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Mögliche Gefahr für Immunantwort Nach Corona-Impfung mit Schmerzmittel warten

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Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen treten bei einigen Geimpften auf.

(Foto: imago images/photothek)

Die häufigsten Reaktionen bei den Corona-Impfstoffen sind dem RKI zufolge eher harmlos und dauern auch nicht lange an. Unangenehm können Fieber oder Kopfschmerzen dennoch sein. Trotzdem sollte man wohl nicht zu schnell nach der Impfung zu Schmerz- und Fiebermitteln greifen.

Auf der Liste der Nebenwirkungen der meisten Corona-Impfstoffe finden sich grippeähnliche Nebenwirkungen wie Fieber, Müdigkeit, Kopf- und Muskelschmerzen. Das Robert-Koch-Institut empfiehlt deshalb in seinem Aufklärungsmerkblatt zur Schutzimpfung gegen Covid-19 vom 21. Januar 2021, das jeder Impfling erhält, ausdrücklich auch die "Einnahme von schmerzlindernden und fiebersenkenden Medikamenten (z. B. Paracetamol)".

Möglicherweise sollte man damit jedoch nicht gleich vorbeugend und auch nicht unmittelbar nach der Impfung beginnen, sondern lieber etwas warten. Das gibt eine Arbeitsgruppe von der University of British Columbia im kanadischen Vancouver zu bedenken, über die das "Ärzteblatt" berichtet. Den Wissenschaftlern um den Pharmakologen Mahyar Etminan zufolge sei nicht auszuschließen, dass schmerzlindernde und fiebersenkende Medikamente die Wirksamkeit der Covid-19 Impfungen beeinträchtigen könnten.

Die Wissenschaftler verweisen unter anderem auf eine 2009 im Fachmagazin Lancet erschienene Studie. Demnach hatte die gleichzeitige Einnahme von Paracetamol zur Vorbeugung von Nebenwirkungen bei der Impfung einer Kinderkohorte die Bildung von Antikörpern im Vergleich zu einer Kontrollgruppe signifikant vermindert. Außerdem zitieren die Autoren das US-Center for Disease Control and Prevention (CDC), das die Einnahme von fiebersenkenden Mitteln vor oder unmittelbar zur Impfung nicht empfiehlt, und verwiesen zudem auf ähnliche Aussagen der Weltgesundheitsorganisation WHO. In den Tagen nach der Impfung spreche hingegen nichts gegen eine Einnahme.

Mit Effekt rechnen

Dem "Ärzteblatt" zufolge schwächen Paracetamol, Ibuprofen, Naproxen, Diclofenac und andere die grippeähnlichen Begleitreaktionen als Nebenwirkungen einer Impfung effektiv ab. Das gelte laut dem stellvertretenden Direktor des Institutes für Experimentelle und Klinische Pharmakologie der Universität Kiel, Thomas Herdegen, nicht nur für die Covid-19-Impfung, sondern für viele Impfungen. Es sei allerdings unklar, "ob und wie stark eine solche Reduktion die Immunantwort klinisch relevant schwächt", so Herdegen. Rechnen müsse man aber damit.

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In einer Erwachsenen-Studie aus dem Jahr 2014 hatte die Gabe von Paracetamol nach sechs Stunden keinen Einfluss auf die Immunantwort nach einer Hepatitis-B-Impfung, während eine sofortige Gabe nach der Impfung diese abschwächte. Daraus könne man die Empfehlung ableiten, frühestens nach sechs Stunden entsprechende Schmerz- und Fiebermittel zu geben, "wenn die primären Prozesse der Immunisierung abgelaufen sind", so Herdegen. Bisher gibt es jedoch noch keine wissenschaftliche Studie, die die Auswirkungen von fiebersenkenden Schmerzmitteln auf eine Corona-Impfung genau überprüft hat.

Die häufigsten Impfreaktionen bei den bisher zugelassenen Corona-Impfstoffen sind dem RKI zufolge eher harmlos und dauern nur wenige Stunden bis Tage an. Sie unterscheiden sich je nach Impfstoff: Bei dem Biontech/Pfizer-Präparat handelte es sich bei jeweils gut sieben Prozent der gemeldeten Nebenwirkungen um Kopfschmerzen und Fieber. Beim Moderna-Impfstoff stehen Fieber mit acht Prozent der Komplikationen und Schmerzen an der Impfstelle mit sechs Prozent im Vordergrund. Beim Astrazeneca-Präparat bestanden etwa 15 Prozent der Impfreaktionen in grippeähnlichen Symptomen. Fieber machte knapp 14 Prozent aus.

Quelle: ntv.de, sba

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