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Studie warnt vor Klimawandel Den Meeren geht der Sauerstoff aus

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Sauerstoffmangel in den Meeren schadet zum Beispiel Thunfischen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Zahl der Meeresgebiete, in denen es nahezu keinen Sauerstoff mehr gibt, hat sich in den vergangenen 60 Jahren drastisch vervielfacht. Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie der Weltnaturschutzunion. Die Forscher sehen viele Arten bedroht und nutzen die Weltklimakonferenz in Madrid für einen Appell.

Der Klimawandel führt laut Forschern zu einem dramatischen Verlust von Sauerstoff in den Meeren - und bedroht die Fischbestände weltweit. Von dem fatalen Rückgang des Sauerstoffgehalts betroffen sind rund 700 Meeresregionen weltweit, wie aus einer Studie der Weltnaturschutzunion (IUCN) hervorgeht. Im Jahr 1960 wiesen nur 45 Gebiete ein zu niedriges Sauerstoffniveau auf.

Ursache für die Vervielfachung der sogenannten anoxischen, also nahezu sauerstofflosen Gewässer ist den Autoren zufolge die durch Treibhausgasemissionen bedingte Erwärmung der Meere. Es handelt sich um die bislang umfassendste durch Fachleute geprüfte Forschungsarbeit zum Thema Sauerstoffverlust in den Meeren.

Zwischen 1960 und 2010 ging der Sauerstoffgehalt in den untersuchten Meeresgebieten um rund zwei Prozent zurück. Sollten die jährlichen Treibhausgasemissionen auf ihrem jetzigen Niveau verharren, droht den Weltmeeren laut der Studie ein Sauerstoffverlust von drei bis vier Prozent bis 2100. Besonders betroffen sind demnach die oberen tausend Meter der Gewässer - ihr artenreichster Teil.

Zu wenig Sauerstoff, zu viel Säure

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"Mit diesem Bericht rückt das Ausmaß des Schadens, der durch den Klimawandel für die Meere entsteht, in den Fokus", erklärte IUCN-Direktorin Grethel Aguilar. "Indem erhitzte Meere Sauerstoff verlieren, wird das empfindliche Gleichgewicht des Meereslebens gestört", fügte sie hinzu.

Den Autoren zufolge wird der Sauerstoffmangel in den Meeren bereits jetzt sichtbar - und schadet vor allem gefährdeten Arten wie Thun- und Speerfischen sowie Haien, die wegen ihrer Größe und ihres Energiebedarfs besonders viel Sauerstoff benötigen. Doch negative Auswirkungen seien für Spezies entlang der gesamten Nahrungskette zu erwarten, warnen die Forscher: "Die Folgen werden sich letztlich ausbreiten und Hunderte Millionen Menschen betreffen", erklärte die IUCN.

Erst vor wenigen Tagen hatte die Weltorganisation für Meteorologie vor den dramatischen Auswirkungen von Treibhausgasemissionen auf die Umwelt gewarnt. Demnach sind die Meere im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter heute um 26 Prozent säurehaltiger. Die Meere absorbieren rund ein Viertel aller globalen Treibhausgasemissionen. Wegen des erhöhten Energieverbrauchs weltweit fürchten Wissenschaftler, dass die Weltmeere in absehbarer Zeit einen Sättigungspunkt erreichen könnten.

Forscher appellieren an Politik

"Der Abbau von Sauerstoff bedroht die marinen Ökosysteme zusätzlich, die bereits durch die Erwärmung der Meere und ihre Versäuerung unter Druck stehen", sagte der an dem Bericht beteiligte Ozeanologe Dan Laffoley. Um den Sauerstoffverlust unter Kontrolle zu bringen, müssten die Treibhausgasemissionen sowie die chemische Verschmutzung durch die Landwirtschaft "entschieden" zurückgefahren werden, forderte er.

Die internationalen Regierungsvertreter, die sich derzeit bei der Weltklimakonferenz (COP25) in Madrid treffen, forderten die Forscher zu Maßnahmen zur Rettung der Weltmeere auf. Auf der COP25 werde entschieden, "ob unsere Meere weiterhin ihren hohen Artenreichtum erhalten können oder ob habitable, sauerstoffreiche Meeresgebiete zunehmend und unwiederbringlich verloren gehen", sagte die bei der IUCN für das Meeres- und Polarforschungsprogramm zuständige Wissenschaftlerin Minna Epps.

Bei der COP25 wird unter anderem über internationale Regeln zum Umgang mit Treibhausgasemissionen verhandelt. CO2-Emissionen gelten als wichtigste Ursache des menschengemachten Klimawandels. Im Pariser Klimaabkommen von 2015 hatten sich die Vertragsstaaten auf das Ziel geeinigt, die Erderwärmung auf ein beherrschbares Maß von deutlich unter zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen.

Quelle: ntv.de, fhe/AFP