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Folge der Hitzewelle "Blutschnee" färbt Antarktis rot

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Das gleiche Phänomen war schon 2014 in der Antarktis zu beobachten.

(Foto: imago images/Ardea)

In der Antarktis ist gerade Sommer, für dortige Verhältnisse ein besonders heißer. Die Temperaturen fördern die Ausbreitung einer sehr auffälligen Algenart. Deren eigener Einfluss auf die Gletscherschmelze wurde bislang unterschätzt.

In der Antarktis gibt es seit Wochen ein ungewöhnliches Naturphänomen: Der Schnee um eine ukrainische Forschungsstation ist rötlich gefärbt. Grund dafür sei eine auf Schnee wachsende Alge, teilte das Wissenschaftsministerium in Kiew mit. Diese Algen enthielten neben grünen Chlorophyll-Pigmenten auch rotes Carotin, das die Algen vor UV-Strahlung schütze. Der Klimawandel trage dazu bei, dass sich die mikroskopisch kleinen Algen mit dem Namen Chlamydomonas nivalis schnell vermehren könnten.

Nach Auffassung der Forscher wird damit auch die Schneeschmelze beschleunigt, da die rötliche Oberfläche mehr Sonnenlicht absorbiere als weißer Schnee, der das Licht stärker reflektiert. Vor Kurzem wurden in der Antarktis mancherorts Temperaturen um 20 Grad Celsius gemessen.

Die Alge kommt weltweit in Regionen vor, wo dauerhaft Winter ist - neben der Antarktis auch in der Arktis und in Teilen der Alpen. Das Phänomen, das während der Schmelzperiode auftritt, ist als "Blutschnee" bekannt. Im vergangenen Jahr haben Forscher die Chlamydomonas nivalis zur "Alge des Jahres" gewählt.

Experten vom Geoforschungszentrum in Potsdam schrieben 2016 in einer Studie, dass der Einfluss von Schneealgen auf die Gletscherschmelze bisher unterschätzt worden sei. Dieser Effekt müsse in künftigen Klimamodellen berücksichtigt werden. "Dass Algen einen signifikanten Einfluss darauf haben, ist schwer vorstellbar", sagte Thomas Leya vom Potsdamer Fraunhofer für Zelltherapie und Immunologie, der die Algen erforscht. Bislang sei das nicht umfassend untersucht. Die Forschung wisse auch zu wenig darüber, wie die mikroskopische Alge es schaffe, "solche Massen an Zellen hervorzubringen, die es für das Phänomen des roten Schnees benötigt".

Quelle: ntv.de, ino/dpa