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Insel verschiebt sich Neuer Unterwasser-Vulkan vor den Komoren

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Die Insel Mayotte zwischen Afrika und Madagaskar, von der Internationalen Raumstation aus fotografiert.

(Foto: Nasa)

Tausende Erdbeben und ungewöhnliche Signale: Schon seit Monaten rumort es rund um eine Inselgruppe im Indischen Ozean. Geologen hören genauer hin und entdecken dabei einen submarinen Vulkan vor Mayotte, der durch ein gigantisches Magmareservoir neu entstanden ist.

Vor der Insel Mayotte ist im Indischen Ozean ein neuer submariner Vulkan entstanden. Das haben Forscher unter Leitung von Simone Cesca vom Deutschen Geoforschungszentrum (GFZ) beim Helmholtz-Zentrum Potsdam anhand ihrer Analyse von bisher unbekannten Signalen aus dem Erdinneren herausgefunden. Entstanden ist er durch das bisher größte und tiefste Magma-Reservoir, das Forscher je entdeckt haben.

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Grafik des tiefen Magma-Reservoirs und des Magma-Aufstiegs zur Bildung eines neuen Unterwasservulkans.

(Foto: Cesca et al. / Nature Geoscience)

Die Daten, die Geologen bis Mai 2018 vor den Komoren auffangen, sind eigenartig. Vor Mayotte wird zunächst eine ungewöhnliche Folge von Erdbeben registriert, die mit einer Stärke von 5,9 im Mai 2018 ihren Höhepunkt erreicht. Ab Juni 2018 verändern sich die aufgezeichneten Daten. Die neue Form der Erdbebensignale ist so stark, dass sie in 1000 Kilometern Entfernung immer noch aufgezeichnet werden kann.

Wie eine große Glocke

Die 20 bis 30 Minuten dauernden seismologischen Signale zeichneten sich durch besonders harmonische und tiefe Frequenzen aus. Sie sind vergleichbar mit den Frequenzen aus einer großen Glocke oder einem Kontrabass und werden als Very-Long-Period-Signale (VLP) bezeichnet. Dabei handelt es sich um einen von den Forschern erstmals entschlüsselten Signal-Typen aus dem Erdinneren, der auf dramatische Bewegungen geschmolzener Gesteine vor dem Ausbruch hinweist.

Das Team musste deshalb zum Entschlüsseln eigene seismologische Messmethoden entwickeln. Die Forscher deuteten die gesammelten Daten vor Mayotte so, dass es sich um Teilentleerungen eines der tiefsten und größten jemals entdeckten aktiven Magma-Reservoirs im oberen Erdmantel handelte. Je tiefer eine gemessene Frequenz ist, umso größer ist das Magma-Reservoir.

Allerdings lagen die Bebenschwärme unter dem Ozeanboden viel tiefer als sonst. Die Forscher gehen deshalb davon aus, dass es sich um Magma in rund 30 Kilometern unter der Erdoberfläche handelt. Sobald sich ein offener Kanal vom Erdmantel bis zum Meeresboden gebildet hatte, begann das Magma, ungehindert auszufließen. Auf diese Weise entstand der nun neu entdeckte Unterwasservulkan.

Die Forscher, deren Ergebnisse im Fachblatt "Nature Geoscience" veröffentlicht wurden, konnten zudem das Zentrum der seismischen Aktivitäten identifizieren. Es liegt knapp 35 Kilometer östlich im Osten der Insel. Obwohl das relativ weit weg ist, beobachteten die Forscher durch die massiven VLP-Schwärme eine kontinuierliche Absenkung und Ostverschiebung des Erdbodens auf Mayotte, die sich bis heute auf fast 20 Zentimeter summiert hat. "Da der Meeresboden etwa drei Kilometer unter der Wasseroberfläche liegt, hat von dem enormen Ausbruch fast niemand etwas mitbekommen. Allerdings gibt es bis heute auch mögliche Gefahren für die Insel Mayotte, da die Erdkruste über dem tief liegenden Reservoir weiter einbrechen und dabei stärkere Erdbeben auslösen könnte", sagte Torsten Dahm, Leiter der Sektion Erdbeben und Vulkanphysik am GFZ in einer Mitteilung.

Eine Dokumentation zum Thema Erdbeben finden Sie bei TVNow.

Quelle: ntv.de, jaz