Wissen

Fleischfressende Seeungeheuer Meterlange Knochenbrecher jagten kleinere Wale

7136143.jpg

Das Wüstengebiet Wadi Al-Hitan südwestlich von Kairo wird auch Tal der Wale genannt, weil dort viele Skelette ausgestorbener Wale liegen (hier bei einer Ausgrabung 2005)

picture-alliance/ dpa/dpaweb

"Spitzenräuber": Aus einem Skelettfund in Ägypten rekonstruieren Forscher den Speiseplan eines Urwals aus dem Eozän. Es war wohl der größte Räuber der Meere vor rund 35 Millionen Jahren. Der Wal-Riese tötete seine Beute mit kräftigen Bissen in den Kopf.

Die Seeungeheuer mit dem schlangenartigen Körper maßen bis zu 18 Meter: Anhand von Fossilien haben Forscher die Ernährung eines riesigen Urwals analysiert. Der Fund aus Ägypten deute darauf hin, dass der Gigant mit dem Fachnamen Basilosaurus isis vor etwa 35 Millionen Jahren an der Spitze der Nahrungspyramide stand und unter anderem kleinere Wale verspeiste. Das berichtet ein Team um die Paläontologin Manja Voss vom Naturkundemuseum Berlin im Fachjournal "PLOS ONE". Es handle sich um die erste Untersuchung von Mageninhalt eines Wals dieser Gruppe und den ersten direkten Nachweis, dass Wale in früheren Ozeanen andere Wale jagten.

ACHTUNG Nur im Zusammenhang mit der aktuellen Berichterstattung.jpg

Skelette von Basilosaurus isis (A) und Dorudon atrox (B), wie an der University of Michigan ausgestellt. Beide sind erwachsen, ausgewachsen und auf derselben Skala dargestellt (Skalenleiste entspricht 1 Meter).

(Foto: Quelle: Manja Voss/PLOS/dpa)

Von dem Wal erhalten sind unter anderem Schädel, Zähne, Wirbel und Rippen. In der Körperhöhle des Skeletts fanden die Forscher verschiedene Überreste, darunter von Jungtieren kleinerer Wale, die der Urwal bevorzugt gefressen habe. Als Mageninhalt identifizierbar waren die Knochen unter anderem wegen Beißspuren. Der Wal-Riese tötete seine Beute demnach etwa mit kräftigen Bissen in den Kopf.

"Fleischfressender Spitzenräuber"

Seine Körpergröße, seine lange und kräftige Schnauze sowie zugespitzte Schneidezähne und scharfe Backenzähne kennzeichnen das Tier in den Augen der Forscher als "fleischfressenden Spitzenräuber" und nicht als Aasfresser, wie das Berliner Museum mitteilte. Das etwa 16 Meter lange Skelett war 2010 im ägyptischen Wadi Al-Hitan geborgen worden, einem Wüstengebiet südwestlich von Kairo.

Die Stätte, die auch Tal der Wale genannt wird und auf der Unesco-Welterbeliste steht, gilt als weltweit einzigartig, weil dort viele Skelette ausgestorbener Wale liegen. In der Studie vermuten Voss und Kollegen, dass die Gegend Aufzuchtgebiet und Kinderstube für die Beute-Wale von Basilosaurus isis war - und damit dessen ideales Jagdrevier.

Annahme, dass sich Wale einst auf Beinen fortbewegten

Auch heutige Schwertwale fressen andere Wale. Bei der Größe können Orcas aber nicht mit dem Urwal mithalten: Sie messen normalerweise unter zehn Meter. Der Fundort in Ägypten, der einmal Teil eines Flachmeeres war, ermöglichte Forschern schon viele Rückschlüsse auf die Evolution der Wale von an Land lebenden Tieren zu Meeresbewohnern. Anhand entsprechender Funde wird angenommen, dass sich Wale einst auf Beinen fortbewegten.

Eine frühere Studie zeigte zudem, dass Basilosaurus isis besonders stark zubeißen konnte. Die Kraft seiner Kiefer hätte demnach gereicht, um einen Kleintransporter anzuheben - und damit natürlich auch, um Knochen von Beutetieren zu zertrümmern. Manche nennen ihn deshalb auch "Knochenbrecher-Wal".

Quelle: n-tv.de, abe/dpa

Mehr zum Thema