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Simulation des Klimawandels Sofortiger Emissions-Stopp könnte Erderwärmung beschleunigen

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Die Verbrennung fossiler Energieträger hat auch einen gewissen Abkühlungseffekt.

(Foto: picture alliance / CHROMORANGE)

Würde die Menschheit die Klima-Notbremse ziehen und von heute auf morgen auf alle Emissionen verzichten, würde das die Erderwärmung beschleunigen, finden Forscher mittels einer Computersimulation heraus. Allerdings: Der Effekt ist nur vorübergehend.

Was wäre, wenn alle menschengemachten Emissionen, die das Klima beeinflussen, sofort gestoppt würden? Die Antwort einer Gruppe von Forschenden von der University of Washington in Seattle fällt ernüchternd aus. Die Erderwärmung würde dennoch mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 42 Prozent 1,5 Grad erreichen. Und nicht nur das: Bei einem sofortigen Emissionsstopp würde sich die Erwärmung wohl zunächst beschleunigen, schreiben die Autoren in ihrer Studie, die in der Fachzeitschrift "Nature Climate Change" erschienen ist.

Der Grund für die beschleunigte Erwärmung: Bei der Verbrennung von Kohle, Erdöl und Erdgas entstehen Aerosole, welche zu einer Abkühlung beitragen. "Troposphärische Aerosole, die durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe und die Verbrennung von Biomasse entstehen, haben eine atmosphärische Lebensdauer von Tagen bis Wochen und üben derzeit einen starken Netto-Kühleffekt auf das Klima aus (ein negativer Strahlungsantrieb)." Mit Wegfall dieses Kühlungseffekts käme es zu einer schnellen Erwärmung, bevor die Verringerung der Treibhausgase die Temperatur senken würde.

Bisher hatten sich Klimaforscher auf den Effekt konzentriert, der durch den Wegfall des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) entstehen würde. Weil CO2 nur sehr langsam in der Atmosphäre abgebaut wird, würde die CO2-Konzentration über lange Zeit hoch bleiben und die Temperatur sich kaum ändern. Methan hingegen wird in 10 bis 20 Jahren abgebaut und auch andere Treibhausgase sind nicht so langlebig wie CO2. Das Stoppen der Emissionen dieser Substanzen hätte also eine allmähliche Senkung der weltweiten Durchschnittstemperatur zur Folge.

Temperaturanstieg womöglich noch höher

Wie im Sechsten Weltklimabericht der Vereinten Nationen ist der Vergleichszeitraum, auf den sich die Temperaturänderungen beziehen, der Zeitraum 1850 bis 1900. Das Team um Dvorak errechnete, dass die Menschen von 1850 bis 2019 eine Menge von 2290 Milliarden Tonnen CO2 in die Atmosphäre entlassen haben. Nach weiteren 1080 Milliarden Tonnen ab Januar 2021 werde die 1,5-Grad-Grenze erreicht, nach 1980 Milliarden Tonnen die Zwei-Grad-Grenze. Verstärkungseffekte wie der vermehrte Methanausstoß aus dem tauenden Permafrostboden sind im Klimamodell nicht berücksichtigt, sodass die Erwärmung auch höher ausfallen kann.

Der Direktor am Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg, Jochem Marotzke, bezeichnet die Studie als "sehr gut gemacht". Er war koordinierender Leitautor beim Sechsten Weltklimabericht und kennt daher die Hintergründe sehr gut. Simulationen wie in dieser Studie wären vor einigen Jahren noch mit Argwohn betrachtet worden, sagt Marotzke. "Heute wissen wir, dass diese Simulationen mit recht einfachen Modellen sehr gut für die Vorhersage der Temperaturentwicklung geeignet sind."

Quelle: ntv.de, kst/dpa

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