Fußball

"Gibt's denn keinen anderen?" Völlers Mission beim DFB geht nur bis zur Heim-EM

Seine zweite Rettungsmission beim Deutschen Fußball-Bund startet: Rudi Völler ist zurück bei der Nationalmannschaft. Als Direktor des Teams soll er in den 18 Monaten bis zur Heim-EM die Kehrtwende schaffen. Den Optimismus strahlt er bereits aus.

Dieses Déjà-vu hätte sich Rudi Völler gerne erspart. Schon wieder soll ausgerechnet er den Retter des schwer geplagten deutschen Fußballs geben? "Auf einmal haben mich alle angeguckt, ob ich es machen könnte. Ich habe erstmal gefragt: 'Gibt's denn keinen anderen?'", sagte der neue Sportchef mit breitem Grinsen bei seiner Vorstellung: "Ich war erstmal nicht so richtig überzeugt. Aber ich habe mich überzeugen lassen, dass es für diese Zeit eine gute Lösung ist."

Er betonte, dass das zweite Engagement durch den DFB ein auf 18 Monate begrenztes ist und eine Verlängerung darüber hinaus nicht infrage kommt. Der Weltmeister von 1990 soll beim Niedergang der Nationalmannschaft schleunigst die Handbremse ziehen - und bis zur Heim-EM die komplette Kehrtwende schaffen. "Ich bin überzeugt, dass wir eine Mannschaft haben, die in anderthalb Jahren um den Titel mitspielen kann", betonte Völler energisch: "Wir dürfen uns nicht kleiner machen als wir sind. Wenn ich diesen Kader sehe, werden wir eine gute EM spielen."

Er wolle mit seiner Erfahrung den nötigen "Input" für ein Sommermärchen 2.0 liefern. Dafür muss er innerhalb von 500 Tagen unzählige Baustellen schließen, wirklich ausgereift wirkten seine Pläne dabei noch nicht. Es gehe vor allem darum, dass sich die Mannschaft wieder "volksnäher" präsentiere. "Wie das aussieht, wird man sehen", so Völler lapidar: "Wir müssen die Zuschauer zurückgewinnen und das geht am einfachsten mit guter Leistung."

Was wird in einigen Jahren sein?

Er sei "total optimistisch, dass wir mit diesen Spielern erfolgreich sein können", erklärte Völler, der von seinem Wohnort Düsseldorf regelmäßig nach Frankfurt pendeln wird: "Was problematisch sein wird, ist, wie es in sechs, acht oder zehn Jahren sein wird. Die nächsten Jahre werden wir noch eine wunderbare Mannschaft haben, aber dann mache ich mir Sorgen." Doch darauf ist sein Engagement nicht ausgelegt. Vielmehr soll er den Schulterschluss zwischen Verband und Vereinen schaffen und das Stimmungstief beenden.

Er bilde sich nicht ein, "die ganzen Strukturen beim DFB ändern zu können. Da sind sicher Jüngere berufen", so der im Jahr 2000 bereits in großer Fußballnot zum DFB-Teamchef Berufene. Mit Völler gebe es eine "absolute Fokussierung auf die Euro", sagte Bernd Neuendorf. Wer neben dem 62-Jährigen die administrativen Aufgaben von Oliver Bierhoff übernimmt, blieb weiter offen. Bevor es konkret um Personen gehe, müsse in den Gremien erst ein klares Bild der "Struktur" geschaffen werden, so der DFB-Präsident.

"Sehr gutes Gefühl"

Mehr zum Thema

Auch für den nach dem WM-Debakel etwas angeschlagenen Hansi Flick soll Völler die nötige Wohlfühl-Atmosphäre schaffen, der Bundestrainer zeigt sich von seinem neuen Vorgesetzten schonmal begeistert. "Mein Trainerteam und ich freuen uns auf den gemeinsamen Weg zur Heim-EM im nächsten Jahr", sagte der 57-Jährige. Völler sei eine "feste Größe im deutschen Fußball" und mit seiner Erfahrung "die richtige Besetzung für die kommenden Aufgaben".

Völler betonte, sich nicht in Flicks Aufgabenbereich einmischen zu wollen. Für seine Rettermission lässt "Rudi Nationale" seine Tätigkeiten als Botschafter und im Gesellschafterausschuss seines Herzensklubs Bayer Leverkusen vorerst ruhen. DFB-Präsident Bernd Neuendorf und Vizepräsident Hans-Joachim Watzke sind von der Personalentscheidung überzeugt. "Rudi ist ideal für diese Postion, das war in dem Moment klar, als er bereit dazu war", sagte Watzke. "Wir haben alle ein sehr gutes Gefühl."

Quelle: ntv.de, ara/sid/dpa

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen