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1952 testeten die USA die erste Wasserstoffbombe.
1952 testeten die USA die erste Wasserstoffbombe.(Foto: picture alliance / dpa)

Beben weisen auf Kernwaffentest hin: Warum Kims H-Bombe so gefährlich wäre

Von Andrea Schorsch

Atombomben soll Nordkorea schon erfolgreich getestet haben. Diesmal spricht das Land von einer Wasserstoffbombe. Warum eine solche noch zerstörerischer ist - und warum es gute Gründe gibt, an den Worten Kim Jong Uns zu zweifeln.

Ob es tatsächlich eine Wasserstoffbombe war, die Nordkorea gezündet hat, ist fraglich. Aus Pjöngjang hieß es, das soll erstmals der Fall gewesen sein. Fest steht, dass ein Beben messbar war: "Heute Morgen wurde im Bereich des Testgeländes Punffyue Ri ein seismisches Ereignis in sehr geringer Tiefe registriert", bestätigt das Deutsche GeoForschungsZentrum in Potsdam (GFZ). Die Messungen ergaben in dem Gebiet eine Magnitude von M 5,3. Bereits 2006, 2009 und 2013 hatte Nordkorea dort Atombombentests durchgeführt. Luftmessungen belegten 2013, dass es kein konventioneller Sprengstoff war, den Nordkorea damals explodieren ließ. Radioaktives Xenon war in der Luft nachweisbar.

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Die zerstörerische Kraft von Kernwaffen ist bekannt und gefürchtet. Beim Abwurf der Atombombe auf Hiroshima am 6. August 1945 entstand ein Feuerball von 150 Metern Durchmesser. Seine Innentemperatur lag bei mehr als einer Million Grad Celsius. Die starke Hitze ließ noch in mehr als zehn Kilometern Entfernung Bäume in Flammen aufgehen. Von den 76.000 Häusern der Großstadt wurden 70.000 zerstört. Schon 43 Sekunden nach der Explosion der Atombombe in 600 Metern Höhe über Hiroshima hatte die Druckwelle 80 Prozent der Innenstadt dem Erdboden gleichgemacht. Der charakteristische Atompilz stieg 13 Kilometer in den Himmel. Die Sprengkraft der Bombe war die von 13 Kilotonnen TNT, also konventionellem Sprengstoff.

Eine Steigerung dieser Zerstörungsgewalt ist kaum vorstellbar – und doch möglich. Die Wasserstoffbombe, auch H-Bombe genannt, ist eine Fortentwicklung der Atombombe. Die Sprengkraft von "Ivy Mike", der ersten getesteten Wasserstoffbombe überhaupt (1952 durch die USA), entsprach der von 10,4 Millionen Tonnen TNT. Der Feuerball, den "Ivy Mike" erzeugte, war fünf Kilometer groß. Der Atompilz erreichte eine Höhe von 43 Kilometern.

Interaktion von Spaltung und Fusion

"Ivy Mike" war die stärkste bis dahin getestete Kernwaffe. Danach gab es noch wesentlich stärkere: Die russische "Zar-Bombe", ebenfalls eine Wasserstoffbombe, war fast sechs Mal so explosiv wie "Ivy Mike". Die Druckwelle, die sie verursachte, war so heftig, dass sie die Erde fast drei Mal umrundete.

Die Funktionsweise einer Wasserstoffbombe unterscheidet sich grundlegend von der einer Atombombe. Bei einer Atombombe wird ein Kernspaltungsprozess in Gang gesetzt, eine unkontrollierte Kettenreaktion. Zentraler Bestandteil ist spaltbares Material wie Uran oder Plutonium. Erreicht dieses eine "kritische Masse" – bei Uran beträgt diese etwa 40 Kilogramm – wird die Kettenreaktion ausgelöst. Die "kritische Masse" wird in Atomsprengköpfen durch das Zusammenpressen zweier kleinerer, "unkritischer" Massen erzeugt.

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Eine Wasserstoffbombe beruht auf dem gegenteiligen Prinzip: der Kernfusion. Hier verschmelzen die Wasserstoffisotope Deuterium und Tritium zu Helium – ebenfalls unter Freigabe ungeheurer Mengen von Energie. Der Vorgang ist der, der auch im Innern der Sonne stattfindet. Zum Zünden der Fusion allerdings ist bereits eine starke Hitze nötig. Deswegen kommt keine Wasserstoffbombe ohne Atomsprengsatz aus. Mithilfe von Kernspaltung wird der Fusionsprozess in Gang gesetzt. Eine Kettenreaktion findet hier nicht statt. Aber bei gleicher Masse wird wesentlich mehr Energie freigesetzt. Das erklärt die Wucht der Wasserstoffbombe. Noch nie sind Wasserstoffbomben im Krieg gegen Menschen eingesetzt worden. Es blieb bei Tests.

Zu schwach für eine Wasserstoffbombe?

Das jetzt vor Nordkorea gemessene Beben ist aufschlussreich: "Geophysikalisch unterscheiden sich durch Explosionen erzeugte Beben deutlich von natürlichen Erdbeben", sagt Franz Ossing vom GFZ. "Die Ähnlichkeit der Wellenformen sowie die flache Herdtiefe legen nahe, dass es sich bei dem heutigen Ereignis wieder um eine starke Explosion handelt. Ein Vergleich mit den Messungen von 2009 und 2013 zeigt zudem eine größere Magnitude als bei den vorangegangenen Tests." Die Auswirkungen der Explosion waren sogar in der GFZ-Station in Sachsen-Anhalt erfassbar – elf Minuten nach dem Ereignis.

Auch die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) registrierte ein Beben und identifizierte es als Explosion. "Nach dem bisherigen Stand der Auswertung sprechen starke Indizien für eine Nuklearexplosion", heißt es aus der Behörde. 11 Minuten und 38 Sekunden nach der Explosion zeichnete die BGR die Signale im Bayerischen Wald auf, 8200 Kilometer vom Testgebiet entfernt. Die Ladungsstärke der Bombe entspreche in etwa 14.000 Tonnen TNT, so die BGR. Das sei etwa die Stärke des Tests von 2013. Dieses Ergebnis würde gegen eine Wasserstoffbombe sprechen. Laut BGR "ist davon auszugehen, dass bei einer Wasserstoffbombe eine größere Sprengkraft erzeugt wird".

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Quelle: n-tv.de

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