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Das Fresco mit Frauenbildnissen stammt aus der minoischen Hochkultur und wurde in Knossos gefunden.
Das Fresco mit Frauenbildnissen stammt aus der minoischen Hochkultur und wurde in Knossos gefunden.(Foto: cavorite / wikipedia )
Donnerstag, 03. August 2017

Hochkulturen der Bronzezeit: Herkunft von Minoern und Mykenern geklärt

Sie lebten zu verschiedenen Zeiten an verschiedenen Orten in den frühesten Hochkulturen Europas. Woher Mykener und Minoer tatsächlich abstammen und ob es genetische Verbindungen zwischen ihnen gibt, finden Forscher nun heraus.

Paläste, Goldschmuck und eigene Sprache: Bis heute sind die Zeugnisse der zwei frühesten Hochkulturen Europas zu bestaunen – und bis heute geben die Minoer mit ihrem Stierkult und die Mykener mit ihrem plötzlichen Verschwinden Rätsel auf. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte und Kollegen wollten wissen, ob Minoer von Kreta aus aufs griechische Festland abwanderten und dort die Hochkultur der Mykener beeinflussten.

Minoische Kultur

Die bronzezeitliche Kultur Kretas ist die früheste Hochkultur Europas. Sie wird auf circa 2600 bis 1450 vor unserer Zeitrechnung datiert.
Zu den wichtigsten archäologischen Stätten gehören die Paläste von Knossos, Phaisto und Malia. Das plötzliche Verschwinden der Kultur gibt Forschern Rätsel auf und könnte mit einem Vulkanausbruch auf Santorin zusammenhängen.

Aus diesem Grund schaute ein internationales Forscherteam das Erbgut von zehn Minoern und vier Mykenern an, deren sterblichen Überreste in Gräbern aus der Bronzezeit auf Kreta und dem griechischen Festland aufgespürt worden waren. Um auch die Frage nach der Herkunft und der Verbindung zu den heutigen Menschen in Griechenland zu klären, wurden die genetischen Daten von verschiedenen Individuen verglichen: Gene eines vom griechischen Festland stammenden Steinzeitmenschen, eines Individuums, das in der Bronzezeit in Anatolien gelebt hatte sowie die Gen-Daten von knapp 3000 anderen Personen, die sowohl aus früheren Epochen als auch aus moderner Zeit stammten. Durch die massenhaften Vergleiche konnten die Wissenschaftler die Beziehungen zwischen den Gruppen klären.

Besonderheit bei den Mykenern

Mykenische Kultur

Die Hochkultur der späten Bronzezeit auf dem griechischen Festland wird in die Zeit von circa 1680 bis ins 11. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung datiert. Sie ist die erste Hochkultur des europäischen Festlands.
Zu den wichtigsten Orten der Hochkultur zählten Mykene, Tiryns, Midea (Argolis), Pylos, Athen, Theben, Gla (Böotien) Iolkos (Thessalien) und Sparta. Die Städte bestanden aus einer Oberstadt mit Palast, einer Unterstadt und einem festungsähnlichen Umbau. Die Gründe für den Untergang der Hochkultur sind bis heute nicht eindeutig geklärt.

Sie fanden heraus: Minoer und Mykener sind miteinander verwandt. Beide Hochkulturen wurden demzufolge nicht von Einwanderern erschaffen, sondern von Einheimischen. Die meisten genetischen Übereinstimmungen bestehen zu Bauern aus der Jungsteinzeit, die aus Anatolien einwanderten und die Landwirtschaft nach Europa brachten. Dazu kommen Erbteile von früheren Bewohnern des Kaukasus, Armenien und dem Iran. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Menschen in der Ägäis die gleichen Vorfahren hatten. Das gilt auch für die Menschen der Gegenwart. "Die Griechen waren immer im Wandel begriffen und erwarben im Laufe der Jahrhunderte genetische Anteile aus verschiedenen Migrationsereignissen, was aber das genetische Erbe der Bevölkerungsgruppen aus der Bronzezeit nicht ausgelöscht hat", erklärt Iosif Lazaridis von der Harvard Medical School.

Doch die Wissenschaftler fanden auch genetische Unterschiede. Bei den Mykenern war eine dritte Genvariante gefunden worden, die von Steppennomaden aus der Bronzezeit stammt, die aus Zentralasien nach Europa einwanderten und dort weitreichenden Einfluss nahmen, wie beispielsweise auf die Sprache. Die genetischen Tatsachen könnten erklären, warum sie den heutigen Griechen in Sprache und Schrift ähnlicher waren als die Minoer, denn bis nach Kreta gelangten die Steppennomaden nicht. 

Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher im Fachmagazin "Nature".

Quelle: n-tv.de