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"Kein Grund zur Panik" Neue Corona-Variante in Finnland entdeckt

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Wissenschaftler entdecken in Helsinki eine "einzigartige" Mutation des Coronavirus.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die britischen und die südafrikanischen Varianten des Coronavirus bereiten vielen Ländern Sorge. Forscher entdecken in Finnland nun eine ganz neue Virus-Mutation. Ob und wie gefährlich "Fin-796H" ist, ist allerdings noch offen.

Coronavirus-Mutationen wie etwa die aus Großbritannien (B.1.1.7) oder aus Südafrika (B.1.351) breiten sich in Europa immer weiter aus. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn nannte den Anstieg der Varianten in Deutschland jüngst "besorgniserregend". Nun wurde in Finnland eine neue Virus-Variante entdeckt, wie der finnische öffentlich-rechtliche Rundfunk YLE und die Zeitung "Iltalehti" berichten.

Die als "Fin-796H" bezeichnete Variante weist laut einem Labor in Helsinki einige Mutationen auf, die zwar zuvor in den britischen und südafrikanischen Varianten des Virus nachgewiesen wurden. In der Kombination sind sie den Wissenschaftlern zufolge jedoch "einzigartig".

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"Die Variante wurde letzte Woche bei einem Patienten entdeckt, daher sind Details über die Infektiosität und mögliche Resistenz dieses Stammes gegen Impfstoffe noch nicht bekannt", sagte die Forscherin Taru Meri. Wegen der niedrigen Infektionszahlen sei es unwahrscheinlich, dass die neue Variante in Finnland entstanden sei, so Meri. Wo sie aber ihren Ursprung hat, sei unklar. Es gebe aber "keinen Grund zur Panik", beruhigt die Wissenschaftlerin.

Ähnlich sieht das auch Ilkka Julkunen, Professor für Virologie an der Universität von Turku: Die Entstehung der Variante auf der Grundlage der verfügbaren Informationen stelle kein großes Problem dar, sagte er dem Sender YLE. "Wir haben keine klaren Informationen darüber, dass dieser neue Stamm leichter übertragen werden kann." Zudem gebe es bislang keine Anzeichen dafür, dass die Variante den Immunschutz beeinträchtige, der durch eine bereits überstandene Infektion oder eine Impfung entstehe, so Julkunen. Wie die finnische Mutation den Verlauf von Covid-19 beeinflusst, muss dem Experten zufolge noch untersucht werden.

Könnte "Fin-796H" PCR-Tests Probleme bereiten?

Dass das Coronavirus immer weiter mutiert, ist nicht ungewöhnlich. Allein für Deutschland prognostizierte kürzlich ein Forscherteam aus Thüringen bis zu 23 Mutationen pro Jahr. Denn das Genom von Sars-CoV-2 ist besonders groß. Mit etwa 30.000 Basen ist es das größte bekannte Genom aller RNA-Viren. Bei der Teilung und somit der Vermehrung der Viruszellen wird jedes Mal die Erbinformation kopiert. Dabei entstehen zufällige Fehler, die zu Mutationen führen können - wie nun auch in Finnland.

Die dort neu entdeckte Variante unterscheide sich von anderen Mutationen allerdings darin, "dass sie genetisch keiner anderen bekannten Variante ähnelt", sagte Petri Auvinen, Forschungsdirektor des Instituts für Biotechnologie der Universität Helsinki, dem Sender YLE. Daher befürchten die Forscher, dass "Fin-796H" nicht auf PCR-Tests angezeigt werden könnte. PCR-Tests zeigen nur bestimmte genetische Sequenzen der Virus-RNA. Darum könnte eine neue Mutation möglicherweise nicht nachgewiesen werden. Ob das bei der finnischen Variante der Fall ist, prüfen nun die Wissenschaftler.

Bisher wurden in Finnland laut der Gesundheitsbehörde THL 450 Fälle von Coronavirus-Varianten gemeldet. Davon waren 422 die britische Variante, 22 die südafrikanische Variante und bei einem Fall handelte es sich um die brasilianische Variante des Coronavirus.

Quelle: ntv.de, hny