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Lautstärke verdirbt den Appetit Diese Musik schützt vor Mücken

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Blutsaugende Stechmücke. Es gibt musikalische Möglichkeiten, ihr die Lust daran zu nehmen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Kaum ist das Wetter wieder besser, surren Mücken durch die Luft. Auf der Suche nach einem Mittel gegen die blutsaugenden Biester haben Wissenschaftler eine neue Entdeckung gemacht: Die Insekten hassen offenbar eine bestimmte Musikrichtung.

Die Temperaturen steigen. Doch mit der Wärme kehren auch die Mücken zurück. Doch was tun gegen die lästigen, blutsaugenden Biester? Wem Räucherstäbchen, Mückensprays oder Citronella-Öl nicht zusagen, kann es einfach mit einem bestimmten Musikgenre versuchen.

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Denn: Das Interesse der weiblichen Stechmücken an Blut und Sex lässt deutlich nach, wenn sie mit lauter Elektromusik beschallt werden. Das hat das Forscherteam um Noppawan P. Morales von der Mahidol University in Thailand herausgefunden. Eigentlich wollten die Forscher nur die Geräusch-Empfindlichkeit von Mücken testen. Bekannt war bislang, dass Mücken in verschiedenen Frequenzen gut hören können und die Geschlechter zueinanderfinden, indem die Männchen das Sirrgeräusch ihres Flügelschlags an das Sirrgeräusch des Weibchens angleichen.

Für seinen Versuch stellte das thailändische Forscherteam zwei Käfige bereit. In beide Käfige sperrten die Wissenschaftler je zehn Mückenweibchen, die seit Tagen keine Blutmahlzeit erhalten hatten und dementsprechend hungrig waren. Dazu gesellten sie je zehn Mückenmännchen sowie je einen Goldhamster. Einen der beiden Käfige beschallten die Wissenschaftler dann mit dem Song "Scary Monsters and Nice Sprites" des Elektro-DJs Skrillex. Um den Versuchskäfig Nummer zwei blieb es indes ruhig.

Musik irritiert weibliche Mücken

Nun machten die Forscher folgende Beobachtungen: Die beschallten Weibchen waren erst mal irritiert. Wenn die Musik lief, flogen sie den Hamster erst nach 131 Minuten an. In dem ruhigen Käfig brauchten die Weibchen gerade einmal 35 Sekunden, um sich auf die Mahlzeit zu stürzen. Der erste Biss passierte mit Musik nach 191 Sekunden, ohne Musik nach 82 Sekunden. Auch beim Paarungsverhalten zeigte sich ein deutlicher Unterschied. Ohne Musik paarten sich die Mücken nach dem Blutsaugen mehrfach. Lief die Musik, hatten die Mücken fünfmal weniger Sex.

Dass Insekten Reaktionen auf Musik zeigen, ist der Wissenschaft nicht neu. Bereits 2018 hatte der Biologieprofessor Brandon T. Barton herausgefunden, dass Marienkäfer auf die Musik von AC/DC reagieren. Für das Projekt wurden Asiatische Marienkäfer auf Sojabohnen gesetzt, die von Blattläusen befallen waren. Dann wurde Musik eingespielt - nach der Beschallung wurden die Blattläuse gezählt, um festzustellen, wie viele die Marienkäfer verzehrt hatten. Neben AC/DC wurden anderen Marienkäfergruppen außerdem Songs von Metallica, Lynyrd Skynyrd und Guns'n Roses vorgespielt. Darüber hinaus beschallten die Wissenschaftler einige Tiere mit Presslufthammer- und Flugzeuggeräuschen. Nach 15 Stunden stellten die Forscher dann fest, dass die Käfer, die AC/DC oder Stadtgeräuschen ausgesetzt waren, deutlich weniger Blattläuse gefressen hatten.

Insekten verhalten sich also anders, wenn Musik ertönt, die insbesondere starke Schwankungen enthält. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass das sogenannte Johnstonsche Organ der Tiere gestört wird. Das Organ ist ein Vibrationssensor, der bei der Paarung wichtig ist, aber auch die Feinsteuerung des Fluges möglich macht. Insekten können damit beispielsweise besser Kurven fliegen.

Die Tests lassen also nur einen Schluss zu: Bei der nächsten Grillparty auf dem Balkon gibt es einen weiteren Grund, die Musik voll aufzudrehen. Allerdings muss Elektro von Skrillex laufen, damit sich keine ungebetenen Mücken-Gäste dazugesellen.

Quelle: n-tv.de

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