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Groß angelegte Gesundheitsstudie Erste Welle setzte Deutschen psychisch zu

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Nicht jeder kann mit dem Stress der Corona-Krise gleich gut umgehen.

(Foto: imago images/Ralph Peters)

Angst, Stress, Depressionen - viele Menschen leiden unter der Coronazeit, vor allem zu Zeiten des ersten Lockdowns im Frühjahr. In einer Studie mit 113.000 Deutschen werden die Auswirkungen der Krise auf die Psyche der Deutschen erstmals beleuchtet. Ergebnis: Vor allem Junge und Mittelalte sind betroffen.

Der Corona-Lockdown im Frühjahr hat die Deutschen psychisch stark belastet. Besonders in der Gruppe der 20- bis 50-Jährigen hätten Angst-, Stress- und Depressionssymptome stark zugenommen, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" (FAS) nach einer Vorauswertung der Nako-Gesundheitsstudie, für die 113.000 Deutsche befragt wurden.

"Die psychische Belastung bei jungen bis mittelalten Menschen, zwischen 20 und Ende 40, war besonders groß", sagte der Studienleiter für neurologisch-psychiatrische Erkrankungen, Klaus Berger, der Zeitung. Am stärksten betroffen waren demnach Frauen Ende 30. Berger stellte einen Zusammenhang dazu her, dass Frauen in diesem Alter besonders stark durch Homeoffice, Kinderbetreuung zu Hause und Pflege belastet seien. "Dass sich depressive Symptome während einer solchen Belastungsphase verstärken können, steht für mich außer Frage", sagte Berger. Anders sah es bei den älteren Studienteilnehmern aus: In der Gruppe über 60 Jahre konnten die Forscher keine Zunahme von depressiven Symptomen feststellen.

Große Unterschiede ließen sich laut Berger auch im regionalen Vergleich feststellen: "Wir sahen bei Befragten in Regionen, die von Covid-19 besonders hart getroffen wurden, eine stärkere Zunahme von Stress und von Angst", sagte er der "FAS". Im Norden und Nordosten, wo die Corona-Fallzahlen niedriger waren, seien Stress-Symptome deutlich weniger ausgeprägt gewesen. Menschen, die einen Corona-Test vornehmen lassen mussten, hatten demnach eine höhere psychische Belastung - egal, wie das Ergebnis letztlich ausfiel.

Mit Blick auf mögliche weitere starke Einschränkungen des Alltags in diesem Winter sagte der Studienleiter: "Wer Krisen durchlebt hat, lernt in der Regel dabei, mit neuen Krisen umzugehen." Deshalb sei die Ausgangslage besser als im Frühling. Berger sagte zum Umgang der Deutschen mit der Krise: "Wir können offenbar besser als andere mit der Corona-Krise umgehen." Und: "Deutsche sind eher dazu geneigt, Einschränkungen wie das Maskentragen, Abstandhalten, Beschränkungen von Teilnehmerzahlen zu befolgen als Mitglieder anderer Gesellschaften."

Quelle: ntv.de, jog/AFP