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Bayerns kitschige Meisterschaft Robben lacht, Ribéry weint, Hoeneß heult

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Einen besseren Abschied kann man sich nicht ausdenken: Franck Ribéry und Arjen Robben erzielen jeweils noch ein letztes Bundesliga-Tor für den FC Bayern.

(Foto: imago images / DeFodi)

Der FC Bayern wackelt kurz gegen Eintracht Frankfurt, feiert aber zum Ende der 56. Saison in der Fußball-Bundesliga doch eine wuchtige Meister-Party. Mittendrin Franck Ribéry und Arjen Robben. Die Abschiedler rühren mit ihren Toren Präsident Uli Hoeneß auf der Tribüne zu Tränen.

Er kassierte eine letzte gelbe Karte als Fußballer des FC Bayern. Es war seine 50. Und er nahm die Entscheidung von Schiedsrichter Sascha Stegemann ohne jeden Groll hin. Das hat er nicht immer getan. In diesem Fall aber war die Sache klar und der Anlass zu schön, als dass er sich hätte aufregen wollen. Franck Ribéry hatte sich in dieser 72. Minute das Trikot strafwürdig vom Oberkörper gezerrt. Er nahm es in beide Hände. Er breitete es aus und reckte es nach oben. So, dass die Nummer sieben auf der Rückseite für jedermann zu sehen war. Seine Nummer sieben. Zwölf Jahre hat er sie für den FC Bayern getragen, in 424 Spielen. Mit ihr hat 182 Tore vorbereitet und 124 Tore erzielt.

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Sein vorerst letztes, das Pokalfinale am kommenden Samstag steht noch aus, nur Sekunden vor der gelben Karte. Elf Minuten war der 36-Jährige auf dem Feld, als er nochmal so richtig Tempo aufnahm, den Ball eng am Fuß führte, sich durch zwei Gegenspieler dribbelte, um den Ball technisch perfekt zum 4:1 für seinen FC Bayern gegen Eintracht Frankfurt ins Tor zu lupfen. Ein Lupfer, wie ihn Ribéry geprägt hat. Mit Wucht, mit geschwellter Brust, die totale Überzeugung in sich und vor sich hertragend. Hunderte Male gesehen. Nun aber gefeiert nicht mit dem sonst so gierigen "Mia san mia" im Blick. Sondern mit vielen Tränen. Es war die vorletzte, kitschige Pointe an diesem Nachmittag, der für die Münchener mit der 29. Meisterschaft in der Fußball-Bundesliga endete. Der siebten in Serie.

Selten hatte es Robben so einfach

Die letzte kitschige Pointe besorgte schließlich Arjen Robben. Zehn Jahre angestellter Fußballer beim FC Bayern, 308 Mal gespielt, 101 Mal ein Tor vorbereitet, 144 Mal selbst getroffen. Und natürlich auch an diesem Samstag. Aber dieses Mal ganz untypisch. Diesmal dribbelte er nicht rasant wackelnd auf seinen Gegenspieler zu, diesmal macht er keinen scharfen Haken, er lief auch nicht parallel zur Strafraumgrenze um den Ball irgendwann passgenau in die entfernte Ecke zu schießen. Robben hielt in der 78. Minute einfach nur den Fuß hin, er schob den Ball aus zwei Metern ins leere Tor. Robert Lewandowski per Lupfer auf David Alaba und David Alaba mit Pass auf den lächelnden Arjen Robben hatten dieses Tor fein vorbereitet - es war das 5:1, der Endstand.

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"Der Arjen, der wie aufgedreht gespielt", staunte Präsident Uli Hoeneß, "als hätte jemand an seinem Kopf eine, eine...". Eine Schraube? "Ja, eine Schraube aufgezogen." Wie in der C-Jugend sei der Arjen über den Platz gerannt, immer da wo der Ball war. Immer mit einem Lächeln. Auch Ribéry war irgendwie immer dort, wo es an diesem Tag in der Arena was zu Großes erleben gab. Vor dem Spiel bei der offiziellen Verabschiedung von ihm, von Robben und auch von Rafinha. Es war ein Abschied mit Tränen, mit Geschenken und mit einer Choreografie in der Fankurve. Es war ein Abschiedsnachmittag, der für die beiden Legenden auf der Bank begann (für Rafinha übrigens auch). Weil sich Trainer Niko Kovac im Nervenkitzelfinale gegen jegliche Sentimentalitäten und für die sportlich stärkste Formation entschied.

Weil das mit dem Nervenkitzel aber nicht so richtig kitzelig war, endete der Nachmittag für Ribéry und Robben dann doch auf ihrem Lieblingshabitat. Auf dem Feld. Dort wo sie dem FC Bayern so irrsinnig viele Meisterschaften, Pokalsiege und einen Triumph in der Champions League erkämpft hatten. Mit Tempo, mit Dribblings mit eben jenem Traumtor des Franzosen schloss die Ära der Flügelzange in der heimischen Arena - ein letzter Gruß, ein letzter großer Moment als Erinnerung. Ein Moment, der Uli Hoeneß auf der Tribüne völlig aus der Fassung brachte, der ihn hemmungslos weinen ließ. "Dass er an so einem Tag so ein unglaubliches Tor geschossen hat, das hat mich übermannt. Da konnte ich meine Tränen nicht halten."

"Verdammt nochmal ..."

Mit ganz viel Wucht waren die Münchener an diesem 34. Spieltag zum Titel gerauscht. Und mit ein paar wenigen Minuten, in denen Präsident Hoeneß sehr nervös geworden war. Als Frankfurts eingewechselter Stürmer Sebastien Haller in der 50. Minute den Ausgleich erzielte und Borussia Dortmund bei Borussia Mönchengladbach 1:0 führte, da dachte der Patriarch: "Verdammt nochmal, jetzt müssen wir aufpassen." Tatsächlich hätte in diesem Moment ein Tor der Eintracht gereicht, um dem FC Bayern eine "Scheißsaison" zu bescheren. Die hatte Sportdirektor Hasan Salihamidzic zuletzt unverblümt im "Sportstudio" ausgerufen, sollte am Ende der Runde die Schale verpasst werden.

Wurde sie aber nicht. Weil Alaba den Haller-Schock per Abstauber blitzschnell konterte (53.). Weil dann ausgerechnet Renato Sanches nachlegte, der junge Portugiese, der wegen seine Rolle als überwiegend spielzeitbefreiter Profi so unzufrieden ist. Und dann wegen Ribéry. Und dann wegen Robben. Kitschiger und glücklicher lässt sich eine Ära nicht beenden. Wären da nicht die nicht zu stoppenden Diskussionen um Trainer Niko Kovac. Die werden auch durch den Titel mutmaßlich nicht weniger. Auch wenn Hoeneß zu beruhigen versuchte: "Ich habe mich an dieser Diskussion nie beteiligt, und ich möchte mich auch nicht am Tag dieses Triumphs beteiligen. Ich glaube, wir sollten das Thema jetzt endlich etwas aus unseren Köpfen bringen." Ein klares Bekenntnis? Wieder nicht. Der laute Fanzuspruch für Kovac, der aber, der hätte ihm "gut getan". Das sagte Hoeneß auch noch.

Quelle: n-tv.de

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