Fußball

Reaktionen auf Bundesliga-Stopp "Größte Krise des deutschen Fußballs"

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Hans-Joachim Watzke macht sich große Sorgen.

(Foto: imago/DeFodi)

Spät entscheidet sich die DFL, den Spielbetrieb in den obersten deutschen Fußball-Ligen ab sofort einzustellen. Die Reaktionen auf die Entscheidung sind fast einmütig in dieser "größten Krise des deutschen Fußballs".

Lange hatte sich die Deutsche Fußball-Liga gegen eine Absage des 26. Spieltags gewehrt, die "Dynamik des heutigen Tages" sorgte dann am Freitag doch noch dafür, dass auf einmal kein Spielraum mehr da war: Die obersten deutschen Fußball-Ligen stellen ab sofort und mindestens bis zum 2. April den Spielbetrieb ein. Dass am Wochenende doch nicht mehr, wenn auch vor leeren Rängen, gespielt wird, sorgt für Zustimmung und Erleichterung bei den Protagonisten.

Frank Baumann, der Geschäftsführer von Werder Bremen, hatte als einer der ersten Bundesligaverantwortlichen Planungssicherheit: Schon am Vormittag hatte die Bremer Innenbehörde unabhängig von einer DFL-Entscheidung das für Montag geplante Spiel gegen Bayer Leverkusen abgesagt: "Keiner kann seriös sagen, wie es in den nächsten Wochen weitergehen wird. Deshalb macht es Sinn, auch diesen Spieltag abzusagen, um wieder etwas Zeit zu gewinnen: Wie entwickelt sich das Virus weiter? Welche Möglichkeiten gibt es?" Und weiter: "Es ist eine komplett neue Situation, die noch niemand in der Bundesliga miterlebt hat. Die Mannschaft soll jetzt mal runterkommen, die Spieler sollen bei ihren Familien sein. In den nächsten Wochen muss dann eine neue Spannung aufgebaut werden."

"Konsequente, logische, richtige Entscheidung"

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Steffen Baumgart plagte sich mit Corona-Symptomen, wurde aber negativ getestet.

(Foto: imago images/kolbert-press)

Auch Baumanns Kollegen sind beinahe geschlossen einverstanden mit der Absage: "Wir tragen die Entscheidung der DFL vollständig mit", sagte Wolfsburgs Geschäftsführer Jörg Schmadtke. "Angesichts der aktuellen Lage und des nicht absehbaren weiteren Verlaufs der Epidemie ist das eine konsequente, logische und die einzig richtige Entscheidung."

Fredi Bobic, Sportvorstand von Eintracht Frankfurt, schaut schon nach vorne: "Es ist die vernünftigste Lösung, in Anbetracht der rasanten und unübersichtlichen Entwicklung, auch den 26. Spieltag auszusetzen. Die Gesundheit aller steht an erster Stelle. Jetzt müssen wir alle einen kühlen Kopf bewahren und in der DFL-Sitzung am Montag gemeinschaftlich kluge und sinnvolle Entscheidungen im Sinne des Fußballs treffen."

Besonders dringlich war eine schnelle und konsequente Entscheidung der DFL für die Klubs, die heute eigentlich um Punkte hätten kämpfen sollen. Kaum an Fußball zu denken war dabei besonders für Spieler, Trainer und Verantwortliche von Fortuna Düsseldorf und dem SC Paderborn, die am Abend ein "Abstiegsendspiel" hätten abhalten sollen:  Paderborns Trainer Steffen Baumgart hatte tagsüber über Unwohlsein geklagt und mit für eine Corona-Infektion typischen Symptomen im Zimmer des Teamhotels in Düsseldorf gelegen, ein Test auf das Virus fiel allerdings negativ aus. Ergebnisse von Spielern standen noch aus.

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Uwe Rösler kann vorerst nicht um Punkte für den Klassenerhalt kämpfen.

(Foto: imago images/Nordphoto)

Thomas Röttgermann, Vorstandsvorsitzender Fortuna Düsseldorf, war denn entsprechend erleichtert: "Die Gesundheit und der Schutz müssen absoluten Vorrang vor aktuellen wirtschaftlichen Überlegungen haben. Das Risiko, heute zu spielen, wäre zu hoch. Daher waren wir in einem stetigen, engen Austausch mit der DFL und begrüßen diese Entscheidung."

Sein Trainer Uwe Rösler hatte ebenfalls keinen Kopf für das wichtige Spiel: "Unter Berücksichtigung der Entwicklungen der letzten Tage und Stunden, unter anderem beim SC Paderborn, ist es die einzig richtige Entscheidung, den gesamten Spieltag abzusagen und zu verlegen. Das ist im Sinne der Gesundheit aller Beteiligten. Die Spieler und Zuschauer sind die wichtigsten Protagonisten eines Fußballspiels - sie und ihr Umfeld gehören in einer solchen Ausnahmesituation geschützt. Deshalb begrüße ich die Bemühungen des Vereins sowie die Entscheidung der DFL ausdrücklich."

Hertha-Geschäftsführer Michael Preetz kritisiert nur den späten Zeitpunkt:: "Auch wenn die Meldung zur Verlegung kurzfristig kam, so ist die Entscheidung dennoch nachvollziehbar. Vorausgesetzt, die Liga folgt am Montag der Empfehlung des Präsidiums, haben wir nun einige Wochen Zeit, die Entwicklungen bezüglich des Virus zu beobachten und dann die Situation neu zu bewerten."

Alexander Wehrle, Geschäftsführer des 1. FC Köln und DFL-Präsidiumsmitglied hatte die Entscheidung der DFL gegenüber RTL/ntv unter anderem unter Verweis auf eine vermutete Ausbreitung des Virus unter den Bundesliga-Protagonisten erklärt: "Wir haben uns heute Nachmittag dazu entschieden alle Spiele abzusagen, weil weitere Verdachtsfälle aus der 1. und 2. Bundesliga dazu gekommen sind. Es ist nicht auszuschließen, dass morgen oder am Sonntag weitere hinzukommen. Die Gesundheit aller hat oberste Priorität. Nächste Woche werden wir gemeinsam überlegen wie es weitergeht."

"Größte Krise" des deutschen Profifußballs

In der 2. Liga, die ebenfalls bis mindestens Anfang April pausieren wird, hätte heute Greuther Fürth den Hamburger SV zum Spitzenspiel empfangen. HSV-Boss Bernd Hoffmann ist trotz der langen, am Ende vergebenen Anreise in den Süden, völlig einverstanden mit den Konsequenzen: "Wir haben volles Verständnis für die Entscheidung der DFL, diesen Spieltag abzusagen und vorzuschlagen, den weiteren Spielbetrieb vorerst auszusetzen. Das Wohl der Gesellschaft steht über allem. Wir hoffen im Sinne der gesamten Bevölkerung, dass wir als Fußball mit dieser Maßnahme unseren Teil zur Eindämmung des Virus beitragen können."

Leise Kritik gibt es aus Dortmund: "Das Präsidium der DFL hat eine Entscheidung getroffen, die es zu respektieren gilt - unabhängig davon, dass es sicher auch andere Ansätze gegeben hätte", sagte der BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. "Wir müssen das jetzt alle gemeinsam solidarisch tragen und am Montag die entsprechenden Ableitungen diskutieren. Gleichwohl gilt - auch abhängig von dem, was am Montag beschlossen wird -, dass sich der deutsche Profi-Fußball in der größten Krise seiner Geschichte befindet." Am Montag treffen sich die 36 Klubs der Bundesliga und der 2. Liga, um über die Situation zu diskutieren. "Es steht zu hoffen, dass die Bundesliga-Klubs in den vergangenen Jahren so viel Substanz gebildet haben, dass alle diese Krise überstehen." Eine existenzielle Gefährdung des BVB schloss er nach aktuellem Stand aus.

Jerome Boateng, Innenverteidiger des FC Bayern München, brachte es auf den Punkt: "Wir alle lieben dieses Spiel, aber am Ende gibt es weit wichtigere Dinge im Leben als Fußball. Es ist die richtige Entscheidung, jetzt zu stoppen und alles zu tun, um das Virus zu stoppen."

"Das ist verrückt!"

Zuvor hatte es harsche Kritik aus der Liga am Plan der Verantwortlichen gegeben, den Spieltag noch irgendwie durchzuziehen. "Fußballer werden in dieser Situation wie Affen im Zirkus behandelt", schrieb Torwart Rafal Gikiewicz vom Aufsteiger Union Berlin. Bayern Münchens Mittelfeldstar Thiago twitterte: "Das ist verrückt. Bitte hört auf herumzualbern und kommt in der Realität an. Lasst uns ehrlich sein, es gibt wichtigere Prioritäten als Sport."

Abwehrspieler Uwe Hünemeier vom SC Paderborn äußerte sich ebenfalls beim Kurznachrichtendienst: "Es ist nicht der Zeitpunkt, um noch Zeit zu verlieren!! Priorität hat einzig und allein die Gesundheit aller." Oliver Glasner, Trainer des Fußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg, hat Kritik an den Ansetzung von acht "Geisterspielen" an diesem Wochenende geübt. "Das ist nicht die konsequenteste Lösung. Im Sinne der Zivilcourage hätte man absagen können", sagte der 45-Jährige am Freitag mit Verweis auf die Corona-Problematik. Der Österreicher fügte hinzu, dass in den großen europäischen Ligen nur in der Bundesliga ein Spieltag absolviert wird: "Das ist sehr skurril."

Quelle: ntv.de, ter/sid