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Labortest für Kriegsveteranen Posttraumatische Belastungsstörung im Blut

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Die Forscher suchten im Blut der Kriegsveteranen nach 343 verschiedenen Bio-Markern.

Heftige Kriegserfahrungen können bei Soldaten zu einer posttraumatischen Belastungsstörung führen. Wie diese an bestimmten Biomarkern erkannt wird, finden Forscher nun heraus und präsentieren damit den ersten Labortest für eine psychische Erkrankung.

Depressionen, Angststörungen oder Schizophrenie: Erkrankungen der Psyche sind bisher nur über bestimmte Symptome diagnostizierbar. Für die posttraumatische Belastungsstörung, kurz PTBS, könnte das nun anders sein. Forscher in den USA haben Biomarker gefunden, die in Kombination mit der ermittelten Herzfrequenz typisch für eine posttraumatische Belastungsstörung bei Kriegsveteranen sind. Können die Ergebnisse durch weitere Untersuchungen gestützt werden, dann handelt es sich hierbei um den ersten Bluttest, mit dem eine psychische Erkrankung diagnostiziert werden kann.

Wie bereits bei vorherigen Untersuchungen festgestellt werden konnte, führt eine PTBS in der Regel zu starken Stressreaktionen, die mit körperlich nachweisbaren Veränderungen verbunden sind. Auf diese hat sich das Team um Charles Marmar von der NYU Langone Health zunächst konzentriert. Die Forscher untersuchten 83 Veteranen, die bei den Kriegen im Irak oder in Afghanistan Erfahrungen gemacht haben, die zu einer PTBS führten. Dazu sahen sie sich die Werte der Kontrollgruppe von 82 Soldaten ohne traumatische Erlebnisse an. Besonderes Augenmerk legten sie dabei auf Marker wie beispielsweise die Zellalterung und den Gerinnungsfaktor, und maßen zudem die Herzfrequenz der Probanden. Diese Faktoren wurden schon in früheren Untersuchungen mit PTBS in Verbindung gebracht. Insgesamt wurden 343 verschiedene Biomarker bei den Probanden untersucht.

27 Biomarker und die Herzfrequenz

Aus der Fülle an Daten konnte das Forscherteam insgesamt 28 Faktoren, 27 Biomarker und die Herzfrequenz, identifizieren, die für eine posttraumatische Belastungsstörung typisch sind. Bei der Überprüfung in einer weiteren Untersuchung ergaben die Tests eine Vorhersagegenauigkeit für PTBS von 77 Prozent.

"Diese molekularen Signaturen werden weiter verfeinert und für eine Kommerzialisierung angepasst", sagt Marti Jett vom US Army Medical Research & Development Command. Schon jetzt betrachte das Verteidigungsministerium der USA den neuen Ansatz als potentielles Screening-Instrument, mit dem Mitglieder der Army vor und nach einem Einsatz mit Merkmalen des posttraumatischen Stresses identifiziert werden könnten, erklärte Jett laut einer Mitteilung der NYU Langone Health. Auf diese Weise könnte nicht nur die Identifizierung von PTBS-Betroffenen erleichtert werden. Auch die verbreitete Stigmatisierung innerhalb des Militärs könnte damit aufgelöst werden. Zudem könne die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung leichter und eindeutiger gestellt werden.  

Einige der 27 Faktoren sind sogenannte RNA-Moleküle, die bereits in früheren Untersuchungen mit Erkrankungen des Herzens, der Leber oder einem metabolischen Syndrom in Verbindung gebracht wurden. Das ist ein Hinweis darauf, das PTBS auch Schäden auf körperlicher Ebene verursacht. Die Ergebnisse wurden bei Molecular Psychiatry veröffentlicht.

Quelle: n-tv.de

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