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Sport
Russische Kinder lernen im WM-Jahr bei einem besonderen Projekt die deutsche Sprache.
Russische Kinder lernen im WM-Jahr bei einem besonderen Projekt die deutsche Sprache.(Foto: Katrin Scheib)
Samstag, 24. März 2018

WM-Countdown (82): Goethe spielt in Russland Fußball

Von Katrin Scheib, Moskau

A wie Anstoß, B wie Ball, C wie… hm, mal überlegen: Ein besonderes Lernprojekt bringt russischen Schulkindern im WM-Jahr die deutsche Sprache näher: Sie reden über Fußball und spielen auch selber.

Schiller auf Linksaußen! Goethe geht über rechts! Aus der Tiefe des Raumes kommt Michael Antonov! Okay, kann losgehen - Anpfiff zum Deutschunterricht.  Die "Schule Nr. 1955" liegt im Norden von Moskau, ein durchschnittliches Gebäude in einem durchschnittlichen Stadtteil. Im Eingangsbereich ein paar Retro-Plakate aus Sowjetzeiten, die dazu aufrufen, fleißig zu lernen und der Mutter im Haushalt zu helfen, ansonsten auch hier: Alltag. Wer etwas Besonderes erleben will, der muss rauf in den ersten Stock, in den Klassenraum, den Michael Antonov gerade betreten hat: Hier lernt eine Gruppe von Fünftklässlern Deutsch - durch Fußball.

Unsere Kolumnistin

Katrin Scheib ist Journalistin, Schalke-Fan und kommt aus dem Rheinland. Als die deutsche Mannschaft 2014 in Brasilien Fußball-Weltmeister wurde, war sie gerade nach Moskau gezogen. Seitdem bloggt sie unter kscheib.de über ihren Alltag und informiert mit ihrem "Russball"-Newsletter jede Woche über den Fußball und die WM-Vorbereitungen in Russland. Und nun schreibt sie für n-tv.de den Countdown, bis das Turnier am 14. Juni beginnt.

"Heute wiederholen wir ein bisschen", begrüßt Antonov seine Schüler, während ihm die gerahmten Porträts deutscher Dichter über beide Schultern blicken. "Ihr kennt jetzt schon so viele Fußballwörter, das reicht für ein ganzes Fußball-Alphabet." Konzentriertes Getuschel, in Zweiergrüppchen füllen die Schüler einen Bogen aus: A wie Anstoß, B wie Ball, C wie… hm, mal überlegen. Zwischendurch hilft der Deutschlehrer mit kleinen Tipps weiter: "Ihr könnt Substantive oder Verben nehmen", sagt er dann zum Beispiel, oder erinnert daran, dass im Deutschen Substantive ja gerne mal kombiniert werden: "M wie Meisterschaft ist gut - welche Meisterschaften fallen euch denn ein?" - "Europameisterschaft!" - "Weltmeisterschaft!" - "Na schaut, und schon habt ihr drei Wörter!"

Solche Fußball-Alphabete entstehen derzeit nicht nur in Moskau. Auch in Nischni Nowgorod, Jekaterinburg, Kaliningrad, Samara, Wolgograd, St. Petersburg, Rostow am Don und Sotschi schreiben Deutschschüler in diesen Tagen "dribbeln", "Elf" und "Fußballfan" auf ihre Arbeitsblätter, notieren "Gesänge", "Halbzeit" und "Innenverteidiger". Unter dem Motto "Mit Deutsch zum Titel" hat das Goethe-Institut das Schulprojekt ins Leben gerufen, Schirmherr ist J wie Jogi Löw. Parallel tourt auch eine Posterausstellung zur "Fußballnation Deutschland" durch Russland - bis zur WM wird sie unter anderem noch in Perm, Krasnodar, Tomsk und Tjumen gezeigt.

"Mit Deutsch zum Titel"

Russlandweit beteiligen sich 70 Schulen an dem Deutschlernprojekt, das macht ungefähr 1500 Schüler sowie 140 Lehrer - und nur die Hälfte von ihnen unterrichtet Deutsch. Denn zum Projekt gehört nicht nur eine zusätzliche Deutschstunde pro Woche für alle Teilnehmer, sondern auch eine Extrastunde Sportunterricht. "Heute haben wir dribbeln und passen geübt und auch ein paar Tricks," erzählt Dimitri Gorbatschow, Sportlehrer an der Schule Nummer 1955.

Er und sein Kollege Michael Antonov kennen sich schon lange, früher haben sie gemeinsam in der Jugend von Lokomotive Moskau gespielt, nun betreuen sie beide die Fünftklässler, die bei "Mit Deutsch zum Titel" mitmachen. 15 haben sich gemeldet, ein Drittel davon sind Mädchen. Den zehn bis elf Jahre alten Schülern, erklärt Gorbatschow, nutze es auch, dass die Sportstunde vor der Deutschstunde liege: "Gerade in dem Alter hilft es ihnen bei der Konzentration, wenn sie vorher hier ihre Energie loswerden konnten."

R wie Rasen, S wie Schiri, T wie Torwart - im Klassenzimmer ist die Deutschstunde bald vorbei. Michael Antonov steht vorne und lässt sich von seinen Schülern zurufen, welche Begriffe sie gefunden haben. Um die Beteiligung muss er sich dabei keine Sorgen machen, alle wollen möglichst viele Wörter loswerden. U wie Uhr, V wie Verteidiger - und W wie Weltmeister? Na, wer wird im Juli beim Finale im Moskauer Luschniki-Stadion gewinnen? Auch hier sind die Schüler nicht schüchtern: "Spanien!" - "Brasilien!" - " Nein, Russland!" - "Argentinien!" Nur "Deutschland" ruft niemand.

Quelle: n-tv.de