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20 Mal schneller als Blinzeln Fingerschnippen hat unerwartetes Tempo

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Saad Bhamla sprang überrascht auf, als er die Daten zum ersten Mal sah - diese Geschwindigkeit des Fingerschnippens hatte er nicht erwartet.

(Foto: Georgia Tech/dpa)

Ein Superschurke aus einem Marvel-Film bringt US-Forscher auf die Frage: Kann man eigentlich mit einem gepanzerten Handschuh mit den Fingern schnippen? Dabei finden sie heraus: Fingerschnippen geschieht irrsinnig schnell, so schnell, dass sie vom Ergebnis total überrascht werden.

So mancher kommt damit auf beachtliche Lautstärken, viele können es nur mit einer Hand: Fingerschnippen ist Übungssache - und eine wissenschaftlich beeindruckende Leistung, wie Forschende herausgefunden haben. Die sogenannte Winkelbeschleunigung bei dieser Bewegung übertrumpft demnach die der bisher schnellsten beim Menschen beobachteten Rotationsbewegung: die der Arme professioneller Baseballspieler während des Wurfs.

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Fingerschnippen bei Comic-Figuren kann furchtbare Konsequenzen haben.

(Foto: imago images/viennaslide)

Auf die Idee zur Vermessung des Fingerschnippens hatte das Forscherteam um Saad Bhamla vom Georgia Institute of Technology in Atlanta eine Kinofigur gebracht: der Superschurke Thanos im Marvel-Comic-Film "Avengers: Infinity War". Ein Schnippen seiner Metallhandschuh-bewehrten Finger hat darin fürchterliche Konsequenzen.

Doch ginge es überhaupt, im gepanzerten Handschuh mit den Fingern zu schnippen, fragten sich die Wissenschaftler - und machten sich ans Datensammeln. Dafür nutzten sie Hochgeschwindigkeitsaufnahmen, automatische Bildverarbeitung und spezielle Kraftsensoren, wie sie im "Journal of the Royal Society Interface" berichten. Um die Rolle der Reibung zu untersuchen, bedeckten sie die Finger mit verschiedenen Materialien wie Gummihülsen und Fingerhüten aus Metall.

Drehgeschwindigkeiten von 7800 Grad pro Sekunde

Beim Schnippen mit bloßen Fingern maßen die Forscher demnach maximale Drehgeschwindigkeiten von 7800 Grad pro Sekunde und Winkelbeschleunigungen von 1,6 Millionen Grad pro Quadratsekunde - fast dreimal die Rotationsbeschleunigung eines Baseballspieler-Arms.

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Altgriechische Vase mit der Darstellung eines fingerschnippenden Pans.

(Foto: Wikicommons/dpa)

Er sei aufgesprungen, als er die Daten zum ersten Mal gesehen habe, sagte Bhamla, der ultraschnelle Bewegungen bei Lebewesen untersucht. "Das Fingerschnippen erfolgt in nur sieben Millisekunden, also mehr als 20 Mal schneller als das Blinzeln eines Auges, das mehr als 150 Millisekunden dauert." Verglichen mit Bewegungen anderer Lebewesen wie dem Kieferschnappen der Dracula-Ameise (Mystrium camillae) sei das menschliche Schnippen allerdings lahm.

Die früheste bekannte Darstellung eines Fingerschnippens findet sich den Forschenden zufolge auf einem antiken griechischen Gefäß aus der Zeit um 300 vor Christus, das den Hirtengott Pan tanzend zeigt - die rechte Hand zum Fingerschnippen geformt. Die alten Griechen hätten das Schnippen häufig genutzt, um den Rhythmus zu halten. Auch in vielen modernen Kulturen sei die Bewegung verbreitet - als Geste der Begrüßung oder Form des Applauses zum Beispiel, zur Echoortung bei Blinden oder auch bei Flamenco-Tänzern sowie aus Filmen wie "West Side Story".

Hilfreich bei Entwicklung von Prothesen

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Im Comic wird die Forschung des Bhamla-Labors dargestellt, mit einem Hinweis auf die von Neugier getriebene Wissenschaft und wie diese die Forschung beeinflussen kann.

(Foto: Lindsey Leigh for Georgia Tech/dpa)

Ihre Ergebnisse könnten einmal in die Entwicklung von Prothesen einfließen, die die weitreichenden Fähigkeiten der menschlichen Hand nachahmen sollen, hoffen die Wissenschaftler. Auch bei der Entwicklung bioinspirierter Bauteile für technische Anwendungen sollen die Ergebnisse nützen.

Ähnliche Schnappbewegungen wie Menschen mit ihren Fingern machen bestimmte Termitenarten mit ihren Mundwerkzeugen. Auch hier wird Energie gespeichert und dann plötzlich freigesetzt. Für solche schnellen, schnappenden Bewegungen sind Lebewesen zumeist auf eine Art Feder und einen Verriegelungsmechanismus angewiesen, wie das Team um Bhamla erläutert. Beim Fingerschnippen sei die Hautreibung entscheidend. Mit Metallhülsen auf den Fingern verringerte sich die maximale Rotationsgeschwindigkeit drastisch. Auch bei zu viel Reibung - durch Gummibeläge - gelingt das Schnippen schlechter.

Bei zu geringer Reibung werde nicht genug Energie gespeichert, erläutern die Forschenden. Bei zu großer Reibung wiederum werde Energie vergeudet, da die Finger länger brauchen, um aneinander vorbeizugleiten, wodurch die gespeicherte Energie in Wärme umgewandelt werde. Das Fazit der Forscher zur Filmszene übrigens: Thanos könne wahrscheinlich eigentlich nicht mit den Fingern schnippen, es seien da eher Hollywood-Spezialeffekte als die tatsächliche Physik im Spiel.

Quelle: ntv.de, Annett Stein, dpa

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