Fußball

Kettenkunde gegen Lettland Plant Löw zur EM die Kimmich-Revolution?

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Kimmich, ein Mann für alle Taktiken?

(Foto: imago images/Revierfoto)

Fünfer-, Vierer-, Dreierkette? Joachim Löw steht vor einer Systementscheidung. Mit einer stabilen Defensive soll es in die Fußball-EM gehen. Gegen Lettland will er weiter üben lassen - und deutet an, dass auf Mittelfeldchef Joshua Kimmich eine neue Jobbeschreibung warten könnte.

Worum geht's?

Es ist das zweite und zugleich letzte Testspiel der deutschen Fußballnationalmannschaft vor der EM, die für das Team des nach dem Turnier abdankenden Bundestrainers Joachim Löw am 15. Juni mit der Partie gegen Frankreich in München beginnt. Daran hat sich nach dem ein wenig enttäuschenden 1:1 (0:0) gegen Dänemark am Mittwoch in Innsbruck nichts geändert. In Düsseldorf geht an diesem Montag vor immerhin 1000 Zuschauern gegen Lettland (ab 20.45 live bei RTL und im Ticker bei ntv.de) darum, viele Tore zu schießen, zu gewinnen und frischen Mutes in die Europameisterschaft zu starten. Das ist den Letten gegenüber nicht despektierlich gemeint, aber sie gehören nun einmal nicht zu den Großen des Weltfußballs. "Es ist ganz wichtig, dass wir noch mal ein geiles Spiel abliefern und mit einer positiven Grundstimmung in die EM gehen", sagte Robin Gosens von Atalanta Bergamo. Und bevor wir es vergessen: Kapitän Manuel Neuer vom FC Bayern steht vor seinem 100. Länderspiel. Das hat in Deutschland noch kein Torhüter vor ihm geschafft.

Dreier- oder Viererkette - was ist der Plan?

Voraussichtliche Aufstellungen: Deutschland - Lettland, 20.45 Uhr

Deutschland: Neuer - Ginter, Hummels, Rüdiger - Hofmann, Kimmich, Kroos, Gosens - Müller, Havertz - Gnabry. - Trainer: Löw
Lettland: Ozols - Oss, Cernomordijs, Savalnieks, Jurkovskis - Karklins, Emsis, Jaunzems, Zjuzins, Ciganiks - Uldrikis. - Trainer: Kazakevičs
Schiedsrichter: Nikola Dabanović (Montenegro)

Grundsätzlich aber scheint die Frage nach dem Plan der deutschen Mannschaft noch nicht so ganz geklärt. Wie will sie die Vorrunde überstehen - gegen den Weltmeister aus Frankreich, den Europameister aus Portugal und gegen Ungarn? Wie gegen Dänemark mit einer Dreierkette, die eigentlich eine Fünferkette ist, weil sich im Verteidigungsfall zu den drei Innenverteidigern links und rechts zwei Außenverteidiger gesellen? Oder mit einer Viererkette in der Abwehr, wie meist? Das Konzept der Dreierkette basiert darauf, im Zweifel einen Abwehrspieler mehr auf dem Platz zu haben. Weniger Risiko, weniger Spaß, dafür mehr Absicherung. Es ist eigentlich ein Konzept für Außenseiter gegen Teams, die spielerisch und individuell besser sind. Bundestrainer Joachim Löw sagte in Innsbruck, die Dreierkette sei "eine Option für das Turnier". Und es ist ja auch nicht völlig abwegig, gegen den französischen Angriff mit Koryphäen wie Kylian Mbappé, Antoine Griezmann und Karim Benzema die vermeintlich sicherere Variante, quasi den Bausparvertrag unter den Taktikkonzepten zu wählen und die Mannschaft so aufzustellen, dass die Hälfte aller Feldspieler aus Verteidigern besteht. Oder?

Zehn Bewerber für fünf offensive Plätze - und nun?

Der Nachteil liegt auf der Hand, dafür muss man kein Mathematikgenie sein: Wer einen Verteidiger mehr aufbietet, dem fehlt halt ein Spieler im Mittelfeld oder im Angriff. Damit beraubt man sich seiner offensiven Stärke, schränkt sie zumindest ein. Zumal im EM-Kader ein Überangebot an guten Mittelfeldspielern herrscht. Die gängige Rechnung lautet so: Die Münchner Joshua Kimmich und Leon Goretzka, der nach seinem Muskelfaserriss das Auftaktspiel wohl verpassen wird, İlkay Gündoğan von Manchester City und Altmeister Toni Kroos von Real Madrid bewerben sich um die Jobs als Sechser und Achter. Kai Havertz vom FC Chelsea, Thomas Müller vom FC Bayern und seit seinem starken Auftritt gegen Dänemark auch der Mönchengladbacher Florian Neuhaus spekulieren auf einen Platz im offensiven Mittelfeld, wobei Havertz und Müller auch ganz vorne spielen können. Nur: Da gibt es ja auch noch die Münchner Serge Gnabry und Leroy Sané sowie Timo Werner vom FC Chelsea. Macht zehn hochkarätige Bewerber für fünf offensive Plätze. Und nun?

Oder spielt Kimmich etwa doch auf der rechten Seite?

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Keine Panik, sagte Löw am Sonntag, dem letzten Tag im Trainingslager im österreichischen Seefeld. Es sei nämlich so: "Wenn jemand denkt, dass eine Dreierkette die defensivere Variante ist, dann täuscht er sich. Die Viererkette ist eher defensiv, da hat man vier Verteidiger." Bei der Dreier- respektive Fünferkette hingegen sei es so: "Die beiden Außenbahnspieler sind Mittelfeldspieler. Das erwarte ich von ihnen." Das ist wohl wahr, gegen Dänemark mühten sich Lukas Klostermann auf der rechten und, offensiv etwas erfolgreicher, Gosens auf der linken Seite redlich, die Offenbarung aber war das nicht. Überhaupt will er die Systemfrage nicht so hochhängen. Schließlich sei es "völlig unerheblich, ob Dreier- oder Viererkette. Eigentlich bleiben die Prinzipien völlig gleich und die Raumaufteilung auch. Wichtig ist, dass wir die Räume besetzen und Räume bespielen. Wer das macht, ist eigentlich egal."

Und auch wenn der Bundestrainer weiß, dass der Generalprobengegner "nicht diese Offensivkraft" wie Frankreich habe, will er gegen Lettland an der Dreierkette festhalten, allerdings das Personal wechseln. Gosens bleibt, und rechts könnte der Mönchengladbacher Jonas Hofmann zu Einsatz kommen. Oder aber der Bundestrainer plant eine kleine Revolution und lässt Kimmich, den Chefantreiber im zentralen Mittelfeld, doch am rechten Ende der Fünferkette ran - spätestens gegen Frankreich. Noch habe er mit ihm nicht darüber gesprochen, sagte Löw. Aber: "Jo Kimmich kann auf beiden Positionen spielen, beides ist möglich, mal schauen."

Quelle: ntv.de

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