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Forscher rätseln über Gründe Studie: Spermienzahl bei Männern weltweit sinkt immer stärker

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Seit den frühen 1970er Jahren hat sich die Anzahl der Spermien bei Männern weltweit mehr als halbiert.

(Foto: picture alliance / Zoonar)

Eine neue Studie bestätigt Befürchtungen, dass die Zahl der Spermien bei Männern auf der ganzen Welt abnimmt. Und dies zuletzt sogar mit immer höherem Tempo. Über die Ursachen gibt es bisher nur Vermutungen. Unklar ist zudem, ob auch die Fruchtbarkeit darunter leidet.

Die Zahl der Spermien bei Männern nimmt laut einer neuen Studie weltweit immer rascher ab. Zwischen 1973 und 2018 sank die durchschnittliche Spermienkonzentration demnach um mehr als 51 Prozent - von 101,2 Millionen auf 49 Millionen Spermien pro Milliliter Samenflüssigkeit. Die Daten deuteten zudem darauf hin, "dass sich dieser weltweite Rückgang im 21. Jahrhundert beschleunigt", heißt es in der bereits am Dienstag in der Zeitschrift "Human Reproduction Update" veröffentlichten Studie.

Laut den Forschern um den israelischen Epidemiologen Hagai Levine sinkt die Zahl der Spermien derzeit mit einer Rate von 1,1 Prozent pro Jahr. Für ihre Meta-Analyse werteten die Forscher die Daten von mehr als 57.000 Männern aus 223 Studien in 53 Ländern aus. Sie bestätigte im Wesentlichen die Erkenntnisse einer Studie aus dem Jahr 2017. Diese war in die Kritik geraten, weil sie nur Daten aus Nordamerika, Europa, Australien und Neuseeland umfasste.

Die Gründe für den Rückgang der Spermien seien unklar, so die Autoren. Dringend nötig seien deshalb mehr Forschung und Maßnahmen, um zu verhindern, dass sich die Fortpflanzungsfähigkeit der Männer weiter verschlechtert. Als mögliche Ursachen für den Spermien-Rückgang werden von anderen Experten die Belastung durch Umweltverschmutzung, Kunststoffe, Rauchen, Drogen und verordnete Medikamente sowie die Lebensweise - wie etwa Übergewicht und schlechte Ernährung - genannt.

Auch abnehmende Fruchtbarkeit?

Aber bedeutet das tatsächlich, dass auch die Fruchtbarkeit von Männern abnimmt? Das ist unter Experten umstritten. Die Weltgesundheitsorganisation WHO etwa definiert ein normales Maß an Spermien zwischen 15 und 259 Millionen pro Milliliter. Damit würde der von der aktuellen Studie festgestellte Zustand noch in diesem Rahmen liegen.

Auch sagt die Anzahl der Spermien nicht zwangsläufig etwas über die Fruchtbarkeit eines einzelnen Mannes aus: Männer mit wenig Spermien können fruchtbar sein, solche mit vielen hingegen auch nicht.

Allerdings gibt es auch Hinweise auf eine zunehmend unfruchtbare Gesellschaft: So ist in Deutschland die Zahl der künstlichen Befruchtungen in den vergangenen Jahren gestiegen. Dies könnte jedoch auch andere Gründe haben. Wie die Tatsache, dass Paare im Schnitt immer später Kinder bekommen und mit zunehmendem Alter die Wahrscheinlichkeit, auf natürliche Weise schwanger zu werden, sinkt.

(Dieser Artikel wurde am Mittwoch, 16. November 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de, kst/AFP

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