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Schnell weg mit den Flusen Was Hausstaub alles verrät

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Im Hausstaub tummeln sich nicht nur Bakterien und Milben.

(Foto: imago stock&people)

Ein Blick in den Mülleimer kann viel über dessen Besitzer aussagen. Doch viel mehr Informationen kann gewöhnlicher Hausstaub liefern. In ihm stecken nicht nur Bakterien und Milben, sondern auch echte Gesundheitsrisiken.

Er ist lästig, kann Allergien auslösen und sogar gesundheitsschädliche Stoffe in sich tragen. Die Rede ist vom Hausstaub, der entweder in Form winziger, gerade noch sichtbarer Teile in der Luft schwebt und sich schließlich auf Oberflächen ablegt oder als Wollmaus unter Schränken oder Betten "lebt". Was genau im Hausstaub drin ist, wie er sich von Wohnung zu Wohnung unterscheidet und wie viel Leben tatsächlich in ihm steckt, haben Forscher gründlich untersucht. Neuesten Erkenntnissen zufolge ist es ratsam, Staub so oft wie möglich wegzusaugen.

Normaler Hausstaub ist eine Mischung anorganischer und organischer Stoffe. Er besteht zu rund 70 Prozent aus Fasern, die von der Kleidung, Handtüchern, Bettwäsche, Kuscheldecken, Kissen und Polstermöbeln stammt. Essenskrümel und Straßenschmutz sind ebenfalls enthalten. Dazu kommen Haare und Hautschuppen der Bewohner, egal ob menschlicher oder tierischer Herkunft - und diese wiederum ziehen Milben an.

Männer- oder Frauenhaushalt?

In allen Staubproben, die beispielsweise die Wissenschaftler der University of Colorado in Boulder untersuchten, wurden verschiedenste mikrobielle Gemeinschaften gefunden. In den Proben dominierten Bakterienarten, die auf der menschlichen Haut vorkommen und Fäkalbakterien. Anhand der Analyse der Bakterienarten in Staubproben konnten die Forscher mit großer Sicherheit bestimmen, ob in einem Haushalt mehr männliche oder mehr weibliche Personen wohnen und ob ein Hund oder eine Katze gehalten wird.

Da Männer mehr sogenannte Corynebakterien auf ihrer Haut tragen, geben sie auch mehr davon an ihre Umgebung ab. So sind entsprechend auch mehr im Hausstaub davon enthalten. In Haushalten, in denen mehr Frauen als Männer leben, sind es Milchsäurebakterien, die häufiger im Staub zu finden sind. Woher diese kommen, ist allerdings nicht eindeutig geklärt. Klar ist aber, dass sich viele davon in der Vagina tummeln.  

Pilze sind vom Standort beeinflusst

Noch aufschlussreicher sind allerdings die Erkenntnisse über die verschiedenen Pilze, die ebenfalls im Staub stecken. Es konnten neben typischem Haushaltsschimmel auch Pilzarten festgestellt werden, die sich auf Holz ansiedeln, normale Lebensmittel-Schimmelpilze und sogenannte Candida-Pilze, die wiederum auf der menschlichen Haut wohnen.

Welche Pilzarten im Hausstaub stecken, hängt aber nicht so sehr mit den Bewohnern des Haushalts zusammen, sondern mit der Lage der Wohnung. Die Forscher stellten fest, dass die Zusammensetzung der Pilze im Hausstaub von Wohnungen, die im Osten der USA lagen, eine andere war als die aus dem Westen des Landes. Es ist anzunehmen, dass sich die klimatischen Bedingungen der Außenwelt direkt auf das Vorhandensein von Pilzen im Hausstaub auswirken.

Gift im Hausstaub

Neben Fasern, Bakterien und Pilzen finden Forscher immer wieder auch Schadstoffe im Hausstaub. Forscher des Milken Institute der George Washington University haben in einer neuen Meta-Analyse die Ergebnisse von insgesamt 27 Studien mit Staubproben aus 14 US-Bundesstaaten ausgewertet. Sie fanden insgesamt 45 verschiedene gesundheitsschädliche Chemikalien. Diese stammen von Möbeln, Fußbodenbelägen und Konsumprodukten, aber auch aus Haushaltsreinigern und anderen Objekten aus Plastik.

Am häufigsten waren sogenannte Phtalate, also Weichmacher, die in Kunststoffen enthalten sind, zu finden. Im Durchschnitt wurden 7,7 Mikrogramm pro Gramm Hausstaub nachgewiesen. Phtalate stehen im Verdacht, krebserregend zu sein und wie Hormone zu wirken. Es ist wahrscheinlich, dass sie zudem das Asthma-Risiko bei Kindern erhöhen und die gesunde Entwicklung von Ungeborenen stören.

Am zweithäufigsten wurden Phenole nachgewiesen. Diese Chemikalien sind vor allem in Putzmitteln, die in den USA angeboten werden, enthalten. An dritter Stelle kamen sogenannte Flammschutzmittel, die in Möbeln, Bodenbelägen und Baustoffen ins Haus und damit auch in den Hausstaub kommen.

Raus mit dem Staub

Die Schadstoffe, die sich im Hausstaub befinden, werden über die Atemluft oder die Haut aufgenommen. Besonders gefährdet sind Kinder. Sie kriechen oft am Boden herum und reagieren auf Schadstoffe sensibler als Erwachsene.

Aus diesem Grund sollten vor allem Eltern von Kleinkindern so oft wie möglich einen Staubsauger mit Feinfilter benutzen, auf die Auswahl ihrer Putzmittel achten und bei Neuanschaffungen aucht die Belastung mit Schadstoffen berücksichtigen oder gleich auf Möbel aus unbehandelten Massivholz oder Metall zurückgreifen.

Quelle: ntv.de