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Naturphänomen Blutschnee Algen in Antarktis lassen Schnee schmelzen

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Rote und grüne Algenblüten färben den Schnee in der Antarktis ein.

(Foto: Bob Gilmore/dpa)

Blutroter oder grüner Schnee in Polarregionen - das sieht zwar faszinierend aus, absorbiert aber deutlich mehr Sonnenstrahlung und verstärkt so die Schneeschmelze. Ein Teufelskreis, denn die daraus resultierende Erwärmung fördert wiederum die Algenblüte.

Es ist ein faszinierendes Naturphänomen, wenn sich der Schnee in manchen Regionen der Antarktis blutrot oder grün färbt. Verantwortlich dafür sind Schneealgen, die in Polargebieten im Sommer massenhaft auftreten können und den Schnee verfärben. Da die farbige Oberfläche wesentlich mehr Sonnenstrahlung absorbiert als weißer Schnee, verstärkt das Phänomen das Abtauen von Schnee. Vor allem grüne Algen könnten die Schneeschmelze auf der Antarktischen Halbinsel deutlich beschleunigen, schreiben Forscher im Fachblatt "The Cryosphere".

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Alia Khan und der chilenische Kollege Edgardo Sepulveda sammeln Proben vor dem Collins-Gletscher auf King George Island.

(Foto: Gonzalo Barrera/dpa)

"Wir sehen, wie sich solche Algenblüten entlang großer Küstenareale ausbreiten", wird Erstautorin Alia Khan von der University of Colorado in Boulder in einer Mitteilung der Hochschule zitiert. "Diese Blüten können so intensiv und dunkel sein, dass sie die Oberfläche aufwärmen und das Schmelzen verstärken." Die daraus resultierende Erwärmung fördere wiederum wahrscheinlich die Algenblüte.

Derartige Algen treten auf der Antarktischen Halbinsel im dortigen Sommer auf, wurden aber auch schon in der Arktis und in Hochgebirgsregionen dokumentiert. Das Team um Khan untersuchte nun im Januar 2018 drei Küstenregionen mit Algenblüten auf Nelson Island und King George Island sowie nahe der Palmer Station auf Anvers Island. An diesen Orten sorgen die Exkremente von Robben, Pinguinen und anderen Vögeln für Nährstoffe, auf die die Schneealgen angewiesen sind.

Blutschnee reduziert Rückstrahlung um ein Fünftel

Im Vergleich zu weißem Schnee reduzierten rote Algen - sogenannter Blutschnee - die Rückstrahlung des auftreffenden Lichts um etwa 20 Prozent, wie das Team berichtet. Bei den grünen Algen sank die Albedo (Maß für das Rückstrahlvermögen) sogar doppelt so stark - um etwa 40 Prozent. Ursache dafür sei der höhere Chlorophyll-Gehalt der Grünalgen, schreiben die Forscher.

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Dies erhöhe im Sommer die durchschnittlich aufgenommene Energiemenge - den sogenannten Strahlungsantrieb (radiative forcing) - pro Tag und Quadratmeter bei Rotalgen um 13 Watt und bei Grünalgen um 26 Watt. Das sei vergleichbar mit den Folgen von Staubablagerungen auf Schnee in mittleren Breiten, etwa in den Rocky Mountains. Das Team kalkuliert, dass Algenblüten auf der Antarktischen Halbinsel pro Jahr zum Abschmelzen von mehr als 3700 Kubikmetern Schnee führen.

Ohnehin erwärmt sich die Antarktische Halbinsel, die sich weit nach Norden Richtung Südamerika erstreckt, seit Jahrzehnten besonders schnell. Am 6. Februar 2020 wurde an der Forschungsstation Esperanza die Rekordtemperatur von 18,4 Grad Celsius gemessen.

Quelle: ntv.de, Walter Willems, dpa

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