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Auffälliger Rückgang von Fällen Zeigt Impf-"Zauber" in Israel schon Wirkung?

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Rund jeder Dritte Israeli hat mindestens eine Impfdosis erhalten.

(Foto: imago images/ZUMA Wire)

Während in Deutschland die Impfkampagne lahmt, ist in Israel schon ein Großteil der älteren Bevölkerung durchgeimpft. Und womöglich zeigt dies bereits Wirkung: Forscher verweisen auf auffällige Corona-Kennzahlen. Ist das Ende der Krise in Israel schon nahe?

Ein Ende der Coronavirus-Pandemie wird nach bisherigem Kenntnisstand nur eine herbei geimpfte Herdenimmunität bringen. Während die dafür nötige Impfkampagne in Deutschland nur schleppend voranschreitet, ist man woanders schon weiter. In Israel etwa hat bereits jeder Dritte die erste und jeder Fünfte eine zweite Impfdosis erhalten - laut dem israelischen Gesundheitsministerium liegt der Anteil bereits doppelt Geimpfter unter älteren Menschen schon deutlich über 60 Prozent. Und das zeigt womöglich schon Wirkung: "Wir sagen mit Bedacht, der Zauber hat begonnen", schrieb der Wissenschaftler Eran Segal vom Weizmann-Institut für Wissenschaften auf Twitter.

Der Grund für Segals Euphorie: Die Zahl der neuen Fälle, der Krankenhausaufenthalte und der schwer Erkrankten sinkt in der Gruppe der Über-60-Jährigen seit Wochen. Zwar herrscht in Israel seit dem 27. Dezember der mittlerweile dritte Lockdown, was einen Rückgang erwartbar macht. Doch der Bioinformatiker verweist in einem Tweet auf eine Besonderheit, die er und weitere Forscher herausgearbeitet haben: Anders als nach dem zweiten Lockdown falle der Rückgang in der bereits stark durchgeimpften Gruppe der Über-60-Jährigen deutlicher aus als bei Menschen zwischen 40 und 60 Jahren, von denen bisher ein deutlich geringerer Anteil zweimal geimpft wurde.

Ein anderer Hinweis ist laut Segal die unterschiedliche Entwicklung in Städten mit unterschiedlichen Impf-Niveaus: "Zum Beispiel gibt es in Städten, in denen wir eine hohe Impfbeteiligung bei Menschen über 60 Jahren gesehen haben, einen Rückgang der bestätigten Fälle um 50 Prozent, einen Rückgang der Krankenhausaufenthalte um 40 Prozent und 15 Prozent weniger schwer erkrankte Patienten", sagte Segal gegenüber Ynetnews. "In Gemeinden mit niedriger Beteiligung sehen wir diesen Effekt noch nicht." Die Wirkung des Impfstoffs sei also gravierend, schlussfolgert er.

Impfstoff zeigt sich verlässlich

Dass der in Israel eingesetzte Impfstoff von Biontech/Pfizer wirkt, zeigen auch Daten des israelischen Gesundheitsministeriums: Von fast 750.000 Menschen über 60 Jahren, die bereits über den vollen Impfschutz verfügten, wurden nur 531 positiv auf Sars-CoV-2 getestet, berichtet die BBC. Das entspricht einem Anteil von gerade mal 0,07 Prozent. Die Untersuchung bezog sich auf Menschen, bei denen die zweite Impfdosis bereits mindestens eine Woche her war, und die deshalb über den vollen Impfschutz verfügten. Von diesen mussten nur 38 Menschen stationär behandelt werden. Allerdings gab es auch drei Todesfälle in dieser Gruppe - die Verstorbenen könnten sich aber auch angesteckt haben, bevor ihr Körper eine volle Immunität aufbauen konnte.

Die gesammelten Daten allein von den älteren Geimpften in Israel umfassen damit viel mehr Personen als die klinischen Phase-3-Studien von Biontech/Pfizer und Moderna zusammen. An diesen hatten etwa 75.000 Menschen teilgenommen, wobei die Hälfte den Impfstoff und die andere Hälfte ein Placebo erhalten hatte. Die Biontech/Pfizer-Studie zeigte eine Wirksamkeit von 95 Prozent - die Daten des israelischen Gesundheitsministeriums scheinen dies nicht nur zu bestätigen, sondern auf eine noch höhere Wirksamkeit hinzudeuten. Allerdings fehlt bei den Daten des Gesundheitsministeriums eine gleich große Kontrollgruppe, die keine Impfung erhalten hat.

Eine Analyse von Maccabi Healthcare Services, einem der vier Gesundheitsversorger Israels, hat jedoch eine Kontrollgruppe miteinbezogen. Untersucht wurden zunächst 248.000 Maccabi-Mitglieder mit vollem Impfschutz. Nur 66 davon hatten sich mit Sars-CoV-2 infiziert, berichtet die "Jerusalem Post". Bei allen Infizierten trat nur eine milde Form der Krankheit auf, und keiner der Infizierten musste stationär behandelt werden. In einer Kontrollgruppe von rund 900.000 Menschen gab es im selben Zeitraum jedoch etwa 8250 neue Corona-Fälle - das Risiko einer Erkrankung war also elfmal so hoch.

Israel bleibt im Lockdown

Steht Israel mit einem sich andeutenden Erfolg der Impfkampagne kurz vor neuen Lockerungen? Zunächst einmal hat das Land den aktuellen Lockdown bis kommenden Freitagabend verlängert. Am Mittwoch will die Regierung erneut über eine abermalige Verlängerung beraten. Denn trotz der intensiven Impfkampagne sind die Infektionszahlen weiterhin hoch: Der Januar war der tödlichste Monat seit Beginn der Pandemie. Mehr als tausend der insgesamt 4700 Todesfälle im Zusammenhang mit einer Infektion wurden allein im vergangenen Monat registriert. Hinzu kommen regelmäßig rund 5000 Neuansteckungen binnen 24 Stunden.

Auch Bioinformatiker Segal warnte gegenüber Ynetnews vor zu schnellen Lockerungen, etwa einer baldigen Wiedereröffnung von Schulen. Diese werde, wenn sie nicht schrittweise erfolge, die Infektionsrate erhöhen und "den Einfluss der Impfstoffe komplett zunichtemachen", warnt er.

Quelle: ntv.de