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Grippesaison ist nicht vorbei "Nicht jeder mit Influenza hat Symptome"

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Fieber, Husten und Schnupfen gehören zu den Grippe-Symptomen.

(Foto: dpa)

Jedes Jahr rollt die Grippewelle auch über Deutschland und fordert Menschenleben. Ob der Höhepunkt der Grippefälle in dieser Saison schon überstanden ist, warum manche infiziert sind, aber keine Symptome haben und ob es Sinn macht, sich jetzt noch impfen zu lassen, fragt n-tv.de Frau Dr. Stefanie Castell, die als Stellvertretende Leiterin der Abteilung für Epidemiologie am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig arbeitet.

n-tv.de: Steht der Höhepunkt der Grippeinfektionen in diesem Jahr noch bevor, sind wir mittendrin oder schon darüber hinaus?

Eine derartige Bewertung kann man immer erst im Nachhinein machen. Als Daumenregel gibt das Robert-Koch-Institut an, dass eine Zunahme von Grippeerkrankungen zu Jahresanfang bis inklusiv Februar zu beobachten ist und insgesamt meist gut zwei Monate anhält. Einzelne Jahre können jedoch auch deutlich davon abweichen.

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Stefanie Castell

(Foto: privat)

Gibt es einen Zusammenhang zwischen den Temperaturen und der Ausbreitung der Grippe?

Auch Menschen in den Tropen erkranken an Grippe und zwar das ganze Jahr über. Das heißt, kühle Temperaturen sind keine notwendige Voraussetzung, um eine Influenza zu bekommen.

Nicht jeder der Grippe hat, merkt es auch. Wie kommt das?

Dieses Phänomen findet man häufiger in der Medizin. Nicht jede Besiedlung oder Infektion mit einem potentiell krankmachenden Keim muss zu Symptomen führen. Laut einer Studie von Süss et al. aus dem Jahr 2012 zeigen zirka 14 Prozent der Personen, die ein an Grippe erkranktes Familienmitglied hatten, keine Grippesymptome. Alle anderen, die Grippeviren ausschieden, entwickelten auch Symptome wie Fieber oder Husten.

Ist man nach einer Grippe-Infektion immun gegen das Virus, mit dem man sich herumgeschlagen hat? Zumindest für den Rest des Winters oder auch in der nächsten Grippe-Saison?

Das Grippevirus hat den besonderen Nachteil, dass es sehr stark veränderlich ist. Das heißt, dass wir als sein Wirt uns immer wieder mit neuen Varianten auseinandersetzen müssen. Wenn man eine Grippe durchgemacht hat, entsteht zwar gegen genau diese Variante eine Immunität. Allerdings ist während eines Winters mehr als ein Virustyp unterwegs und im Jahr darauf können es weitere Varianten sein.

Sollte man sich jetzt noch impfen lassen, obwohl viele, die geimpft waren, trotzdem erkrankt sind?

Wenn man zur Personengruppe gehört, für die von der Ständigen Impfkommission (STIKO) eine Grippeimpfung empfohlen wird, also beispielsweise über 60-Jährige, sollte man sich idealerweise im Oktober oder November jeden Jahres impfen lassen. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts ist ein Schutz gegen Grippe ungefähr zwei Wochen nach einer Impfung vorhanden. Ob gegenwärtig eine Impfung noch sinnvoll ist, muss individuell mit dem behandelnden Arzt oder Ärztin geklärt werden.

Mit Dr. Stefanie Castell sprach Jana Zeh

Quelle: n-tv.de

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