Fußball

Irgendwas ist eben immer Niklas Süle verschläft seine EM-Chance

Joachim Löw setzt im ersten EM-Testspiel der Nationalmannschaft gegen Dänemark auf eine Dreierkette. Es geht dem Bundestrainer darum, defensiv eine Lösung zu finden, die sich als stabil erweist. Das gelingt solide, für Niklas Süle wird es trotzdem keine EM-Zukunft geben.

Nein, ein schlechtes Spiel hat Niklas Süle nicht gemacht. Wer das Gegenteil behauptet, der meint es einfach nicht gut mit dem Innenverteidiger des FC Bayern. Blöd ist nur: Beim Gegentor der deutschen Nationalmannschaft im ersten EM-Testspiel gegen Dänemark war er federführend beteiligt. Um die Schuldfrage zu klären, ob es nun Süle war, dem das Tor des Leipzigers Yussuf Poulsen anzulasten war, oder doch Rückkehrer Mats Hummels, lassen sich für beide Anklagen gute Argumente finden. Hummels löst sich früh von Poulsen, um ins Zentrum zu rücken. Im Wissen, dass Süle nah am Gegenspieler ist. Doch der 25-Jährige geht den Weg des Dänen nicht mit, sondern setzt zur Grätsche an. Er will das Zuspiel verhindern. Das misslingt. Er grätscht vorbei. Hummels orientiert sich zurück, kommt zu spät, Tor, 1:1. Eine Szene, die die deutsche Stimmung merklich eintrübt.

Bundestrainer Joachim Löw, in dieser Szene der Richter, urteilte schließlich so: Süle "hätte schneller den Passweg schließen können, indem er das Zentrum zumacht". Hummels habe den Pass nicht verhindern können. Tja, es passt irgendwie zur Situation des bayrischen Abwehr-Hünen: Egal wie souverän (und das war er wirklich) sein Auftritt bis dahin auch gewesen sein mochte, nehmen wir mal einen hochriskanten Pass aus der ersten Halbzeit aus der Rechnung, irgendwas ist immer. Nun eben die veschlafene Teilschuld am Gegentor. Und damit die Teilschuld an der Stimmungsbremse. Ob das Konsequenzen für seinen Platz in der Mannschaft hat? Mutmaßlich schon. Denn in der Dreierkette scheinen die Plätze vergeben. Hummels dürfte gesetzt sein. Er spielte souverän, sorgte für gute Momente im Aufbau und für klare Kommunikation. So eine Sache, die dem Bundestrainer bei seinen schweigenden Männern unbedingt wichtig ist.

Neben Hummels darf sich auch Antonio Rüdiger darauf verlassen, dass er gesetzt ist. Zu stark war er zuletzt beim FC Chelsea, mit dem er gerade erst die Champions League gewonnen hatte. Und dass Hummels ihn in Seefeld in einer Medienrunde als "weltklasse" adelte, wird seinem Standing auch nicht geschadet haben. Bleibt halt die Frage, welche Formation der Bundestrainer sich für das Turnier ausdenkt. Viererkette? Dann wäre der zentrale Block mit Hummels und Rüdiger klar. Dreierkette, wie nun gegen Dänemark? Dann dürfte Matthias Ginter den Vorzug vor Süle erhalten. Der Gladbacher ist grundsolide. Immer eine Bank. (Fast) nie die verkehrte Wahl.

Eine schwierige Lage mit Ansage

Nun, dass es für Süle nun eng werden würde, das ist keine überraschende Erkenntnis aus Innsbruck, dort fand das Spiel gegen die Dänen statt. Dass es für Süle eng werden würde, das hat einen langen Anlauf genommen. Über die Saison beim FC Bayern und über das Trainingslager in Seefeld. In München setzte Hansi Flick, der kommende Bundestrainer, meistens auf das Duo David Alaba und Jérôme Boateng. Zumindest in den entscheidenden Spielen. Und auch Lucas Hernández stand in der Wichtigkeit noch einen Platz vor dem Hünen, der sowohl beim Rekordmeister, als auch im DFB-Team eigentlich längst Chef in der Abwehrmitte sein sollte. So war zumindest vor einigen Jahren mal der Plan.

"Die letzten Wochen waren schwierig für ihn", hatte Löw erst vor wenigen Tagen über den noch im April verletzten Süle gesagt, für den neben dem normalen Training ein eigenes Fitnessprogramm ausgearbeitet wurde: "Er braucht Widerstandsfähigkeit und harte Einheiten, er wird einiges zusätzlich absolvieren", sagte Löw. Süle müsse "intensiv arbeiten, um die Form aufzubauen", betonte zudem DFB-Direktor Oliver Bierhoff und lobte die "unheimliche Qualität" des 25-Jährigen. "Meine Hoffnung ist", bekannte Bierhoff nachdrücklich, "dass er, wenn er in so einem Kreis arbeitet, wieder an seine Leistungen anknüpfen kann." Das wäre tatsächlich auch wichtig für seine unmittelbare Zukunft beim FC Bayern. Es gibt ja immer wieder Berichte, dass er auf Bewährung spielt. Sein Vertrag endet 2022, eine Entscheidung über eine mögliche Verlängerung oder einen Verkauf im Sommer soll in naher Zukunft fallen.

Übrigens: Nach einem technischen Fehler beim Ballhochhalten während einer Trainingseinheit in Seefeld bekam Süle ein paar durchaus schmerzhafte Ohr-Schnipser seiner Teamkollegen. Irgendwas ist eben immer.

Quelle: ntv.de

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