellenspitze war. Es sei nicht "der richtige Zeitpunkt", zum Thema Superliga etwas zu sagen, ließ jedenfalls Präsident Uli Hoeneß nach Abpfiff ausrichten. Die Münchner wirkten am Ende wieder so ratlos wie im Oktober, als sie vier Spiele in Serie nicht gewonnen hatten. "Irgendwie schaffen wir es nicht, alles in höchstem Tempo zu machen. Es fehlt uns die Spritzigkeit, die Freude", fand sogar der sich sonst gerne in Phrasen flüchtende Sportdirektor Hasan Salihamidzic deutliche Worte und versprach: "Wir geben natürlich nicht auf."

Immer wieder dringen Interna nach außen

Die späte Führung durch Serge Gnabry (80.) war "eine kleine Erlösung", wie Thomas Müller zugab, aber dieses Gefühl hielt nicht lange, genau neun Minuten, dann fiel der Ausgleich. Die Gegentore passieren oft nach dem gleichen Muster, auch gegen Freiburg: Eine Flanke in die Mitte und dort waren Niklas Süle und Jérôme Boateng nicht auf der Hut. Man kann Trainer Niko Kovac nicht vorwerfen, er würde keine Lösungen suchen. Dass Kimmich wie bei Bundestrainer Joachim Löw auf der Sechserposition spielen durfte, zum ersten Mal bei Bayern in einem Pflichtspiel, klang nach einem logischen Plan.

Nach Thiagos Verletzung klaffte im ohnehin ideenlosen Spiel der Bayern noch eine weitere kreative Lücke, die glaubte Kovac wohl eher mit Kimmich schließen zu können als mit Javier Martinez. Aber das Experiment misslang gründlich, weil der etatmäßige Außenverteidiger anders als in der Nationalmannschaft, freundlich ausgedrückt, nicht zurechtkam mit der Rolle, wie unter anderem die nur 13 Prozent gewonnen Zweikämpfe belegen.

Eine andere Lösung fiel Kovac reichlich spät ein, wie die mutmaßlich nicht ganz objektive Frau von Thomas Müller fand. "Mehr als 70 Min bis der mal nen Geistesblitz hat", postete Lisa Müller, weil der Gatte so lange warten musste, bis er eingewechselt wurde. Thomas Müller fand das "im Nachhinein nicht unbedingt super. Aber sie liebt mich halt, was soll ich machen?" Ein wenig gibt dieser Post einen Einblick ins Innenleben der Bayern. Ganz so kritiklos scheinen die Spieler, auch wenn es in dem Fall eine Spielerfrau war, dem Trainer nicht gegenüberzustehen.

Dass immer wieder Interna nach außen dringen, tut Kovac ab. Das habe es schon gegeben, als er noch selbst gespielt hat, und das werde es immer geben. Egal, ob die Informationen von einem Spieler direkt oder über einen Berater lanciert werden, es erlaubt die Spekulationen, dass Kovac die Kabine entgegen aller Beteuerungen bei Bayern doch nicht so im Griff hat. Beim FC Bayern ist derzeit einiges nicht so, wie es der Verein gerne glauben lassen will.

Datenschutz
Datenschutz

Quelle: n-tv.de