Redelings Nachspielzeit

Grüße an Uli Hoeneß Die Transferbombe wird noch platzen

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Die guten alten Zeiten. Ein Moment von damals, als Uli Hoeneß und Jupp Heynckes noch bei den Eltern ihrer Wunschspieler aufschlugen, um die Verträge zu unterzeichnen.

(Foto: imago/WEREK)

Früher reichte ein Strauß Blumen und eine gemeinsame Tasse Filterkaffee mit den Eltern aus, um Toptalente zum FC Bayern München zu holen. Doch diese Zeiten sind vorbei. Niemand weiß das besser als Uli Hoeneß. Dennoch sind die Erwartungen gerade an ihn immer noch besonders hoch.

Lieber Uli Hoeneß,

gestern habe ich an Sie gedacht. Im Fernsehen tickerten gerade wieder die neuesten Meldungen unten durchs Bild und ich habe überlegt: Was muss Ihnen die heutige Transfer-Welt doch sonderbar vorkommen - im Gegensatz zu früher, als Sie noch mit Ihrem Cheftrainer Jupp Heynckes persönlich per Zug und mit einem Blumenstrauß in der Hand zur nächsten Neuverpflichtung reisten, um den Eltern des Wunschspielers Ihre Aufwartung zu machen. Da haben Sie zu Hause bei Mutter und Vater auf dem Ledersofa gesessen, eine schöne Tasse Filterkaffee getrunken und sind anschließend mit einem unterschriebenen Vertrag nach Hause gefahren. Von Beratern und Anwälten war da weit und breit noch nichts zu sehen. Und die Verträge stammten noch aus der DFB-Mustermappe - ohne 273 Sonderklauseln und Zusatzvereinbarungen.

Auch damals klappte schon nicht immer alles, aber wenigstens wussten Sie hinterher, dass Sie es selbst versemmelt hatten. Wie damals, als Sie sich zu spät die Telefonnummer von Andreas Möller besorgt hatten und der Nachwuchsstar Ihnen höchstpersönlich am Hörer berichtete, er habe vor einer guten halben Stunde bei der Frankfurter Eintracht unterschrieben. Berti Vogts hatte Ihnen einen Tag zuvor bei einem Nachwuchs-Lehrgang in Duisburg von Möller erzählt und dass Sie sich mal um den kümmern sollten.

So hat man damals Transfers gemacht. Direkt, schnörkellos und ohne viel Tamtam. Was müssen das für herrliche Zeiten gewesen sein. Wird man da nicht wehmütig? War das damals nicht alles ursprünglicher, ja, vermutlich auch einen Hauch menschlicher, nahbarer? Und heute? Da muss der Druck Sie doch fast zermalmen, lieber Herr Hoeneß, auch wenn Sie schon über vierzig Jahre dabei sind. Wie anstrengend und ermüdend muss es sein, wenn immer schon vorher in den Medien bekannt gegeben wird, wer denn da kommen mag. Tag für Tag, 24 Stunden Dauerberichterstattung. Gerüchte, Schlagzeilen und ganz viele Erwartungen. Im Grunde kann es da ja am Ende immer nur in Enttäuschungen enden, weil mal wieder scheinbar etwas nicht geklappt hat. Wie muss das sein, wenn man hört, dass Barcelona einem die Absage für einen Spieler erteilt hat - aber man diesen vielleicht nie gewollt hat? Natürlich gehört das alles zum Showgeschäft Fußball dazu, aber grotesk bleibt es dennoch.

Als sich Rudi Assauer ins Fäustchen lachte

Transfer-Verkündungen, die früher ein Zauber von Weihnachten umwehte, sind heutzutage ja eigentlich nur noch Bestätigungen von Meldungen, die bereits überall verbreitet worden sind. Wie langweilig muss es für Sie sein, dass man keine Überraschungen mehr vermelden kann? Ach, was hat sich Ihr Kollege Rudi Assauer damals ins Fäustchen gelacht, als er mit Andreas Möller vor die Presse trat und verkündete, dass der Borusse ab sofort für die Königsblauen auflaufen würde. Das hatte niemand für möglich gehalten. Selbst in dem Moment, als Möller in Gelsenkirchen bereits vor den Medienvertretern saß, vermuteten nicht wenige, dass die "Versteckte Kamera" die kuriose Geschichte recht bald auflösen würde. Tat sie aber nicht. Das war noch ein echtes Knallbonbon, das lange nachwirkte.

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Das ist wirklich passiert: Schalke-Manager Rudi Assauer verpflichtete im Sommer 2000 überraschend Andreas Möller vom Erzrivalen aus Dortmund.

Und dann diese Ablösesummen mittlerweile. Da kann einem ja schwindelig werden. Leroy Sané gibt es allenfalls ab 100 Millionen Euro plus Beratermilliönchen und Gehalt. Das ist auch für den FC Bayern eine Hausnummer. Aber was sollen Sie machen? Das sind nun einmal die Spielregeln - und Sie wollen ja weiter bei den Großen mit dabei sein. Und dennoch wissen Sie ganz genau: So ein Schuss muss sitzen!

Im Augenblick schauen alle Augen auf den BVB und loben die Borussia für ihre gute Transferpolitik. Sie, Herr Hoeneß, haben aber gemeint: Wie toll die in Dortmund das tatsächlich gemacht haben, wird sich erst im Laufe der Saison herausstellen. Und wissen Sie was? Ich denke, bis dahin werden sowieso wieder alle über Sie und Ihre Bayern reden. Denn eins klar: Da wird noch was von Ihnen kommen. So leicht gibt sich ein Uli Hoeneß nicht geschlagen. Und wer weiß: Vielleicht bewirkt auch ein Strauß Blumen zur rechten Zeit immer noch Wunder. Wir lassen uns gerne überraschen - und sind sehr gespannt! Viele Grüße und Glück auf, Ihr Ben Redelings

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Quelle: n-tv.de

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