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Staatsführer Kim (hier bei Militärtests im August) ließ die Wasserstoffbombe zünden.
Staatsführer Kim (hier bei Militärtests im August) ließ die Wasserstoffbombe zünden.(Foto: REUTERS)

"Strategische Entscheidung": Nordkorea meldet Wasserstoffbombentest

Nordkorea provoziert einmal mehr die Weltgemeinschaft. Das weitgehend isolierte Land zündet nach eigenem Bekunden erneut eine Wasserstoffbombe. Weltweit registrieren Erdbebenwarten den Erdstoß. Südkorea und Japan sind alarmiert.

Nordkorea hat nach eigenen Angaben erstmals eine Wasserstoffbombe getestet. Der Test sei erfolgreich verlaufen, verkündete ein Nachrichtensprecher im staatlichen Fernsehen. Es habe sich um eine "strategische Entscheidung" unter Leitung des Staatsführers Kim Jong Un gehandelt. Zuvor war von der US-Erdbebenwarte USGS nahe dem nordkoreanischen Atomtestgelände Punggye Ri ein starker Erdstoß registriert worden. Südkorea und Japan verurteilten den Test aufs Schärfste. Auch China, Frankreich und Großbritannien übten Kritik. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen berief eine Dringlichkeitssitzung ein.

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Nach dem Test hieß es im staatlichen Fernsehen, Nordkorea werde seine Atom-Kapazitäten weiter ausbauen. Solange die Rechte des Landes geachtet würden, würden aber keine Atomwaffen eingesetzt. Es gehe allein um Selbstverteidigung. Solange die USA ihre feindliche Politik gegenüber Nordkorea nicht aufgeben würden, werde das Land auch sein Atomprogramm nicht beenden.

Das international weitgehend isolierte Nordkorea hatte bereits in den Jahren 2006, 2009 und 2013 Atomwaffentests unternommen und damit jedes Mal internationale Empörung ausgelöst. Der UN-Sicherheitsrat hatte jeweils mit neuen Strafmaßnahmen reagiert.

Nun wollen die Mitglieder des Gremiums noch im Tagesverlauf zusammentreten, um über das weitere Vorgehen zu beraten, sagte eine Sprecherin. "Auch wenn wir zur Zeit noch nicht bestätigen können, dass ein Test durchgeführt wurde, verurteilen wir jegliche Verletzung der UN-Resolutionen und rufen Nordkorea erneut auf, sich an internationale Vereinbarungen zu halten."

Südkorea beruft Sicherheitsrat ein

Auf diesem von Nordkorea verbreiteten Bild unterzeichnet Kim angeblich den Befehl zum Zünden der Bombe.
Auf diesem von Nordkorea verbreiteten Bild unterzeichnet Kim angeblich den Befehl zum Zünden der Bombe.(Foto: REUTERS)

Im benachbarten Südkorea rief Präsidentin Park Geun Hye ein Treffen des Nationalen Sicherheitsrats ein. Nordkoreas Atomtest sei eine Provokation und eine klare Verletzung von UN-Resolutionen, wurde Vizeaußenminister Lim Sung Nam von Yonhap zitiert. Zwischen dem kommunistischen Norden und dem demokratischen Süden herrscht seit Jahrzehnten formell noch Kriegszustand. Ende November hatten beide Länder erklärt, einen neuen Anlauf zur Entspannung nehmen zu wollen.

Japans Ministerpräsident Shinzo Abe sprach von einer ernste Bedrohung für die Sicherheit seines Landes. Der Atomtest sei absolut nicht hinnehmbar. Die japanische Nachrichtenagentur Kyodo zitierte einen Regierungsbeamten, wonach Japan weitere Sanktionen gegen das Nachbarregime verhängen könnte.

China zeigt Verständnis

Die chinesische Regierung forderte Nordkorea auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren und seine Atomwaffen aufzugeben. Die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua bezeichnete den Atomversuch als "höchst bedauerlich" und als einen "Verstoß gegen UN-Resolutionen". Gleichzeitig zeigte China aber auch Verständnis für das "tiefe Gefühl der Unsicherheit in Nordkorea nach Jahren der Feindschaft durch die USA, deren Politik eines Schwenks nach Asien wie ein Muskelspiel erscheint". Die seit 2009 eingefrorenen Sechs-Parteien-Gespräche zwischen Nordkorea, Südkorea, den USA, China, Japan, Russland seien "der einzig aussichtsreiche Weg aus dem regionalen Morast".

Auch Frankreich und Großbritannien haben mit scharfer Kritik auf den jüngsten Atomtest Nordkoreas reagiert. Der Atomversuch sei "eine inakzeptable Verletzung von Beschlüssen des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen", hieß es in Mitteilung aus dem Élyséepalast in Paris.

Die britische Regierung nannte den Atomversuch eine Provokation. "Wenn die Berichte über den nordkoreanischen Wasserstoffbomben-Test wahr sind, ist das ein schwerer Bruch der Resolutionen des UN-Sicherheitsrats und eine Provokation, die ich ohne Einschränkung verurteilte", twitterte Außenminister Philip Hammond am Mittwoch von China aus.

Kim: "Nordkorea ist mächtiger Atomstaat"

Atombomben werden mit Plutonium oder Uran hergestellt. Bei einer Wasserstoffbombe verschmelzen unter anderem Deuterium und Tritium, schwere Isotope des Wasserstoffs, zu Helium. Ihre Sprengkraft ist um ein Vielfaches höher als die einer Atombombe.

Der nordkoreanische Staatschef Kim Jong Un hatte erst im Dezember erstmals angedeutet, dass sein Land eine solche Waffe besitzt. Er sagte laut einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur KCNA, Nordkorea sei "ein mächtiger Atomstaat, der bereit ist, eine selbstständige Atombombe und eine Wasserstoffbombe zu zünden, um seine Souveränität zu verteidigen". Kims Äußerung war der erste explizite Hinweis auf eine Wasserstoffbombe, seine Aussagen wurden aber von internationalen Experten mit Skepsis aufgenommen. Nun vermeldete das kommunistische Land den ersten Test einer Wasserstoffbombe.

Ein leichtes Erdbeben in der Nähe des Atomtestgeländes in Kilju im Nordosten Nordkoreas hatte im Ausland sofort Spekulationen um einen neuen Atomtest ausgelöst. Der Erdstoß erreichte nach unterschiedlichen Angaben von Erdbebeninformationszentren in Südkorea, China, den USA und Europa eine Stärke zwischen 4,9 und 5,2 auf der Richter-Skala. Japan vermutete umgehend, dass Nordkorea einen neuen Kernwaffentest ausgeführt haben könnte. Das chinesische Erdbebenzentrum erklärte, der Erdstoß sei vermutlich durch "eine Explosion" ausgelöst worden.

Quelle: n-tv.de

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