Fußball

Bayern-Gala mit drei Makeln Lewandowski erschüttert die Champions League

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Auftrag erledigt: Robert Lewandowski.

(Foto: dpa)

Der FC Bayern marschiert weiter mit gnadenloser Dominanz durch die Champions League. Vier Siege und 17:2 Tore sind absolut titelreif. Beim 5:2 gegen Benfica Lissabon liefert Robert Lewandowski die ganz große Show. Dennoch treten auch die altbekannten Probleme wieder auf.

In München sind am Dienstagabend Dinge passiert, die man in München nicht kennt. Nein, nein, der FC Bayern hat nicht verloren, keine Panik. Ganz im Gegenteil. Der FC Bayern hat in der Champions League einen verdammt souveränen Sieg eingefahren. Nach dem simplen Playstation-Prinzip. Wenn man es mal knallhart verzwergen will. Zwei schnelle Außenstürmer, die ihre Gegenspieler maßlos überfordern, und ein Mann im Strafraum, der fast alles richtig machte. Und jetzt Obacht, denn das Wort "fast" ist ganz wichtig für diesen Abend in München, an dem Dinge passiert waren, die man in München nicht kennt. An diesem Abend, an dem Benfica Lissabon mit 5:2 (2:1) paniert worden war.

Bayern München - Benfica Lissabon 5:2 (2:1)

Tore: 1:0 Lewandowski (26.), 2:0 Gnabry (32.), 2:1 Morato (38.), 3:1 Sane (49.), 4:1 Lewandowski (61.), 4:2 Nunez (74., nach Videobeweis), 5:2 Lewandowski (84.).
München: Neuer - Pavard, Upamecano, Nianzou, Davies (65. Richards) - Goretzka, Kimmich (72. Sabitzer) - Coman (64. Musiala), Gnabry (85. Sarr), Leroy Sane (72. Thomas Müller) - Lewandowski. - Trainer: Nagelsmann
Lissabon: Vlachodimos - Gilberto, Verissimo, Vertonghen, Morato, Grimaldo (77. Ramos) - Meite, Joao Mario (77. Bernardo) - Pizzi (64. Rafa), Everton (64. Goncalves) - Yaremchuk (64. Darwin). - Trainer: Jesus
Schiedsrichter: Szymon Marciniak (Polen)
Zuschauer: 50.000

Nun, was war passiert? Ach, so allerhand. So muss man es sagen. Die gute Nachricht war ja bereits Stunden vor dem Anpfiff des vierten Spieltags in der Königsklasse durchgestochen worden. Dieses Mal direkt vom Verein und nicht über ein gut informiertes Medium: Trainer Julian Nagelsmann konnte seine Küche endlich wieder der eigentlichen Bestimmung übergeben, er durfte sein gigantisches Home-Office abbauen und nach überstandener Corona-Infektion zurückkehren an die Seitenlinie. Dort war er vermisst worden. Das hatte Alphonso Davies am Montag stellvertretend für das Star-Kollektiv des FC Bayern berichtet.

Nun stand er, Nagelsmann, wieder da, wo er so gerne steht und machte wahr, was er angekündigt hatte. Er gab ein paar Spielern Pausen. Zu denen gehörte unter anderem Thomas Müller. Jaja, auch das kennt man in München nicht (mehr). Man muss in der Vereinschronik schon bis zum Kapitel Kovac zurückblättern, um den Müllerthomas in dieser ungewohnten Rolle als Premium-Zuschauer zu finden. Womöglich hat er auch nach dem Kovac-Ära'chen noch mal auf der Bank gesessen. Nur kann man sich daran nicht erinnern. Egal. Bleibt dabei: kennt man so nicht. Andere Sache: Überraschend stand auch Tanguy Nianzou in der Startelf. Dem hatte der Trainer in den vergangenen Tagen in der Öffentlichkeit bescheinigt, dass er einfach zu viele Fehler mache (im Training) und deswegen keine Option sei. Manche Medien hatten das Top-Talent aus Frankreich danach bereits abgeschrieben.

Upameanco enttäuscht schon wieder

Gegen Lissabon machte er seine Sache im Prinzip gut und vor allem deutlich besser als Nebenmann Dayot Upamecano, der wieder einmal gar kein gutes Spiel machte und an beiden Toren der Portugiesen seinen Anteil hatte. Beim zweiten Gegentreffer durch Darwin Nunez trabte Nianzou allerdings ein wenig zu lässig hinterher. Ja, die Abwehr, die bleibt das große Thema beim FC Bayern. Wer regelmäßig, die Ausnahme war das krachende 0:5 im DFB-Pokal bei Borussia Mönchengladbach, vier oder fünf Tore schießt, der kann die eigene Anfälligkeit zwar als Luxus-Problem verbuchen, aber es ist halt so: Auch Luxusprobleme sind Probleme und wie schnell sie einen Titel kosten können, haben die Bayern eben leidvoll erfahren.

Aber dieser Abend verdient einen anderen Fokus. Mann des Spiels war nämlich wieder einmal der unglaubliche Robert Lewandowski. Drei Tore hatte der Pole erzielt und noch einen wundervollen Hackentreffer von Serge Gnabry vorbereitet. Auch der wieder sehr starke und überall präsente Leroy Sané traf noch. Lewandowski war daran indes nicht beteiligt. Egal, er stellte sein Königsklassen-Konto auf nun 81 Treffer. Nur Cristiano Ronaldo (139) und Lionel Messi (123) sind noch besser, doch nach 100 Spielen in der Champions League, dieses Jubiläum feierte Lewandowski mit seiner Torshow, hatten selbst die Superstars nicht so oft getroffen wie der Münchner. Allerdings hatte dieser wieder wundervolle Abend einen Makel, wie der Bayern-Star fand. Perfekt wäre er nämlich nur gewesen, hätte er direkt vor der Pause einen Elfmeter nicht in die Arme des starken Torhüters Odisseas Vlachodimos geschoben, sondern ihn versenkt. So wie er es eigentlich immer tut. In München sind eben Dinge passiert, die man in München nicht kennt.

Trotzdem kannten Liebe und Anerkennung für den Torjäger an diesem Dienstagabend kein Limit. "Er ist aktuell der kompletteste und beste Spieler der Welt", lobte der frühere Münchner Sportvorstand Matthias Sammer etwa. Falls Sie sich fragen, wo der auf einmal herkam, nun, er war als Experte für Amazon Prime (dort wurde das Spiel übertragen!) zu Gast im Stadion. Und natürlich freute sich auch der Trainer über die Gala seines Unverzichtbaren: "Er will immer weiter treffen. Das zeichnet ihn aus. Die Quote ist beeindruckend", lobte Nagelsmann, der bei seinem Comeback in der Arena verdammt viel gute Laune in sich spürte: "Es hat Spaß gemacht, zuzuschauen. Natürlich haben wir zwei Standardtore bekommen. Dennoch war es ein unfassbar gutes Spiel von uns."

Coman macht ein unfassbares Spiel

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Offensiv war das wirklich herausragend. Nicht nur wegen Lewandowski. Man hätte auch Kingsley Coman zum Mann des Spiels ernennen können. Was der Franzose, dessen Zukunft in München wegen äußerst anstrengender Vertragsgespräche völlig offen scheint, mit Gegenspieler Alex Grimaldo veranstaltete, das war absurd. Grimaldo war dermaßen überfordert, wie man es auf diesem Niveau eigentlich selten sieht. Man kann es aber auch so sehen: Der 25-jährige Coman wies auf der rechten Außenbahn beeindruckend nach, warum ihn Nagelsmann für einen der "Top-Flügelspieler des Planeten" hält. Die Angriffswucht der Münchner ist maximal beeindruckend. Das Ticket für das Achtelfinale wurde nach vier Spieltagen mit 17:2 Toren gebucht. Das ist titelreif. Allerdings täuscht die Zahl der (zwei) Gegentreffer doch darüber hinweg, wie anfällig die Mannschaft bisweilen ist. Wie schon gegen Union Berlin zuletzt (beim 5:2-Erfolg), war es phasenweise reichlich wild. Nagelsmann weiß das. Nagelsmann mag das nicht. Nagelsmann geht das an.

Eine Nagelprobe (haha) wartet bereits am Samstag (15.30 Uhr Sky sowie im ntv.de-Liveticker), wenn es in der Bundesliga daheim gegen den Tabellendritten SC Freiburg (!) geht. Nicht, dass in München dann wieder Dinge passieren, die man in München nicht kennt.

Quelle: ntv.de

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