Fußball

Müller offen, Kimmich verärgert Nagelsmann lügt nicht und der FC Bayern macht Fehler

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Thomas Müller ist in München keine Stammkraft mehr in der Startelf.

(Foto: IMAGO/Matthias Koch)

Mit einem Unentschieden startet der FC Bayern ins Bundesliga-Jahr 2023. Nach dem Auswärtsspiel in Leipzig sprechen Joshua Kimmich und Thomas Müller über Probleme auf Münchner Seite, Sportvorstand Hasan Salihamidžić benennt mehrere sogar konkret. Er sieht aber auch einen Lösungsansatz.

Joshua Kimmich versuchte erst gar nicht erst, seinen Fehler aus der 52. Minute zu beschönigen. "Ich muss ihn rausprügeln", sagte der Kapitän des FC Bayern über den Ball, den er eben nicht in den Abendhimmel über dem einstigen Zentralstadion gejagt, sondern ohne erkennbare Not zentral vor den eigenen Strafraum gechippt hatte. Dort fing Leipzig das missglückte Zuspiel ab, kombinierte sich vors Tor, wo Marcel Halstenberg zum 1:1-Ausgleich vollendete. "Am Ende des Tages gewinnen wir das Spiel ohne meinen Fehler", erklärte Kimmich, der zwischen Fehlpass und Gegentor auch noch einen Zweikampf verloren hatte: "Wir haben zu viele einfache Fehler gemacht."

Auch Thomas Müller hatte in der ersten Bundesliga-Partie des Jahres "viele Fehler" gesehen, als er nach dem Abpfiff in den Katakomben vor die Mikrofone trat. Mehr als 80 Minuten hatte der 33-Jährige den verbesserungswürdigen Auftritt seiner Münchner von draußen verfolgen müssen, ehe er in der Schlussphase dieses Spitzenspiels zumindest noch zu einem Kurzeinsatz kam. "Wenn du 1:0 führst, willst du natürlich gewinnen", sagte Müller, "aber nüchtern betrachtet ist ein Punkt auswärts in Leipzig akzeptabel, sag' ich mal." Eine realistische Einschätzung, zumal der FC Bayern nach dem Tor von Eric Maxim Choupo-Moting in der 37. Minute die Leipziger Defensive lange Zeit kaum mehr herausfordern konnte und selten gefährliche Abschlusspositionen erreichte.

"Wir haben kein gutes Spiel gemacht", resümierte daher auch Sportvorstand Hasan Salihamidžić. An "Genauigkeit" habe es dem Tabellenführer gemangelt, "die Aggressivität" habe ebenfalls zu wünschen übriggelassen, und "viel mehr Intensität" müsse ebenfalls her, wenn es mit der elften Meisterschaft in Serie klappen soll. So positiv das Fazit der Vorbereitung auch ausgefallen sein mag, nun deutete Salihamidžić an, körperliche Defizite erkannt zu haben: "Wir müssen uns wahrscheinlich die Fitness auch über den Wettkampf holen, über die Spiele." Der Terminplan ist voll, die Partie in Leipzig war die erste von fünf innerhalb von 17 Tagen.

Das Leistungsprinzip spricht offenbar gegen Müller

Der Ex-Profi vergaß bei aller Selbstkritik allerdings nicht, den Leipzigern verdientermaßen "auch ein Kompliment" für ihr engagiertes Auftreten auszusprechen. Die Gastgeber bestimmten besonders nach dem Seitenwechsel die Partie. Sie verpassten es dabei allerdings, aus den fußballerischen Vorteilen mehr zu machen als ein Unentschieden. Und dem FC Bayern damit noch mehr Kopfzerbrechen zu bereiten.

Denn den Münchnern war anzumerken, dass die aktuelle Situation auch ohne Niederlage eine herausfordernde ist. Mit Manuel Neuer und Lucas Hernández fallen zwei Stammkräfte schwer verletzt für den Rest der Saison aus, Sadio Mané fehlt seit Anfang November, bei Noussair Mazraoui wurde nach seiner Corona-Infektion bei der Weltmeisterschaft eine Herzbeutelentzündung diagnostiziert: Rückkehr ungewiss. Bei den deutschen Nationalspielern bleibt abzuwarten, ob sie das bittere WM-Vorrundenaus über den Jahreswechsel hinter sich lassen können oder - wie Kimmich bei seinem Fehlpass in der 52. Minute - an die glücklosen Auftritte in Katar anknüpfen.

Dazu kommt die nächste Debatte um Thomas Müller, dessen Form allem Anschein nach aktuell nicht für die Startelf ausreicht. Trainer Julian Nagelsmann setzte stattdessen in der Sturmspitze auf Eric Maxim Choupo-Moting, in der Dreierreihe dahinter waren Serge Gnabry, Jamal Musiala und Leroy Sané die erste Wahl. "Wer gute Leistungen bringt, der wird auch spielen", sagte Salihamidžić grundsätzlich dazu und hob das "Leistungsprinzip beim FC Bayern" vor. Was demnach bedeuten würde, dass Müller unter den Kandidaten für die vier Positionen in der Offensive bestenfalls auf Rang fünf liegt. Eine Situation, die es zu beobachten gilt - wobei Müller selbst damit offenbar entspannt umgeht.

Fünf Spiele in 17 Tagen

"Natürlich bin ich heiß drauf, Minuten zu sammeln", sagte er, "aber insgesamt stehe ich da mit dem Trainer im guten Austausch". Diese wertschätzende Kommunikation hatte zuvor auch Julian Nagelsmann betont, was Müller auf Nachfrage zunächst mit "absolut" bejahte, ehe er in all seiner verschmitzt grinsenden Thomas-Müller-Haftigkeit festhielt: "Da hat er nicht gelogen." Nagelsmann und er "reden da ganz offen miteinander", was wenig verwundere, denn "wir sind beide sehr kommunikativ", so die Münchner Vereinsikone weiter, die vor mehr als 14 Jahren im August 2008 erstmals in der Bundesliga aufgelaufen war.

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"Wir sind beide daran interessiert", führte Müller aus, "dass der FC Bayern so viele Titel wie möglich gewinnt". Dafür sei es unverzichtbar, dass "jeder Einzelne" bereit sei, "sich da dem Team unterzuordnen, das gilt genauso für mich". Eine klare Haltung, zumal Müller bei all seiner unbestrittenen Klasse ohnehin nicht alle Probleme der Münchner lösen kann. Aussagen wie jene an diesem eiskalten Freitagabend in Leipzig aber helfen dabei, das Sportliche in den Fokus zu nehmen.

Das dürfte Hasan Salihamidžić gefallen, zumal dieser nach der Verpflichtung von Torwart Yann Sommer und Abwehrspieler Daley Blind keine Notwendigkeit mehr sieht, in diesem Wintertransferfenster noch ein weiteres Mal tätig zu werden. Stattdessen betont auch er die Notwendigkeit, die richtigen Schlüsse aus den von seinen Spielern angesprochenen Fehlern zu ziehen. "Das müssen wir am Dienstag gegen Köln besser machen", lenkte er den Blick schon auf das Heimspiel zum Abschluss der Hinrunde in der ersten von zwei aufeinanderfolgenden Englischen Wochen. Danach dürfte dann schon etwas deutlicher zu erkennen sein, ob die Fehler behoben werden konnten - oder ob sie sich wider Erwarten manifestiert haben.

Quelle: ntv.de

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